Sieg gegen RB Leipzig sorgt für eine ganz besondere Geschichte

Junuzovic, Grillitsch und Kainz: Optimales aus Österreich

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Männer des Spiels (von links): Zlatko Junuzovic, Florian Grillitsch und Florian Kainz.

Bremen - Die Pointe kam – wie das mit Pointen nun einmal so ist – ganz zum Schluss, 90. Minute, das Spiel so gut wie vorbei. Im Duell gegen RB Leipzig machte sich Werder im heimischen Weserstadion auf zum allerletzten Konter.

Florian Kainz nach seinem Tor gegen RB Leipzig

Mit 2:0 lagen die Bremer da bereits vorn, das Spiel war also entschieden – die besondere Geschichte dieses Nachmittags aber noch lange nicht zu Ende erzählt. Dann ging es so: Pass Fin Bartels, vergebene Chance Aron Johannsson – Tor Florian Kainz!

Es war der erste Treffer des 24-Jährigen überhaupt für Werder, was an sich schon bemerkenswert ist, angesichts einer anderen Tatsache aber in den Hintergrund rückte: Kainz ist Österreicher – Tusch! Das große Finale eines tollen Spiels war Werder tatsächlich auch noch geglückt. Zuvor hatten in Zlatko Junuzovic und Florian Grillitsch schon zwei Landsleute von Kainz für die Hausherren getroffen – gegen einen Verein, der einem österreichischen Getränkehersteller gehört und dessen Trainer Ralph Hasenhüttl aus – richtig! – Österreich kommt.

Es war einer dieser Fälle, in denen Sportjournalisten um das zugegeben stark überstrapazierte Wort „ausgerechnet“ nur schwerlich herumkommen. Also bitte, ausnahmsweise: Ausgerechnet! 3:0 gewonnen, drei Tore, erzielt von drei Männern aus Österreich: Zeit für eine kleine Extra-Würdigung des Bremer Trios aus dem Nachbarland.

Zlatko Junuzovic

Zlatko Junuzovic nach seinem Tor gegen RB Leipzig

Der 29-Jährige spielt seine sechste Saison an der Weser, das Spiel gegen Leipzig war sein 157. im Werder-Trikot – und das Tor gegen Leipzig eines seiner schönsten. „Ja, das glaube ich schon“, erzählte Junuzovic, der sich den Treffer selbst vorgelegt hatte: „Wichtig war der erste Kontakt.“ Dann gestand er noch: „Dass er so reinfliegt, ist ein bisschen Glück“ – korrigierte sich aber umgehend selbst: „Erzwungen könnte man auch sagen.“ Und tatsächlich: Es war erzwungen. Junuzovic ging mit einer Vehemenz zum Ball, dass selbst seine Mitspieler Thomas Delaney und Claudio Pizarro fast schon erschrocken zurückwichen.

Dann schoss er – der Rest war Jubel. „Er ist ein Spieler, der Verantwortung übernehmen möchte, der den Teamgedanken lebt“, lobte Werder-Trainer Alexander Nouri. Passend dazu hatte Junuzovic zuvor nicht nur über seine eigene, sondern auch über die Leistung seiner Landsleute gesprochen: „Dass drei Österreicher treffen, ist der Wahnsinn! Um eine Runde Kaiserschmarrn werden wir nicht herumkommen.“

Florian Grillitsch

Nein, ein Lautsprecher ist dieser Mann nicht. Zwar sprach er nach dem Leipzig-Spiel über dasselbe Thema wie Teamkollege Zlatko Junuzovic, das Wort „Wahnsinn“ kam ihm dabei aber nicht über die Lippen. Grillitsch 

Florian Grillitsch nach seinem Tor gegen RB Leipzig

sagte zu den drei Ösi-Toren: „Natürlich freue ich mich für meine Landsleute, im Vordergrund steht aber der Sieg.“ Eine nüchterne Einschätzung, die so gar nicht zu seinem explosiven Treffer zum 2:0 passen wollte.

