Werder-Sportchef Baumann freut sich, dass es heute endlich losgeht

„Wir werden einen entspannten Viktor sehen“

Sie haben viel miteinander gesprochen in den vergangenen Wochen, und Frank Baumann (rechts) ist fest davon überzeugt, dass sich Viktor Skripnik im Urlaub gut erholt hat. - Foto: nph

Bremen - Von Björn Knips. Er spricht wieder. Das erste Mal seit acht Wochen. Also über Werder – und dann auch noch mit Journalisten. Zum Trainingsauftakt gibt es gleich eine Pressekonferenz. Das ist nicht ungewöhnlich, aber spannender als sonst. Denn natürlich stellt sich die Frage, wie Viktor Skripnik mit den Medien umgehen wird.

Im Abstiegskampf hat er sie mal als 18. Gegner in der Bundesliga bezeichnet. Viele Reporter hatten ihn schon abgeschrieben. Doch Skripnik schaffte nicht nur den Klassenerhalt, sondern gewann danach auch noch den Machtkampf mit Thomas Eichin. Der ist längst in München, Skripnik weiter in Bremen, wo er heute um 11 Uhr aufs Podium tritt.

Der Chefcoach sitzt nicht allein der Medienmeute gegenüber. Er wird flankiert von zwei echten Bremer Sympathieträgern: Kapitän Clemens Fritz und Sportchef Frank Baumann. Letzterer ist der neue Eichin – und hat sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger für eine Zukunft mit Skripnik ausgesprochen. Auch deshalb hatte ihn der Aufsichtsrat geholt. Das Kontrollgremium erhofft sich durch Baumann mehr Unterstützung für den Trainer, der nicht nur mit den Medien, sondern auch intern so seine Probleme hatte. Skripnik und Eichin – das war nur eine Zweckgemeinschaft. Skripnik und Baumann – das sind Double-Helden, die sich verstehen.

„Natürlich haben wir in den vergangenen Wochen viel miteinander gesprochen“, bestätigt Baumann und wundert sich ein bisschen darüber, so etwas überhaupt sagen zu müssen. Für ihn ist der Umgang mit dem Coach „völlig normal“. Allerdings hatte er bei seiner Antrittsrede vor Journalisten schon durchblicken lassen, dass er mit Skripnik klar über dessen Schwächen reden werde. Da muss jetzt natürlich nach den genauen Inhalten gefragt werden. Baumann mag da nicht so recht mitspielen und stellt sich erst einmal demonstrativ vor seinen ehemaligen Mitspieler. „Viktor muss authentisch bleiben. Das hat ihm am Anfang viel Sympathien eingebracht. Das darf er jetzt nicht verändern.“

Skripniks beste Sprüche

Also bleibt alles beim Alten? Ganz so will Baumann das dann doch nicht stehen lassen: „Wir werden ihm Werkzeuge an die Hand geben, um auch in kritischen Phasen ruhig zu bleiben.“ Möglicherweise kommen die schon heute zum Einsatz. Wenngleich Baumann auf eine angenehme und keine vergiftete Atmosphäre hofft. Es sei nicht nur die eine Seite Schuld an der Entwicklung, alle sollten aufeinander zugehen und sich fair begegnen. Bei Skripnik sieht der Sportchef da keine Probleme: „Wir werden einen entspannten Viktor sehen.“

Entspannt schaut Baumann auch auf das Thema Vertragsverlängerung. Er selbst hatte vor einigen Wochen einen neuen Kontrakt für den Trainer ins Spiel gebracht. Schließlich läuft der aktuelle Vertrag nur noch ein Jahr, da wird die Zukunft des Trainers in der Öffentlichkeit schnell wieder ein Thema – ein nicht so angenehmes. Schließlich soll bei Werder endlich mal wieder Ruhe einkehren. „Ich gebe dazu keine Wasserstandsmeldungen ab“, blockt Baumann. Möglicherweise sagt er heute mehr dazu, oder Skripnik gewährt einen Einblick in seine ganz persönlichen Zukunftspläne. Es wird auf jeden Fall spannend, was Skripnik heute zu sagen haben wird.

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