Ex-Werder-Keeper vor dem 108. Norrderby

Wiese im Interview: Pavlenka ist mein würdiger Nachfolger

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Zwei Männer, eine Couch: Ex-Werder-Keeper Tim Wiese im Gespräch mit DeichStuben-Reporter Timo Strömer.

Bremen. Das 108. Nordderby in der Bundesliga steht an – ein guter Anlass, um mal wieder mit Tim Wiese das Gespräch zu suchen.

Elf Spiele hat der Ex-Torwart schließlich im Werder-Trikot gegen den Hamburger SV bestritten – und er war es, der in seiner aktiven Zeit als das Gesicht der Nordderbys galt: Auf dem Platz mit kompromisslosem Siegeswillen und abseits des Rasens mit provokanten Sprüchen in Richtung des Erzrivalen. Und heute? Der 36-Jährige schlägt im Interview mit der DeichStube auch mal ruhigere Töne an, die besondere Brisanz des Nordderbys macht ihm aber noch immer Spaß.

Werder hat sich unter Cheftrainer Florian Kohfeldt stabilisiert – das Spiel in Freiburg mal ausgeklammert. Sind Sie überrascht von der Entwicklung unter Kohfeldt?

Tim Wiese: Ja, auf jeden Fall. Aber auch unter Viktor Skripnik und Alexander Nouri gab es zunächst einen Aufschwung. Es sieht unter Kohfeldt erfrischend aus. Ich hoffe, das bleibt so. Wichtig sind am Wochenende 100 Prozent Einsatz von allen und drei Punkte.

Über Kohfeldt hatten Sie nach dessen ersten Spielen gespottet, er solle sich mal eine Jeans anziehen, weil er im Trainingsanzug wie ein Balljunge wirke...

Wiese (lacht): Ich kannte ihn anfangs gar nicht so richtig. Und da habe ich mich gefragt: Wer ist das da an der Linie? Ein Balljunge? Aber ob Trainingsanzug oder Jeans – das ist schon alles okay so.

Ist das Nordderby für Sie noch ein besonderes Spiel, obwohl Sie nicht mehr selbst auf dem Rasen stehen?

Wiese: Ja. Die Nordderbys waren immer die besten Spiele, da war immer richtig Feuer drin. Jetzt ist es eine andere Zeit: Beide Mannschaften stehen in der Tabelle nicht da, wo sie eigentlich sein sollten. Das ist schade. Aber am Samstag zählen erst mal nur drei Punkte, und ich gehe davon aus, dass Werder die auch holt.

Wie viel Werder steckt denn noch in Tim Wiese?

Wiese: Werder war meine schönste Zeit, meine beste Zeit! Ich bin Werder-Sympathisant.

Und ist Ihr Verhältnis zum HSV so zerrüttet wie man es annehmen kann?

Wiese: Früher war da Krieg auf dem Platz, so sollte das auch sein. Aber nach dem Spiel war zwischen uns wieder alles gut. 2009 die vier Derbys in kürzester Zeit – das war sensationell für uns, für die Fans, für die ganze Stadt. Ich habe also gute Erinnerungen an den HSV.

Sie waren vor den Derbys für Ihre provokanten Sprüche bekannt. Alles nur Show oder wie viel Abneigung gegen den HSV hatten oder haben Sie wirklich?

Wiese: Ich habe überhaupt keine Abneigung gegen den HSV. 2009 habe ich vor dem ersten Derby gesagt, man muss dem HSV direkt einen auf den Sack geben. Damit hatte ich ja auch Recht: Wenn du das erste Spiel einer solchen Serie gewinnst, ist das natürlich gut für das Team. Jedenfalls kam das eine zum anderen, die Szene mit Olic zum Beispiel, und dann wurde da auch von den Medien ein bisschen viel draus gemacht. Ich sage halt immer das, was ich meine, und verstecke mich nicht hinter Geschwafel.