Nach Freistoß-Vorlage von Junuzovic hatte er den Ball mit links in den Winkel gehämmert. Es war das zweite Saisontor des 21-Jährigen, der zuletzt immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. „Ich fühle mich immer besser“, erklärte Grillitsch. Im Sommer verlässt er Bremen, geht nach Hoffenheim – ein Thema, über das er nicht sprechen mag: „Es ist nicht ausschlaggebend, dass ich gehe. Ich will mich immer reinhauen.“ Gegen Leipzig gelang das. „Dass Flo das Ding da oben reingehauen hat, war schon sehr gut“, lobte Sportchef Frank Baumann.

Florian Kainz

Im Sommer gekommen, kaum gespielt, jetzt das lang ersehnte Erfolgserlebnis. Eingewechselt und dann ganz cool, ganz abgeklärt – da freuten sich die Teamkollegen gleich mit. „Es war keine leichte Zeit für ihn, aber der Junge ist drangeblieben“, lobte Robert Bauer. Sportchef Frank Baumann sagte: „Er arbeitet an sich und ist dafür belohnt worden.“ Und Kainz selbst? Der Mann der großen Schlusspointe? Der war rundum zufrieden. „Alle drei Österreicher haben getroffen, es war ein guter Tag für uns“, sagte er zu Werder-TV.
dco

