Bundesliga-Saison gefährdet?

Am seidenen Faden: So wirkt sich Herthas Team-Quarantäne auch auf den SV Werder Bremen aus

Nichts geht mehr im Berliner Olympiastadion: Die Mannschaft von Hertha BSC muss für 14 Tage in Quarantäne. Bei Werder Bremen zeigen sie „Mitgefühl“ für den Konkurrenten im Abstiegskampf.
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Nichts geht mehr im Berliner Olympiastadion: Die Mannschaft von Hertha BSC muss für 14 Tage in Quarantäne. Bei Werder Bremen zeigen sie „Mitgefühl“ für den Konkurrenten im Abstiegskampf.

Bremen – Für Hertha BSC war es am Donnerstag eine mehr als unerfreuliche Nachricht: Als erster Verein aus der Bundesliga müssen sich die Berliner nach vier positiven Corona-Tests in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben – was auch gute 300 Kilometer westlich der Hauptstadt für eine beklommene Gefühlswelt sorgt. Zwar ist Werder Bremen von den Absetzungen der kommenden drei Hertha-Spiele nur indirekt betroffen – und dennoch hat der Fall auch den Bremer Verantwortlichen noch einmal ganz deutlich vor Augen geführt, dass das reguläre Fortlaufen der Saison mitten in der immer mehr an Fahrt aufnehmenden dritten Welle der Corona-Pandemie am seidenen Faden hängt.

„Wir haben gehofft, dass Hertha BSC eine Mannschafts-Quarantäne erspart bleibt, weil die Wettbewerbsgleichheit sehr wichtig ist“, betont Sportchef Frank Baumann – doch genau mit dieser Gleichheit ist es nun vorerst vorbei. Im Abstiegskampf müssen die Berliner, die aktuell mit 26 Punkten Tabellen-15. sind, an den kommenden drei Spieltagen zuschauen, wie die Konkurrenz – also auch Werder Bremen – möglicherweise punktet. Auch trainieren darf das Team logischerweise nicht.

Im Mai sind dann bis zum letzten Spieltag am Samstag, 22. Mai, gleich sechs Partien zu bestreiten. „Aus sportlicher Sicht trifft uns das natürlich“, sagt Herthas Sportdirektor Arne Friedrich, während Werders Trainer Florian Kohfeldt sein „Mitgefühl“ für den Konkurrenten ausdrückt. „Die Situation ist mit Sicherheit nicht einfach und kein Vorteil für die Hertha“, hält der 38-Jährige fest, dessen Team bereits beide Duelle gegen die Berliner hinter sich hat, in der kommenden Woche aber trotzdem indirekt mit den Folgen der Hertha-Quarantäne konfrontiert wird.

Werder Bremen „absolut fit, um in der Englischen Woche an die Grenze zu gehen“

Am Mittwoch empfängt Werder Bremen den 1. FSV Mainz 05, der seinerseits am Sonntag gegen Hertha BSC hätte spielen sollen, nun aber ein freies Wochenende hat und bestens erholt im Weserstadion auflaufen dürfte – zu einer Partie, die für beide Clubs richtungsweisenden Charakter im Kampf um den Klassenerhalt haben wird. „Eine Englische Woche ist es für die Mainzer jetzt nicht mehr“, sagt Baumann, „trotzdem sollten wir weiter nur auf uns schauen.“ Werder sei nämlich „absolut fit“ und könne athletisch sowohl am Sonntag bei Borussia Dortmund, am Mittwoch gegen Mainz als auch am Samstag darauf bei Union Berlin „an die Grenzen gehen“.

Darauf setzt natürlich auch Florian Kohfeldt, der sich übrigens noch gar nicht sicher ist, ob der freie Sonntag nun Vor- oder Nachteil für die Mainzer ist: „Dass sie am Wochenende nicht spielen, kann ein Vorteil für sie sein, weil sie dann am Mittwoch ausgeruhter sind. Es kann aber auch ein Nachteil sein, weil sie am Wochenende keine Punkte holen können und der Druck größer wird, weil andere punkten – hoffentlich wir.“ Generell, auch das hielt Kohfeldt fest, „wird der Wettbewerb im Vergleich zu einer normalen Saison natürlich verzerrt. Aber wir sind sowohl gesamtgesellschaftlich als auch in der Bundesliga leider nicht in einer normalen Situation. Dementsprechend müssen wir alle damit leben, es so zu nehmen, wie es ist.“

Werder Bremen und die Angst vor Spielausfällen: „Nachholtermine werden knapp“

Denn Vorrang hat nun einmal, die Saison irgendwie zu Ende zu bringen, was mit jeder Team-Quarantäne ohne Frage komplizierter wird, weil im engen Spielplan ganz einfach die Nachholtermine fehlen. „Natürlich wissen wir, dass es knapp wird, was die Nachholtermine betrifft“, sagt Baumann, gibt sich aber zuversichtlich: „Bis jetzt ist es noch möglich, die Saison normal und regulär zu Ende zu bekommen.“ Klar ist: Ein pandemiebedingter Abbruch hätte für viele Clubs, darunter auch Werder, wahrscheinlich fatale wirtschaftliche Folgen. In Bremen setzen sie deshalb darauf, dass die Taskforce der Deutschen Fußball Liga nach der Bewertung des Hertha-Falles und dessen Folgen „zur richtigen Entscheidung“ (Baumann) kommen wird, wie sich die Spielzeit möglichst reibungslos durchziehen lässt. Noch ist offen, ob in der Schlussphase der Saison noch einmal ein Quarantäne-Trainingslager für alle Vereine angeordnet wird, so wie es im vergangenen Jahr gewesen ist.

Werder Bremen steht dem grundsätzlich offen gegenüber, hat eigeninitiativ aber nichts in diese Richtung geplant. Getestet wird im Verein, getreu dem verschärften Hygienekonzept der DFL, weiterhin wie schon seit 13 Monaten regelmäßig mittels PCR-Test sowie seit dem 1. April zusätzlich noch an jedem Trainings- und Reisetag per Schnelltest. Baumann betont: „Wir haben intern in den letzten Tagen und Wochen immer wieder dafür sensibilisiert, dass sich alle diszipliniert an die Maßnahmen halten. Nicht nur, weil es jetzt in die Endphase der Bundesligasaison geht, sondern auch, weil in der Bevölkerung die Infektionszahlen nach oben gegangen sind und das Virus durch die britische Mutation aggressiver geworden ist.“ (dco) Auch interessant: Steigt kurzfristig ein Investor beim SV Werder Bremen ein? Das sagt Sportchef Frank Baumann! Und: Die Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den BVB: Steht Yuya Osako in der Startelf?

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