In Werders Mittelfeld gibt es ein Hauen und Stechen

Aus 16 mach 5

+
Es geht zur Sache im Training: Kapitän Clemens Fritz (der beste Stammplatz-Chancen hat) grätscht Izet Hajrovic (der Verkaufskandidat ist) in die Parade. Der Konkurrenzkampf in Werders Mittelfeld ist aktuell besonders groß.

Bremen - Von Malte Rehnert. Der Kader ist zu groß, das hat Werder-Sportchef Frank Baumann noch mal unterstrichen: „Wir haben insgesamt ein paar Spieler zu viel.“ Das gilt vor allem für das Bremer Mittelfeld. Dort tummeln sich aktuell 14 Profis – plus zwei Abwehrmänner, die auch weiter vorne einsetzbar sind. Also 16!

Geht man davon aus, dass Trainer Viktor Skripnik sein 4:1:4:1-System beibehält, gibt es nur fünf freie Plätze. Ein knüppelharter Konkurrenzkampf, den Baumann ausdrücklich begrüßt: „Das ist doch schön, ich freue mich darauf. Keiner kann sich sicher sein – und alle haben die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.“

Im zweiten Vorbereitungs-Trainingslager im österreichischen Zillertal, das Werder heute Abend für neun Tage bezieht, „kann sich jeder zeigen. Im Training und in den Testspielen“, betont Baumann. Und danach werden Entscheidungen fallen, auf wen Werder weiter setzt – und wer verliehen oder verkauft werden soll. Dass die Bremer im Mittelfeld noch nachrüsten, schließt Baumann aus: „Da sind wir üppig besetzt und werden aktuell definitiv nichts machen.“ Ein Transfer des 22-jährigen Peruaners Edison Flores von Universitario de Deportes (ein offensiver Mittelfeldmann, der links, rechts und zentral spielen kann) ist demnach wohl kein Thema. Die peruanische Zeitung „Libero“ hatte von „fortgeschrittenen Verhandlungen“ berichtet.

So bleibt es erst mal bei den 14 + 2 Mittelfeldspielern, von denen einige schon jetzt sehr gute Chancen haben, beim Pflichtspielauftakt in der Startelf zu stehen. Für andere sieht es nicht so gut aus. Und wieder andere müssen gewaltig kämpfen, um überhaupt bleiben zu dürfen. Eine Übersicht inklusive Prognosen:

Clemens Fritz
Nach seinem Rücktritt vom Rücktritt geht der 35-Jährige in seine elfte Saison bei Werder. Und er ist genauso wichtig wie im Vorjahr. Da überzeugte er mit Leistung auf dem Platz, marschierte vorweg, riss die Kollegen mit. Ein besonnener Kapitän, der aber auch mal Tacheles redet, wenn es nötig ist. Zu ihm schauen die Jüngeren auf – und Trainer Viktor Skripnik schwärmt: „Der Mann, der Erfahrung und keine Angst vor dem Gegner hat. In guten Spielen ist er der Überragende, in schlechten immer noch der Konstante, der führen kann.“ Prognose: Bleibt Fritz so fit wie im Vorjahr, hat er seinen Platz als Halbrechter in der Viererreihe sicher.

Philipp Bargfrede
Zumindest steht er wieder auf dem Platz. In dieser Woche arbeitete der 27-Jährige mit Teamkollege Aron Johannsson und Rehatrainer Jens Beulke individuell. Ins Zillertal fährt Bargfrede, der sich nach seiner siebten Meniskus-OP tapfer herankämpft, aber noch nicht mit. Wann er wieder richtig fit ist? Sehr schwer zu sagen. Prognose: Er hat schon mehrfach mit schnellen Comebacks überrascht. Dennoch: Beim Saisonstart nach so langer Auszeit eher noch keine ernsthafte Alternative – später aber sehr wohl.

Sambou Yatabare
Nach eigener Aussage nah dran, topfit zu sein – und voll fokussiert auf Fußball und Werder (siehe Artikel rechts). Was er draufhat, war in der Rückrunde der vergangenen Saison nur in Ansätzen zu sehen. Aber: Seine Dynamik und Wucht sucht ihresgleichen im Kader. Mitunter allerdings zu ungestüm. Würde gerne zentral spielen, doch daraus wird wohl erst mal nichts. Prognose: Erster Ersatzmann fürs rechte Mittelfeld.

Laszlo Kleinheisler
Seine Bescheidenheit hat er im EM-Urlaub abgestreift. Ziel des Ungarn ist ganz klar ein Stammplatz (wir berichteten) – am liebsten in der Mitte. Doch da ist die Konkurrenz am größten. Kleinheislers Plus: extreme Einsatzfreude. Kleinheislers Minus: taktische Unzulänglichkeiten. Prognose: Er spielt eine wichtigere Rolle als in seinem ersten Halbjahr in Bremen – aber noch keine Hauptrolle. Zunächst Bankdrücker.

Wer macht das Rennen im Mittelfeld?

Zlatko Junuzovic
Bleibt er – oder geht er? Eine endgültige Antwort auf diese Frage gibt es vermutlich erst kurz vor Transferschluss. Macht er in Bremen weiter, will der 28-Jährige sich „nicht mehr so sehr ablenken lassen, nicht mehr so viel hadern. In der vergangenen Saison habe ich vor allem in der Hinrunde viel mit mir selbst gekämpft. Ich muss positiver sein, mein Ding durchziehen.“ Im sportlichen Wettstreit erwartet der Vizekapitän ernst zu nehmende Konkurrenz: „Ich muss um meinen Platz kämpfen, mich beweisen, vorangehen.“ Prognose: Gesetzt im halblinken Mittelfeld neben Kapitän Fritz – so, wie am Ende der Vorsaison.