Einzelkritik: Junuzovic ein Anführer, Delaney der Dirigent 

Felix Wiedwald: Wenn es läuft, dann läuft es. Gegen Werner blieb er einfach ganz lange stehen und wurde dann angeschossen (11.). Musste nur zwei Bälle parieren, wirkte in allen Aktionen ziemlich souverän. Note 2,5
Felix Wiedwald: Wenn es läuft, dann läuft es. Gegen Werner blieb er einfach ganz lange stehen und wurde dann angeschossen (11.). Musste nur zwei Bälle parieren, wirkte in allen Aktionen ziemlich souverän. Note 2,5 © nordphoto
Milos Veljkovic: Anfänglich noch mit leichten Problemen, dann immer sicherer in der Dreierkette. Am Ende sogar bärenstark – mit dem Kopf und dem Fuß. Note 2,5
Milos Veljkovic: Anfänglich noch mit leichten Problemen, dann immer sicherer in der Dreierkette. Am Ende sogar bärenstark – mit dem Kopf und dem Fuß. Note 2,5 © nordphoto
Lamine Sane: Der Abwehrchef dirigierte viel und meistens auch ganz gut. Aber er selbst hatte diesmal in den Zweikämpfen nicht diese Dominanz. Note 3
Lamine Sane: Der Abwehrchef dirigierte viel und meistens auch ganz gut. Aber er selbst hatte diesmal in den Zweikämpfen nicht diese Dominanz. Note 3 © nordphoto
Niklas Moisander: Wie immer die Ruhe selbst und in den entscheidenden Momenten ziemlich konsequent. Auch für den Spielaufbau sehr wichtig. Note 2,5
Niklas Moisander: Wie immer die Ruhe selbst und in den entscheidenden Momenten ziemlich konsequent. Auch für den Spielaufbau sehr wichtig. Note 2,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Wie so oft wechselten sich beim Tschechen gute und schlechte Szenen ab. Aber seine Mördergrätsche gegen den einschussbereiten Werner (54.) beim Stand von 1:0 ist mit einem eigenen Treffer gleichzusetzen. Deshalb gibt es die Note 2,5
Theodor Gebre Selassie: Wie so oft wechselten sich beim Tschechen gute und schlechte Szenen ab. Aber seine Mördergrätsche gegen den einschussbereiten Werner (54.) beim Stand von 1:0 ist mit einem eigenen Treffer gleichzusetzen. Deshalb gibt es die Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney (bis 83.): Diese Ausstrahlung, diese Präsenz – der Däne ist als Sechser Staubsauger und Lenker in einer Person. Am Ende ging ihm die Puste aus – eine Folge seiner Verletzungspause. Note 2
Thomas Delaney (bis 83.): Diese Ausstrahlung, diese Präsenz – der Däne ist als Sechser Staubsauger und Lenker in einer Person. Am Ende ging ihm die Puste aus – eine Folge seiner Verletzungspause. Note 2 © nordphoto
Robert Bauer: Hatte es auf der linken Seite nicht leicht, Sabitzer machte ihm ordentlich zu schaffen. Seine Flanke leitete aber die Führung ein – und sein Einsatzwille ist immer wieder bemerkenswert. Note 3
Robert Bauer: Hatte es auf der linken Seite nicht leicht, Sabitzer machte ihm ordentlich zu schaffen. Seine Flanke leitete aber die Führung ein – und sein Einsatzwille ist immer wieder bemerkenswert. Note 3 © nordphoto
Florian Grillitsch (bis 88.): Lange Zeit sah bei ihm alles etwas zu langsam aus, doch dann hämmerte der Österreicher die Kugel zum 2:0 ins Netz (60.) – und das auch noch mit seinem schwachen linken Fuß. Er ist noch längst nicht in seiner alten Form, aber nach den vielen Verletzungen verwundert das nicht. Note 3
Florian Grillitsch (bis 88.): Lange Zeit sah bei ihm alles etwas zu langsam aus, doch dann hämmerte der Österreicher die Kugel zum 2:0 ins Netz (60.) – und das auch noch mit seinem schwachen linken Fuß. Er ist noch längst nicht in seiner alten Form, aber nach den vielen Verletzungen verwundert das nicht. Note 3 © nordphoto
Zlatko Junuzovic: Das 1:0 selbst gemacht und selbst vorgelegt, das 2:0 vorbereitet und das 3:0 eingeleitet – besser geht es eigentlich nicht. Doch! Der Kapitän war auch läuferisch und kämpferisch der Beste auf dem Platz. Note 1
Zlatko Junuzovic: Das 1:0 selbst gemacht und selbst vorgelegt, das 2:0 vorbereitet und das 3:0 eingeleitet – besser geht es eigentlich nicht. Doch! Der Kapitän war auch läuferisch und kämpferisch der Beste auf dem Platz. Note 1 © nordphoto
Fin Bartels: Stark, wie er die Leipziger Abwehr mit seinen Dribblings immer wieder in Verlegenheit brachte. Dazu viele kluge Pässe – wie auch vor dem 3:0. Note 2,5
Fin Bartels: Stark, wie er die Leipziger Abwehr mit seinen Dribblings immer wieder in Verlegenheit brachte. Dazu viele kluge Pässe – wie auch vor dem 3:0. Note 2,5 © nordphoto
Claudio Pizarro (bis 73.): Ein schwieriges Spiel für den Stürmer. Er konnte nur selten den Ball behaupten, bewies dann aber durchaus auch mal seine Klasse – mit ein, zwei feinen Pässen. Note 4
Claudio Pizarro (bis 73.): Ein schwieriges Spiel für den Stürmer. Er konnte nur selten den Ball behaupten, bewies dann aber durchaus auch mal seine Klasse – mit ein, zwei feinen Pässen. Note 4 © nordphoto
Aron Johannsson (ab 73.): Der frisch gebackene Papa steckt im Formtief – das war nicht zu übersehen. Hatte nur fünf Mal den Ball, gewann nur einen Zweikampf und ließ wieder eine große Torchance aus (90.). Note -
Aron Johannsson (ab 73.): Der frisch gebackene Papa steckt im Formtief – das war nicht zu übersehen. Hatte nur fünf Mal den Ball, gewann nur einen Zweikampf und ließ wieder eine große Torchance aus (90.). Note - © nordphoto (Archiv)
Maximilian Eggestein (ab 83.): Bitter für ihn, dass er trotz guter Leistung in Leverkusen nur auf der Bank saß. Viel mehr erlebte er auf dem Platz auch nicht, kam nur ein Mal an den Ball. Note -
Maximilian Eggestein (ab 83.): Bitter für ihn, dass er trotz guter Leistung in Leverkusen nur auf der Bank saß. Viel mehr erlebte er auf dem Platz auch nicht, kam nur ein Mal an den Ball. Note - © nordphoto (Archiv)
Florian Kainz (ab 88.): Endlich getroffen! Erstes Tor im Werder-Trikot – und den Abpraller nach der vergebenen Johannsson-Chance beförderte der Österreicher ziemlich raffiniert ins Gehäuse. Note -
Florian Kainz (ab 88.): Endlich getroffen! Erstes Tor im Werder-Trikot – und den Abpraller nach der vergebenen Johannsson-Chance beförderte der Österreicher ziemlich raffiniert ins Gehäuse. Note - © nordphoto

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