Ein unangenehmer Rückblick

Werders Ärger mit dem Videobeweis

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Schiri Bastian Dankert pfiff Maximilian Eggesteins Treffer im Spiel gegen Hertha BSC nach Videobeweis zurück.

Bremen - Seit Saisonbeginn gibt es den Videobeweis, doch Werder blieb lange außen vor – oder besser gesagt: davon verschont. Denn inzwischen ist es alles andere als eine Erfolgsgeschichte für die Bremer, zuletzt war es sogar ein großes Ärgernis.

Denn wie schon im Pokal in Leverkusen griffen auch in Freiburg die in Köln sitzenden Aufpasser nicht ein, obwohl es durchaus möglich gewesen wäre. Die DeichStube blickt mal auf die wichtigsten Szenen mit und vor allem auch ohne Videobeweis zurück.

1. Heimspiel gegen Stuttgart am 2. Dezember, 1:0

Nach der Pause wäre die Partie wohl schnell entschieden gewesen, wenn Bartels’ 2:0 gezählt hätte (52.). Doch der Video-Assistent in Köln hatte den Torschützen im Abseits gesehen und Schiedsrichter Bastian Dankert informiert. Der entschied nach Torjubel, Torfanfare und einer kleinen Ewigkeit auf Nicht-Tor – dafür gab es fast zwangsläufig Pfiffe von den Rängen.

Bastian Dankert entscheidet auf kein Tor.

2. Heimspiel gegen Hertha am 27. Januar, 0:0

Zehn Minuten waren rum, da traf Maximilian Eggestein aus der Drehung ins Berliner Tor. Der Bremer jubelte, alle freuten sich, aber: Das Tor zählte nicht. Der Videobeweis ergab, dass Thomas Delaney zuvor im Luftkampf mit Herthas Fabian Lustenberger den Ellbogen eingesetzt hatte. Schiedsrichter Bastian Dankert hatte die Aktion, die sich am Mittelkreis abgespielt hatte, nicht erkannt, bekam aber eine entsprechende Botschaft aufs Ohr.

Schiedsrichter Bastian Dankert schaut sich die Szene noch mal genauer an und entscheidet: Kein Tor!

Videobeweis, kein Tor, Freistoß Hertha, Gelb für Delaney – und es blieb die Frage, ob die Regel, dass die Entstehung eines Tores wirklich drei, vier Stationen weit zurückverfolgt werden darf/soll, wirklich Sinn macht. Immerhin waren nach Delaneys Balleroberung noch Eggestein, Gebre Selassie, Gondorf und wieder Eggestein am Ball. Aber Dankert und sein Video-Assistent hatten, das bestätigte Sky-Experte und Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann (übrigens ein Bremer), völlig richtig gehandelt. Seine Einschätzung: „Die Balleroberung war nicht korrekt. Wir haben den Videobeweis, damit solche Szenen aufgeklärt werden.“

3. Pokal-Viertelfinale in Leverkusen am 6. Februar, 2:4

Als Max Kruse in der zwölften Minute im Leverkusener Strafraum von seinem Gegenspieler Charles Aranguiz einen Schlag mit dem Ellenbogen ins Gesicht bekam, lief das Spiel weiter. Schiedsrichter Marco Fritz hatte die Szene nicht als Foulspiel erkannt, was nicht weiter schlimm gewesen wäre – schließlich hätte sich sein Kollege Wolfgang Stark, an diesem Abend der Video-Assistent in Köln, ja umgehend melden können. Tat er aber nicht. Kein zweiter Elfmeter für Werder, keine Chance auf das wohl vorentscheidende 3:0.

Charles Aranguiz‘ Ellenbogen im Gesicht von Max Kruse.

Szene Nummer zwei, die die Werder-Protagonisten nach dem Pokal-Aus von Leverkusen erzürnte, ereignete sich in der Verlängerung – und sie war prädestiniert für den Videobeweis, der dieses Mal auch zur Anwendung kam. In der 104. Minute kam es nahe der Mittellinie zu einer Rudelbildung. Leverkusens Dominik Kohr griff dabei Niklas Moisander an den Hals, kurz darauf gerieten Leon Bailey und Thomas Delaney aneinander.

Der Bremer legte den Arm um den Leverkusener, der sich wiederum per Schubser befreite. Delaney ging zu Boden, und es vermischte sich das rüpelhafte Verhalten des einen mit der Theatralik des anderen. Referee Fritz hatte alle Mühe, Ordnung in die Szene zu bekommen und bediente sich bei der Bewertung anschließend des technischen Hilfsmittels. An der Seitenlinie sah er sich die Bilder noch einmal auf einem Monitor an – um Kohr und Bailey dann jeweils die Gelbe Karte zu zeigen. Dabei hätte Bailey auch Rot sehen können.

4. Auswärtsspiel in Freiburg am 17. Februar, 0:1

Zwei Elfmeter für Freiburg, keiner für Werder – und dann war da auch noch dieses rüde Foul an Bargfrede. Schiedsrichter Robert Hartmann dürfte sich bei Werder keine neuen Freunde gemacht haben – und der Videoassistent auch nicht. Der erste Strafstoß für Freiburg nach einem ungeschickten Handgriff von Aron Joahnnsson an Marco Terrazzino war schon okay, der zweite sowieso: Milos Veljkovic gestand später selbst, dass er Nils Petersen kurz vor Schluss gefoult hatte.

So weit so klar. Aber bei der Aktion von Christian Günter gegen Max Kruse blieb Hartmanns Pfeife in der 86. Minute überraschend still. „Ich versuche, den Ball mit der Brust mitzunehmen und werde von hinten geschubst. Außerhalb des Strafraums hätte das jeder sofort gepfiffen, im Strafraum trauen sie sich nicht so richtig“, ärgerte sich Kruse im ZDF. Teamkollege Niklas Moisander hatte direkt nach der Szene bei Hartmann nachgefragt und auf den Videoassistenten verwiesen: „Der Schiedsrichter hat mir gesagt, sie hätten es gecheckt, es wäre kein Elfmeter gewesen.“

Freiburg gegen Werder: Max Kruse kommt im Strafraum zu Fall, die Pfeife bleibt still.

Ob Hartmann in der ersten Halbzeit auch bei Abrashis rüdem Foul an Bargfrede Kontakt nach Köln hatte, ist nicht überliefert. Nach Ansicht der TV-Bilder wäre aber eine Rote Karte angebrachter gewesen als die Gelbe, die Hartmann gezückt hatte.

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Quelle: DeichStube

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