Florian Grillitsch
Skripnik liebäugelt damit, den bisherigen „Sechser“ etwas weiter nach vorne zu ziehen: „Ich kann mir vorstellen, dass er da etwas zeigen und den letzten Pass spielen möchte.“ Aktuell kann Grillitsch wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel aber gar nichts zeigen. Prognose: Die Verletzung wirft den 20-Jährigen zurück. Muss sich im August nach dann zwei, drei Wochen Pause erst wieder heranarbeiten. Ein deutlicher Nachteil.

Florian Kainz
„Er kann eine wichtige Rolle bei uns spielen“, sagt Skripnik über den neuen Österreicher, der bei Rapid Wien vor allem als Vorlagengeber geglänzt hat. Mannschaftsdienlich, begeisterungfähig und lernwillig – so beschreibt der Werder-Coach den 23-Jährigen. Teamkollege Fin Bartels lobt Kainz: „,Flo’ macht einen Rieseneindruck. Man sieht, dass er ein echt guter Kicker ist.“ Prognose: Gute Chancen, auf seiner Lieblingsposition als Linksaußen zu starten.

Milos Veljkovic
Der Serbe mit Schweizer Wurzeln kann bisher erst drei Bundesliga-Einsätze vorweisen (einen in der Startelf). Hat seit seiner Verpflichtung im Winter (aus Tottenham) kaum auf sich aufmerksam gemacht. Schnelle Besserung ist nicht wirklich in Sicht. Prognose: Der 20-Jährige hat in Bremen einen Vertrag bis 2019. Ein Verkauf ist unwahrscheinlich, eine Ausleihe sehr gut möglich.

Justin Eilers
Der 28-Jährige hat sich so sehr auf sein erstes Jahr in einem Bundesliga-Team gefreut – und dann wurde er gleich durch eine Hüftverletzung ausgebremst. Ein denkbar schlechter Start für den ambitionierten Rechtsaußen, der im Zillertal wohl wieder ins Teamtraining einsteigt. Prognose: Erst mal Ersatzmann. Sein Vorteil: Er kann auch Mittelstürmer spielen.

Fin Bartels
Wichtiger Mann im Zitter-Endspurt der Vorsaison. Erfahrener Spieler, der den Abstiegskampf kennt wie kein zweiter Bremer. Der 29-Jährige hat in seiner Karriere gefühlt fast nicht anderes gemacht, als um den Klassenerhalt zu fighten. 30 Bundesliga-Spiele 2015/2016 – in der neuen Serie dürften es ähnlich viele werden. Acht Tore waren gut, nur eine Vorlage ist dagegen deutlich zu wenig für einen Außenspieler. Prognose: Beginnt als Rechtsaußen.

Werder-Abgänge zur Saison 2016/2017

Thanos Petsos
Der Grieche hat seinen Innenbandriss im Knie auskuriert und sprüht vor Tatendrang. „Je schwerer die Aufgabe, umso besser werde ich“, hat der 25-Jährige kürzlich behauptet – das muss der Neuzugang von Rapid Wien nun beweisen. Prognose: Weil seine Hauptkonkurrenten Bargfrede und Grillitsch momentan nicht fit sind, hat er die besten Karten, als einziger Bremer „Sechser“ in die Saison zu starten.

Maximilian Eggestein
Viel gespielt hat er in der vergangenen Saison nicht (neun Bundesliga-Einsätze). Schafft der 19-Jährige nun den nächsten Schritt? Werder glaubt offenbar fest daran. „,Maxi’ bleibt auf jeden Fall“, stellt Baumann klar: „Es gibt keine Überlegungen, ihn abzugeben.“ Prognose: Der fußballerisch hochveranlagte Eggestein muss noch mehr Kampfgeist entwickeln, um sich durchzubeißen. Vorerst kein Startelf-Kandidat.

Lukas Fröde
Auch ein zentraler Mann. Bisher fast nur Mini-Einsätze in der Bundesliga – und weiterhin nur Außenseiter. Sollte schon im Winter verliehen werden (damals war der FC St. Pauli interessiert). Prognose: Wenn sich ein geeigneter Interessent findet, wird der 21-Jährige verliehen.

Izet Hajrovic
Der 24-jährige Bosnier bekommt – so haben es die Verantwortlichen gesagt – eine neue Chance bei Werder. Bisher hat er aber noch nicht gezeigt, dass auf der Außenbahn (vornehmlich rechts) kein Weg an ihm vorbeiführt. Prognose: Top-Kandidat für einen Verkauf – notfalls auch eine Leihe. Sein Vertrag bei Werder läuft bis 2018.

Ulisses Garcia/Janek Sternberg
Beide Linksverteidiger, beide aber in der Vorsaison auch im linken Mittelfeld eingesetzt. Konnten sich dort jedoch nicht festspielen. Prognose: Sternberg (23) und Garcia (20) bleiben hauptsächlich Herausforderer von Santiago Garcia, dem Linksverteidiger Nummer eins. Bei Sternberg (Vertrag bis 2017) ist eine zeitnahe Verlängerung denkbar, bei Ulisses Garcia (bis 2019) auch eine Ausleihe.

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