Tim Wiese im Interview

“Ich bin der Böse! Das war ich schon beim Fußball“

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Tim Wiese (Archivbild)

Bremen - Am 3. November gibt der frühere Bremer und Nationaltorhüter Tim Wiese sein WWE-Debüt als Wrestler. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) blickt er voraus.

Herr Wiese, wie sehr brennen Sie auf Ihr Debüt?
Tim Wiese: Sehr. Ich bin bereit. Und ich bin durch die ganzen Drill-Einlagen in den USA auch gewappnet. Da wurde ich von einer Seite des Ringes in den anderen gejagt. Ich habe lange nicht mehr so hart gearbeitet wie in den vergangenen Monaten. Aber ich bin fit.

Lässt sich die Vorfreude vergleichen mit der auf ein wichtiges Fußball-Spiel?

Absolut. Das ist Champions League. WWE ist das Größte, was es im Wrestling gibt. Deshalb bin ich voll fokussiert und im Tunnel. Ich blende alles um mich herum aus.

Verändert sich die Vorbereitung nun in der Endphase? Müssen Sie statt eines Kilos Bisonfleischs zum Frühstück nun zwei vertilgen?

Nein. Viel Bock auf Essen hab ich im Moment nicht wegen des ganzen Trainings. Ich versuche, meine Kalorien durch Trinken zu mir zu nehmen.

Was hat Sie überhaupt zum Wrestling verschlagen?

Ich war schon in den 90ern großer Fan. Als Junge habe ich Karten gesammelt und habe immer alles auf dem Spielplatz nachgespielt. Und ich habe es immer weiter verfolgt, auch während meiner Karriere als Fußballer. Ich hätte aber nie daran gedacht, selbst mal dort im Ring zu stehen. Ich hatte mit dem Profisport schon abgeschlossen, und als die Anfrage kam, habe ich es gar nicht ernst genommen. Aber dann wurde es immer konkreter.

Wer waren damals Ihre Vorbilder?

Es gab einige. Bret Hitman Hart. Der Undertaker. Der Ultimate Warrior. Der Macho Man. Hulk Hogan. Sie alle haben unheimlich geil performt.

Was entgegnen Sie Kritikern, die das alles nur für eine große Show halten und nicht für Sport?

Wer glaubt, dass das Ergebnis vorher feststeht, liegt falsch. Und wer meint, das sei nur Show, soll mal zwei Stunden im Ring trainieren. Dann weiß man, was man abgeliefert hat.

Sie haben viel trainiert. Warum dann erst jetzt das Debüt?

Mein Vertrag im Fußball ist erst in diesem Sommer ausgelaufen. Aber jetzt kann ich richtig durchstarten.

Wissen Sie schon Genaues, was Ihren Kampfnamen oder Ihr Outfit angeht?

Die Amerikaner schreiben die Story. Keine Ahnung, was dabei rauskommt. Ich weiß nicht, ob ich am Ende vielleicht im rosa Höschen da rumlaufen muss.

Ein rosa Trikot gab es ja schon mal. Wissen Sie denn schon, welche Rolle Sie in der ganzen Show haben werden?

Ich denke mal, ich bin der Böse.

Spielen sie die gerne?

Ich werde da so ein bisschen reingedrängt. Aber es ist okay. Ich kann mich damit anfreunden. Mein Gott, schon beim Fußball war ich für die gegnerischen Fans der böse Mensch, den alle im Stadion beschimpft haben. Damit komme ich klar. Das juckt mich nicht. Die können mich ruhig alle hassen. Die Deutschen werden mich bestimmt lieben. Oder auch nicht. Keine Ahnung.

In jedem Fall werden Sie polarisieren...

Klar. Es wird Leute geben, die mich anfeuern. Und es wird Leute geben, die hoffen, dass ich auf die Fresse bekomme. Aber das ist das Geile am Wrestling. Entweder sie jubeln - oder sie buhen. Wenn die Halle ruhig ist und keiner was sagt, kannst Du aus dem Ring gehen und nach Hause fahren. Sollen sie buhen, sollen sie mich anfeuern. Egal, ich steh meinen Mann.

Im Fußball wird allen Spielern eingeimpft, wie sie sich zu verhalten und was sie zu sagen haben. Im Wrestling darf man ruhig mal einen Spruch raushauen. Kommt Ihnen das entgegen?

Sicherlich. Im Fußball gibt es ja nur noch die lieben Jungs. Sie werden vom Verein so gedrillt, dass sie nur noch das sagen, was sie sagen dürfen. Ich war schon damals nicht so, weil ich der Meinung bin, dass man sich nicht verstellen und nicht irgendeine Scheiße labern soll. Deshalb bin öfter angeeckt. Aber im Wrestling kann ich mich geben, wie ich bin. Immer volle Kanne voraus.

Bereuen Sie es, in Ihrer Fußballer-Karriere so offen gewesen zu sein?

Wieso sollte ich?

Zum Beispiel, weil Sie dann vielleicht mehr als sechs Länderspiele gemacht hätten.

