Werders Zehner Levent Aycicek

Eine Nummer zu groß

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Werder-Profi Levent Aycicek

Bremen – Von Michael Baltes. Die Erwartungen waren enorm: Levent Aycicek, einst als eines der größten Werder-Talente gehandelt, sollte bei den Bremern in die Rolle des Spielmachers hineinwachsen. Der 21-Jährige bekam für diese Saison das Trikot mit der prestigeträchtigen Nummer „10“. Doch die Realität ist längst eine andere. Aycicek scheint in den Planungen von Cheftrainer Viktor Skripnik derzeit keine Rolle zu spielen. Dabei ist gerade in Werders Zentrale die Not groß.

Ein ums andere Mal wirbelte Aycicek am vergangenen Freitag die Abwehrreihen von RB Leipzig durcheinander. Dem 21-Jährigen war die Spielfreude in Werders Benefizspiel gegen den Zweitligisten deutlich anzumerken. Eine Lebenszeichen des Mittelfeldspielers, der in dieser Saison bisher bei keinem der acht Bundesligaspiele für den Kader der Grün-Weißen berücksichtigt wurde. Nach 45 Minuten war Schluss, Skripnik holte ihn vom Feld und beendete damit Ayciceks kurzweilige Rückkehr in den Kreis der ersten Mannschaft.

Statt Profiteam wird am kommenden Wochenende wohl wieder die U23 Ayciceks Standort sein. Der Gegner heißt dann Hallescher FC statt FC Bayern. Und das, obwohl die Lage bei Werder misslich ist und die Grün-Weißen gerade im zentralen Mittelfeld einen Antreiber und Ideengeber gut gebrauchen könnten. Diese Rolle wird dem 21-Jährigen aber offensichtlich nicht (mehr) zugetraut. Vor einigen Monaten klang das etwas anders: „Levent ist zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Bundesliga-Kaders gereift. Er hat seine Qualität auch in der Bundesliga unter Beweis stellen können. Deshalb sind wir sehr froh, dass er seine Entwicklung auch weiterhin bei Werder fortsetzt", sagte Werders Sportchef Thomas Eichin im März, als Aycicek seinen Vertrag an der Weser vorzeitig bis 2018 verlängerte.

Im Zuge seiner Verlängerung ließ sich der Mittelfeldspieler vertraglich die prestigeträchtige Trikotnummer 10 zusichern. Ein Akt, der von Selbstbewusstsein zeugt – im Nachhinein möglicherweise aber ein Fehler war. Allein die „10“ auf dem Rücken weckt Erwartungen. Erwartungen, die schwer zu erfüllen sind. Zu groß sind die Fußstapfen von Größen wie Johan Micoud oder Diego, die dieses Trikot in den erfolgreichen Bremer Jahren getragen haben. Dass Aycicek die Nummer trotzdem bekommen hat, spricht aber auch dafür, wie groß die Zuversicht der Bremer Verantwortlichen gewesen sein muss, dass der gebürtige Nienburger tatsächlich in die Rolle des Spielmachers hineinwachsen kann. Möglicherweise ebenfalls ein Fehler. Statt den Druck von dem Mittelfeldspieler zu nehmen, wurde er so erhöht.

Gegen Mainz II 90 Minuten auf der Bank

Schon in der Sommervorbereitung zeichnete sich ab, dass Aycicek in dieser Saison vorerst nicht der neue Taktgeber im Mittelfeld der Grün-Weißen wird. Im Gegenteil. Mit Maximilian Eggestein lief ihm ein anderer Jungspund den Rang ab. Aycicek sollte sich stattdessen in der U23 beweisen. So spielte der 21-Jährige gegen Cottbus, während die Profis in London einen Test gegen West Ham bestritten. „Der Trainer hat gesagt, dass ich Spielpraxis sammeln soll. Das ist auch okay“, sagte Aycicek damals. Wirklich glücklich klang er dabei allerdings nicht. Auch wenn er es so nicht formulieren wollte: Er war schon zu diesem Zeitpunkt unzufrieden mit der Situation, das merkte man ihm an.

Sein Ziel ist klar: Er will den Durchbruch in der Bundesliga schaffen und nicht auf Dauer in der Dritten Liga aushelfen. „Mein Ziel ist es schon, oben zu spielen“, so Aycicek. Ein Ziel, von dem er aktuell ein gutes Stück entfernt ist, um es vorsichtig zu formulieren. Seine Leistungen in der U23 in den vergangenen Wochen ließen nicht unbedingt aufhorchen. Beim 2:1-Sieg gegen Mainz II saß er zuletzt 90 Minuten auf der Bank. Sein Einsatz bei den Profis beim Benefizspiel gegen Leipzig kann nun natürlich als positives Zeichen von Skripnik gedeutet werden. Allerdings war Werders Kader aufgrund der Länderspielpause auch arg ausgedünnt.

Nichtsdestotrotz hat Aycicek die 45 Minuten gegen RB genutzt, um zu zeigen, dass er noch da ist und das Fußballspielen nicht verlernt hat. Um sich wieder dauerhaft für den Kreis der ersten Mannschaft zu empfehlen, wird ein guter Auftritt allerdings nicht reichen. Aycicek muss die Bühne der Dritten Liga besser nutzen, um für Skripnik wieder zu einer echten Alternative – oder sogar mehr – zu werden. Falls das nicht gelingt - ab dem 1. Januar ist der Transfermarkt wieder geöffnet.

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