Clemens Fritz hängt bei Werder noch eine Saison dran und legt alle anderen Pläne auf Eis

Die Zugabe des Kapitäns

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Mit 34 Jahren wird Clemens Fritz bei Werder nicht weggelobt, sondern hofiert. Mit Erfolg: Fritz hat noch länger Lust, Bremer Luft zu atmen.

Bremen - Früher hätte man sich Clemens Fritz auch in anderer Funktion vorstellen können. Etwa als Werbegesicht für alle möglichen Produkte, die Mann so braucht. Haarshampoo? Aftershave? Anzüge? Urlaubsreisen? Alles wäre gegangen. Oder noch besser: Fritz als Frontmann einer Boy-Group. Die Mädels wären begeistert gewesen. Weil: Er sieht ja sooo gut aus. Aber Clemens Fritz hat sich bei seiner Berufswahl dazu entschlossen, nicht sein Gesicht zu Markte getragen, sondern seine Füße. Worüber sich seit neun Jahren der SV Werder Bremen freut. Und noch ein weiteres Jahr freuen darf. Denn gestern wurde die erwartete Vertragsverlängerung mit dem Teamkapitän perfekt gemacht und verkündet.

Clemens Fritz bleibt Werder demnach noch eine Spielzeit erhalten, seine Bundesliga-Karriere geht frühestens im Sommer 2016 zu Ende. Wer hätte das noch zu Saisonbeginn gedacht? Damals galt Fritz als Auslaufmodell, als einer, der Werder nicht mehr voranbringt. Er spielte nicht gut, hatte den Abgang aus Bremen schon beschlossen und verkündet. „Ich war eigentlich darauf eingestellt, dass es meine letzte Saison wird“, gibt er zu. Ein Wechsel in die USA schien am wahrscheinlichsten. Doch dann änderten sich bei Werder so viele Dinge, weshalb sich letztlich auch die Gedanken des Kapitäns drehten. „Ich sehe die positive Entwicklung im Club. Dass es jetzt gut läuft, macht es für jeden leichter – auch für mich“, sagt Fritz: „Und ich habe Lust, weiter an dem Umbruch mitzuwirken.“

Es hat schon 34-Jährige gegeben, die in ihren Clubs zu Opfern eines Neuaufbaus wurden. Bei Clemens Fritz, dem nonchalanten, intelligenten und jeder Gesprächssituation gewachsenen Routinier, sieht das völlig anders aus. Trainer Viktor Skripnik hatte schon kurz nach dem eigenen Amtsantritt angefangen, an dem Mannschaftsführer zu baggern. Er hat ihm erklärt, wie sehr er seine Fähigkeiten und Erfahrungen brauche. Wie sehr er auf ihn hoffe, wie wichtig er ihm sei. „Wir als Trainerteam sind sehr froh, dass er uns noch ein weiteres Jahr zur Verfügung steht. Er ist für uns ein wichtiger Ansprechpartner“, sagt Skripnik nun, da sein Werben erfolgreich war, und hebt Fritz’ „große Bedeutung“ für das Mannschaftsgefüge hervor.

Der dienstälteste Werder-Profi (310 Pflichtspiele für die Bremer) ist einer, der keine Feinde kennt. Fritz wird von allen Mitspielern akzeptiert, die jungen Kollegen suchen seinen Rat, nehmen ihn gerne an. Mit Gefühl, Verstand, Empathie und Humor füllt Clemens Fritz seine Rolle als Kapitän seit vier Jahren aus. Dabei kommt er meistens unaufgeregt rüber – wie auch in den Wochen, in denen er „intensiv“ über die Vertragsverlängerung nachgedacht hat: „Das ist ja keine Entscheidung, die man eben mal so fällt. Mich musste aber niemand zum Weitermachen überreden. Das habe ich ganz allein für mich entschieden.“

Werder-Kapitän Fritz

Der wichtigste Faktor war dabei auch nicht die sportliche Perspektive, sondern die Signale, die ihm sein Körper gab. Und das sind bislang erfreulich wenige, meint Fritz: „Mit 34 Jahren braucht der Körper natürlich mehr Pflege als mit 24. Aber wenn ich an einem Sonntag nach einem Spiel aufstehe, fühle ich mich nicht schlechter als vor zehn Jahren.“ Oder anders gesagt: Als Frontmann einer Boy-Group geht er nicht mehr durch, für die Fußball-Bundesliga reicht es aber noch allemal. Fritz: „Ich bin gut drauf, habe keine Probleme, erhole mich gut.“ Also geht’s für ihn noch eine Saison weiter im Galopp.

Stand jetzt wagt der 22-fache Nationalspieler nicht mal eine Prognose, ob in einem Jahr dann tatsächlich und endgültig Schluss ist mit dem aktiven Fußball. „Jetzt habe ich erstmal die eine Entscheidung gefällt. Über alles andere habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, behauptet Fritz. Aber vorgesorgt hat er längst für die Zeit nach der Karriere. Parallel zum Abstiegskampf mit Werder hat er in den letzten Jahren ein Sportmanagement-Studium abgeschlossen. Und mit Werder ist längst vertraglich fixiert, dass er später in anderer Funktion im Club arbeiten kann. Nicht als Trainer („Momentan kann ich das ausschließen“), sondern auf der Funktionärsebene. „Aber das“, sagt Clemens Fritz mit einem zufriedenen Lachen, „hat sich jetzt ja alles ein bisschen nach hinten geschoben.“

csa

Lesen Sie dazu auch: Clemens Fritz in Zahlen

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