Ach, das juckt mich nicht. Ob ich sechs oder sieben Länderspiele hab oder 50, es ist halt so.

Immerhin waren Sie Nationalspieler, haben Champions League gespielt. Nur dabei zu sein, kann in der zweiten Karriere als Wrestler nun wohl kaum Ihr Ziel sein...

Das Ziel ist, irgendwann einmal Champion zu werden. Das ist ein harter und steiniger Weg. Man wird sehen, was passiert.

Im Fußball hören inzwischen viele mit 32, 33 auf. Sie sind 34 und schmeißen sich in den Ring.

Ich habe jetzt auch drei Jahre auf der Couch gelegen. Aber ich bin topfit, deshalb muss ich mich weiter sportlich betätigen.

Das Training wirkt sogar härter als im Fußball.

Es ist Wahnsinn. Die Tryouts in Amerika waren unglaublich, überhaupt nicht mit Fußball-Training zu vergleichen. Jeden Tag sind Leute weggefallen, weil sie verletzt waren. Die Amis sind Drill Instructor, die wollen sehen, ob Du beißen kannst. Und das ist genau mein Ding. Ich habe hartes Training immer gemocht. Dafür bin ich geboren. Ich habe auch keine Wehwehchen. Es gibt heute Leute, die pustest Du nur an, dann sind die verletzt. Zum Glück bin ich nicht so ein Typ. Ich kann Schmerzen vertragen.

Die Belastung ist also ungleich höher als im Fußball?

Als Torhüter war es körperlich ja eh nicht so anspruchsvoll. Du bist dreimal im Spiel gefallen, das war pillepalle.“

Gibt es einen Kollegen aus dem Fußball, den Sie sich ebenfalls im Wrestling-Ring vorstellen könnten?

Nein. Sie?

Oliver Kahn, Ihr altes Idol?

Auch der ist körperlich glaube ich nicht dafür geeignet.

Jerome Boateng?

Auch der nicht. Der ist auch zu zart.

Wiese beim Wrestling in Frankfurt

Gibt es einen, gegen den Sie gerne kämpfen würden, weil Sie noch eine Rechnung offen haben?

Ich habe mit keinem eine Rechnung offen. Ich war ja eigentlich immer der, der zugeschlagen oder einen weggetreten hat. Die anderen waren alles liebe Jungs.

Die meisten Ihrer Ex-Kollegen versuchen alles, im Geschäft Fußball zu bleiben. Sei es als Trainer, Sportdirektor oder TV-Experte. Ist nichts davon für Sie in Frage gekommen?

Wenn jeder Profi Trainer oder Manager werden will, hat man irgendwann Zehntausend davon. Deshalb stand das nicht zur Debatte. Als TV-Experte gab es viele Anfragen. Das könnte ich auch neben dem Wrestling machen. Aber ich muss schauen, wann die Zeit dafür ist.

Wie beurteilen Sie Ihre alten Rivalen Jens Lehmann und Kahn, die als Dauer-Experten bei RTL und dem ZDF arbeiten?

Zu Lehmann möchte ich nichts sagen. Sonst werde ich verklagt. Wie früher schonmal. Oliver Kahn war immer schon ein Super-Typ, der macht das spitzenmäßig.

Der Verein, der Ihnen sicher am meisten am Herzen liegt, ist Werder Bremen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung?

Alex Nouri ist ein ganz anderer Typ als Viktor Skripnik. Jetzt haben sie immerhin mal zwei Spiele nicht verloren. Ich hoffe, es bleibt jetzt so, dass alle Gas geben und nicht wieder in den alten Trott zurückfallen. Werder ist die Nummer zwei der ewigen Bundesliga-Tabelle hinter Bayern München. Und da gehören sie auch hin, und nicht da unten.

Wer hat größere Probleme, die Klasse zu halten? Werder oder Ihr Lieblingsfeind, der HSV?

Das mit dem Lieblingsfeind kam mal auf, weil ich in einer Phase mit vier Spielen gegeneinander innerhalb kurzer Zeit was gesagt habe. Ich habe nichts gegen den HSV. Das ist ein guter Verein, der auch nach oben gehört.

Und wie ist Ihr Verhältnis zu Hoffenheim? Gab es nach Ihrem Kommentar ('Elf Spiele und drei Jahre bezahlter Urlaub. Das ist wie ein Lotto-Jackpot!', d. Red.) böse Reaktionen?

Das war doch einfach nur die Wahrheit. Was sollte ich denn erzählen? Und hätte ich den Vertrag auflösen und auf das Geld verzichten sollen? Wer hätte das denn gemacht. Ich bin mit mir im Reinen.

Aber jetzt tun Sie ja wieder was für Ihr Geld. Was kann man am 3. November erwarten?

Eine großartige Show. Ich bin mit den richtigen Leuten im Ring. Das sind alles großartige Wrestler. Wir werden ein Feuerwerk abbrennen.

Aber es könnte auch weh tun...

Mir egal. Ich werde den anderen weh tun, nicht sie mir. Es kann kommen, wer will: Ich bin nicht zu schlagen!

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