Der HSV liegt am Boden – empfinden Sie Mitleid?

Wiese: In den letzten Jahren hatte ich schon Mitleid mit dem HSV. Aber wenn sie nach vier Jahren noch immer nichts kapiert haben, müssen sie halt mal runter.

Steigt der HSV ab?

Wiese: Ich gehe davon aus, ja. So, wie sie sich momentan präsentieren, werden sie dieses Jahr runter gehen.

Wo schauen Sie am Samstag das Spiel?

Wiese: Ich gehe ins Stadion, ich wurde eingeladen.

Wie geht’s aus?

Wiese: Ein klares 3:0 für Werder.

Fotostrecke: Tim Wiese in der DeichStube

Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz
Tim Wiese in der DeichStube.
Tim Wiese in der DeichStube. © Gumz

Für Jiri Pavlenka ist das Spiel das erste Nordderby im Weserstadion. Ist er ein würdiger Wiese-Nachfolger?

Wiese: Ja, das kann man so sagen. Anfangs hatte ich noch meine Zweifel, aber er macht sehr gute Arbeit. Er ist aber noch jung, es ist seine erste Bundesliga-Saison. Er muss Konstanz zeigen.

Sie haben kürzlich gesagt, er sei ein guter Torwart, aber kein Killer. Wie haben Sie das gemeint?

Wiese: Ein Torwart muss eine gewisse Ausstrahlung haben, da reinfliegen, wo es richtig brennt und auch mal den Mund aufmachen. Du bist als Torwart ein Einzelkämpfer, du musst Präsenz zeigen. Das war immer in mir drin, ich war nie ein ruhiger Typ. Aber die Zeiten sind vorbei, heute ist es ja fast wichtiger, ein Torspieler zu sein, den Ball über 20 Meter mit links und rechts passen zu können.

Ist es denn nicht wichtig für einen Torhüter, das Spiel aufbauen zu können?

Wiese: Doch, man muss schon ein bisschen mitspielen können. Aber das Wichtigste ist es immer noch, Bälle zu halten.

Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Christian Vander?

Wiese: Ja, wir schreiben manchmal.

Er war Ihr Backup bei Werder, heute ist er der Bremer Torwart-Trainer. Welchen Anteil hat er an den guten Leistungen Pavlenkas?

Wiese: Ich schaue mir ja nicht die tägliche Arbeit an, insofern kann ich nicht beurteilen, wie sich Pavlenka entwickelt hat. Laut Statistik ist er einer der besten Torhüter in der Bundesliga, aber auf Statistiken gebe ich nichts: Da kann auch ein Rückpass kommen, der als Torschuss gewertet wird.

Werder-Torwart-Trainer, wäre das ein Job, den Sie sich auch vorstellen könnten?

Wiese: Nee! Der Christian hat so viel von mir gelernt, was er den Torhütern nun beibringen kann. Was soll ich jetzt noch da? (lacht)

Ist denn eine Rückkehr zu Werder – in welcher Funktion auch immer – vorstellbar?

Wiese: Mein Ziel ist es, Präsident von Werder Bremen zu werden (lacht). Ansonsten gibt es da keine Pläne.

Was ist eigentlich aus „The Machine“ geworden? Haben sich Ihre Wrestling-Pläne komplett erledigt?

Wiese: Ja. Die Amerikaner wollten, dass ich für ein paar Jahre für ein gezieltes Training in die USA komme. Ich wollte das meiner Familie aber nicht zumuten. Und mit 36 Jahren muss ich da auch nicht mehr rumtrainieren. Meine Knochen haben in den ganzen Jahren als Profi-Torwart viel mitgemacht. Seit der E-Jugend habe ich mich immer auf den Boden geworfen, viel trainiert – das merkt man jetzt.

Die DeichStube am Brommyplatz

Dicht am Deich – Willkommen in der DeichStube am Brommyplatz

Quelle: DeichStube

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