50 Minuten Lauftraining mit Tempowechseln

„Willensschulung“ ohne Pause

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Die Spieler sehen erschöpft und durstig aus, doch Werders Co-Trainer Torsten Frings „bewacht“ den Wasservorrat – getrunken werden durfte erst nach der intensiven Laufeinheit, bei der Torwart Felix Wiedwald (rechts) große Probleme hatte.

Bremen - So richtig anstregend sah die Sonderschicht gar nicht aus. Doch ein Blick in die Gesichter der Werder-Profis gestern Vormittag verriet: Es hat mächtig geschlaucht. Statt wie sonst üblich einen freien Dienstag zu genießen, mussten die Bremer nach zuletzt drei Niederlagen in der Bundesliga zum Lauftraining antanzen. 50 Minuten auf der roten Tartanbahn rund um „Platz11“. Ohne Pause. Mit ständigen Tempowechseln. Und kein Ball weit und breit. Am Ende strahlte nur noch die Sonne – die Spieler waren sichtlich froh, als sie es geschafft hatten.

Und sie bekamen nach überstandener Schinderei gleich ein nettes Lob von Co-Trainer Torsten Frings: „Wir wollten etwas im läuferischen Bereich tun und sind top-zufrieden, alle haben durchgehalten. Das war auch eine Art Willensschulung.“

Es ging es aber nicht nur um die Aufarbeitung von Defiziten (laut einer Statistik der Tageszeitung „Die Welt“ ist Werder von allen Bundesligisten in dieser Saison am wenigsten gelaufen) und das Durchhaltevermögen, sondern ebenso um „Zusammenhalt und Teamgeist“, meinte Frings. Der 38-Jährige hatte die 23 Profis in vier Gruppen eingeteilt: „Jede Gruppe musste das gleiche Tempo laufen, damit keiner ausreißt und alle gleichzeitig im Ziel sind. Da mussten die einen die anderen auch mal mitziehen. Das hat geklappt.“

Um kurz nach zehn Uhr hatte die Extra-Einheit begonnen. Trainer Viktor Skripnik schlenderte als einer der Ersten zum Platz, Kaugummi kauend, die Hände in den Hosentaschen, ein leichtes Grinsen auf den Lippen. Als alle da waren, ergriff der Coach das Wort: „So, Männer. Eine Runde zum Aufwärmen.“

Danach wurde es anstrengend. 200 Meter schnell, 200 Meter langsam, immer wieder. Alle 100 Meter hatte sich einer der Trainer postiert und schaute bei den Gruppen ganz genau hin. Am Rand standen zwei Wasserkisten, doch die waren tabu. Verschnaufpausen gab es nicht. Nach 20 Minuten wurde es Claudio Pizarro zu warm, der Peruaner zog sein langärmliges Shirt aus. Insgesamt machte der 36-Jährige, der noch nicht 100-prozentig fit ist, körperlich einen guten Eindruck. Er hielt problemlos mit und hatte noch genug Luft, um sich mit seinen Gruppenkollegen zu unterhalten.

Laufeinheit für die Werder-Profis

Ein paar andere mussten sich dagegen richtig quälen. Das Keuchen wurde lauter, der Gesichtsausdruck verkniffener – und der Schweiß floss. Auch bei Felix Wiedwald. Der Keeper musste (wie schon bei Laufeinheiten in der Vorbereitung) mehrfach abreißen lassen und kürzte auch gerne mal ein kleines Stückchen ab. „Aber er hat es durchgezogen“, betonte Frings und nahm Wiedwald in Schutz: „Felix ist Torwart und muss im Spiel keine zwölf Kilometer marschieren.“

Als die Vorgaben verschärft wurden (400 Meter schnell, nur noch 100 Meter langsam), musste nicht nur Wiedwald beißen. Da japsten auch die Teamkollegen. Um kurz vor elf Uhr war dann Schluss. „Bravo“, rief Athletikcoach Jörn Heineke und klatschte in die Hände.

Was die ungewöhnliche Maßnahme (von einem Straftraining wollte Skripnik nicht sprechen) gebracht hat, wird sich zeigen. Stürmer Anthony Ujah hofft auf einen positiven Effekt. „Laufen bringt Kraft. Und es war ein gutes Teamwork, wir haben einander geholfen. Ich denke, es war keine schlechte Aktion“, meinte der Nigerianer und ergänzte: „Wir haben unseren Job nicht gut genug gemacht und deshalb mehr trainiert. Wir wollen die Situation alle schnell ändern und wieder Erfolg haben, aber dafür muss man hart arbeiten.“

So wie gestern Vormittag geschehen. Heute beginnt dann mit zwei Trainingseinheiten die normale Vorbereitung auf das wichtige Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr) bei Schlusslicht Hannover 96. „Und jetzt“, kündigte Frings an, „kommt auch wieder der Ball dazu.“

mr

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