Selke-Tor reicht gegen Schaafs Frankfurter – 1:0

Werder zerreißt sich für Europa

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Jubelnde Werder-Profis

Bremen - Von Björn Knips. Wer bislang Zweifel hatte, wurde am Samstag eines Besseren belehrt: Werder will nach Europa, Werder zerreißt sich sogar für Europa. Und Werder kann Europa wirklich erreichen. Denn durch den verdienten 1:0 (0:0)-Heimerfolg gegen Eintracht Frankfurt kletterten die Bremer auf Platz sieben, der fürs internationale Geschäft reichen kann.

Die Fans skandierten nach dem Siegtor von Davie Selke (66.) jedenfalls schon mal „Europapokal, Europapokal“, und der überragende Kapitän Clemens Fritz gab quasi Feuer frei: „Sicherlich darf jetzt von Europa geträumt werden.“ Es war ja auch einfach traumhaft gestern Nachmittag im Weserstadion.

Die Meister-Helden von 1965 präsentierten sich zum 50-Jährigen auf der Nordtribüne und wurden ausgiebig gefeiert. „Hier würde ich auch noch mal gerne spielen“, meinte Sepp Piontek beim Blick ins Weserstadion, dass er vor 30 Jahren das letzte Mal betreten hatte, und witzelte: „Aber wir kriegen ja leider keine Mannschaft mehr voll.“ Theoretisch wäre es möglich gewesen, denn zwölf Meister waren der Einladung gefolgt – und sahen eine durchaus denkwürdige Partie. Dafür sorgte allein schon die Rückkehr von Thomas Schaaf. Erstmals kam der Ur-Werderaner als Gegner ins Weserstadion und wurde bei seinem Einmarsch mit sehr viel Applaus und Standing Ovations bedacht.

„Es war schon außergewöhnlich, so herzlich und warm empfangen zu werden. Dafür herzlichen Dank“, meinte der 54-Jährige nach der Partie. Glücklich wirkte er dabei allerdings nicht, die Niederlage hatte ihn getroffen. Für sein Team wäre mehr drin gewesen, wenn seine Spieler so bedingungslos um den Sieg gekämpft hätten wie die Gastgeber. Viktor Skripnik hatte seiner Mannschaft nicht nur mehr Dampf gemacht, sondern ihr auch ein neues System verpasst. Ausgerechnet gegen seinen Lehrmeister verzichtete der Ukrainer auf die Schaaf’sche Raute und installierte eine Doppel-Sechs mit Clemens Fritz und Philipp Bargfrede, von denen einer immer mal wieder vorrückte, um Eintracht-Spielmacher Marc Stendera zu stören.

Auf eine echte Zehn verzichtete Skripnik, setzte dagegen Zlatko Junuzovic und überraschend Izet Hajrovic auf die Außen. Für den Bosnier war es die Belohnung für sein erstes Bundesliga-Tor in der Vorwoche in Paderborn. Ins Team war auch Janek Sternberg gerutscht. Und der Linksverteidiger machte seine Sache insgesamt ganz ordentlich – abgesehen von einigen Unaufmerksamkeiten. Die zeigte erstmals auch Keeper Koen Casteels, der den Gästen gleich zwei Mal (7. und 35.) beinahe die Führung geschenkt hätte. Auf der anderen Seite hinterließ Kevin Trapp einen besseren Eindruck. Der Eintracht-Keeper entschärfte ganz stark einen Gebre-Selassie-Seitfallzieher (24.). Auch nach der Pause reagierte er glänzend bei einem Schuss von Gebre Selassie (52.) und einem Kopfball von Sebastian Prödl (55.).

Werder siegt 1:0 gegen Frankfurt

Da war die Partie längst nicht mehr ausgeglichen. Nach einer intensiven, aber zerfahrenen ersten Hälfte diktierte Werder nun das Geschehen – und das vor allem dank großer Leidenschaft. „Wir waren total griffig und haben um jeden Zentimeter gefightet“, schwärmte Sportchef Thomas Eichin. Das 1:0 lag in der Luft und kam aus der Luft: Assani Lukimya verlängerte per Kopfball einen Junuzovic-Freistoß ins Gesicht von Davie Selke, der so ausgesprochen glücklich zum Matchwinner wurde (66.). „Das war schon ein krummes Ding, aber so einen nehme ich auch gerne mit“, gestand Selke nach seinem neunten Saisontor. Sein vor einigen Wochen bekannt gewordener Wechsel im Sommer zum Zweitligisten RB Leipzig scheint ihn eher zu beflügeln, als zu bremsen. „Wenn er uns in die Europa League schießt, fahre ich ihn persönlich nach Leipzig“, scherzte Fritz. Selke hätte sogar noch einen nachlegen können, doch Trapp lenkte das Leder an die Latte.

Und dann kam der ganz besondere Auftritt von Franco Di Santo, der die Selke-Chance eingeleitet hatte: Die Kugel sprang ihm vor die Füße, das Tor war leer, doch der Argentinier schoss tatsächlich vorbei (74.). Wütend zerriss Di Santo sein Trikot, ein Bild mit Symbolkraft. Werder wollte diese drei Punkte einfach haben – und wurde für diese Einstellung auch belohnt. Dabei durfte auch noch der 20 Jahre alte Lukas Fröde sein Bundesliga-Debüt feiern. Das passte zu diesem perfekten Werder-Tag – von dem es in dieser Saison noch drei geben soll. Den nächsten am Samstag in Hannover, dort muss dann Platz sieben verteidigt oder Rang sechs erobert werden.

Fritz spielstark, Selke mit Torriecher 

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