Der neue Coach vertraut den Werder-Fans

Dutt riskiert Pleiten, um Stevanovic zu entdecken

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Da konnte Ajax-Kapitän Siem de Jong (links) noch so böse gucken, Werder-Profi Aleksandar Stevanovic ließ sich nicht abschütteln.

Bremen - Von Björn Knips. Schon wieder verloren, das dritte Mal in Folge. Der Loser-Stempel schwebt schon über dem SV Werder. Doch Robin Dutt ist gut gelaunt. Der neue Bremer Coach hatte schon vor der 2:3 (0:2)-Pleite am Freitagabend in Meppen gegen Ajax Amsterdam betont, dass ihm Ergebnisse in der Vorbereitung egal sind. Nach der Partie machte der 48-Jährige noch einmal deutlich, worum es ihm jetzt geht, warum er Niederlagen riskiert und wieso er den Fans vertraut.

„Wir müssen da jetzt durch“, sagte Dutt und warb um Verständnis: „Wir brauchen keine Ergebnisse, um irgendeinen Schein zu wahren. Wir brauchen diese Analyse.“ Der Nachfolger von Thomas Schaaf befindet sich drei Wochen nach Dienstantritt noch in der Findungsphase: „Wir müssen jedem Spieler seine Chance geben. Stellen Sie sich vor, ich hätte Aleksandar Stevanovic heute nicht diese Chance gegeben. Dann wüsste ich nicht, dass er eine ernsthafte Alternative ist. Da muss ich das Ergebnis riskieren. Das ziehe ich auf mich, da kann sich die Mannschaft auf mich verlassen.“

Klare Worte vom neuen Chef, der mit der Aufstellung von Stevanovic im rechten Mittelfeld ziemlich überrascht hatte. Der 21-Jährige war längst als Leih- oder Verkaufsobjekt gehandelt worden. Doch Dutt ist von dem Serben, der bislang fünf Bundesliga-Spiele für Werder absolviert hat, richtig angetan: „Das war mehr als ordentlich von ihm, das hat mir gut gefallen.“ Das galt speziell für die Szene in der elften Minute, als Stevanovic mit einem geschickten Pass Aaron Hunt in eine gute Schussposition brachte. Doch der Nationalspieler traf nur das Außennetz.

Fotos: Werder verliert gegen Amsterdam

Werder verliert Test gegen Ajax

Ein Dutt-Experiment war auch der Seitenwechsel von Außenverteidiger Theodor Gebre Selassie. „Dass er Rechtsfuß ist, hat man auf der linken Seite gar nicht gemerkt. Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobte der Trainer. Und Dutt machte weiter. Von Mittelstürmer Nils Petersen war er „überrascht, wie gut er sich auf dem Flügel durchgetankt hat“. Warme Worte gab es ebenso für Keeper Sebastian Mielitz: „Er hat eine sehr gute Ausstrahlung gehabt.“

Die half allerdings nur bedingt. Denn Werder kassierte trotzdem drei Gegentore. Daley Blind (38.) und Bojan Krkic (43.) hatten es viel zu leicht, den niederländischen Meister in Führung zu schießen. Das galt zwar auch für das 3:1 von Christian Eriksen (88.), aber da hatte Werder nach dem Anschlusstreffer von Joseph Akpala (78.) in den absoluten Angriffsmodus geschaltet und die Abwehr total entblößt. Weil Petersen wenig später verkürzte, sah das Ergebnis gar nicht so schlimm aus.

Doch dieser Eindruck täuschte ein wenig. Lange Zeit war Werder nur hinterhergelaufen. Die besondere Konzentration auf die Defensive hemmte den Offensivdrang. „Wir hatten wenig Ballbesitz“, merkte Hunt kritisch an. Deshalb macht sich der 26-Jährige aber nicht verrückt: „Es ist kein Weltuntergang, dass wir drei Mal hintereinander verloren haben. Wichtig ist, dass wir auf einem guten Weg sind – und das sind wir.“

Das betont auch immer wieder Dutt. Und er fühlt sich dabei sicher, weil er seinem Arbeitgeber („Dieser Verein hat Geduld“) und auch den Anhängern vertraut: „Die Bremer Fans haben den Ruf, dass sie die Dinge richtig einschätzen können. Ich glaube nicht, dass hier jemand erwartet, dass ich innerhalb von 14 Tagen alles auf den Kopf stelle.“

Fotos: Werder im Trainingslager in Blankenhain

Werder im Trainingslager in Blankenhain

Dutt verspricht harte Arbeit. Zum Beispiel im dritten Trainingslager in Blankenhain, wo die Bremer am Samstagnachmittag nach fünfstündiger Busfahrt eintrafen und wo sie bis Donnerstag bleiben. Am Dienstag gibt es den nächsten Test – beim Drittligisten RB Leipzig. Dutt wird wieder viel probieren und notfalls auch verlieren, um einen wie Stevanovic zu entdecken.

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