Ohne Bodes Zustimmung wird Skripnik nicht entlassen

So entscheidet Werder

Thomas Eichin ist ein Mann, der es gewohnt ist, Entscheidungen zu fällen. In der Trainerfrage muss er sich aber auch nach anderen richten. - Foto: nph

Bremen - Von Björn Knips und Carsten Sander. Mitten in der Trainerdiskussion hat Thomas Eichin einen interessanten Satz gesagt: „Wir sind mutig genug, um zu handeln.“ Mit „Wir“ meinte der Werder-Sportchef die Geschäftsführung, zu der neben ihm selbst auch Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald zählt. Doch allein dürfen die Drei die Trainerfrage gar nicht beantworten.

Sie müssen auch grünes Licht vom Aufsichtsrat – speziell vom Vorsitzenden Marco Bode – bekommen. Im Fall Viktor Skripnik hat zudem die Mannschaft eine wichtige Rolle gespielt und mit dafür gesorgt, dass der Trainer bleiben durfte. Wer bei Werder in der Trainerfrage mitredet und mitentscheidet – ein Überblick:

Marco Bode (46) - Der Teilzeit-Boss
Wenn er gewollt hätte, würde Bode selbst in der Geschäftsführung sitzen. Doch der Ex-Profi lehnte den Vollzeitjob bei Werder im operativen Geschäft ab, weil er auch Zeit für andere Dinge im Leben – vor allem die Familie – haben will. Da ist die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden eigentlich maßgeschneidert für ihn: großes Mitspracherecht, aber nicht so viel tägliche Arbeit. Er ist quasi Werders Teilzeit-Boss. Aber ein machtvoller. Ohne sein Ja darf kein Trainer gefeuert und verpflichtet werden. Der Aufsichtsrat entscheidet unter seiner Führung auch über die Zukunft der beiden Geschäftsführer Filbry und Eichin. Bode galt beim Amtsantritt als großer Hoffnungsträger, der den Club verändert und moderner macht. Davon ist bis dato nichts zu sehen. In der aktuellen Krise hält sich Bode im Hintergrund. Er gilt als Freund einer etwas längeren Entscheidungsfindung und als Skripnik-Fan. Bode stützt den ehemaligen Mitspieler nach wie vor.

Marco Fuchs (54) - Der Querdenker
Der Chef des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB ist noch recht neu im Aufsichtsrat, dort aber sofort durchgestartet. Mit Bode führt er das Kontrollgremium an, war stark in die Vertragsverlängerung mit Eichin involviert. Fuchs gilt als Querdenker in der Fußball-Branche, weil er Fragen stellt, die in der freien Wirtschaft völlig normal sind.

Klaus Filbry (49) - Der Kopf-Mensch
Wird als Vorsitzender der Geschäftführung gerne auch Werder-Boss genannt, tritt aber nur selten als solcher auf. Er versteckt sich gerne, hat kein scharfes Profil. Aber Filbry gilt als kluger Kopf und als Teamplayer, der jede Entscheidung mehrfach durchdenkt und sich dabei gerne beraten lässt – auch von externer Seite. Überlässt die Öffentlichkeitsarbeit fast komplett Eichin, kümmert sich lieber im Verborgenen um die wirtschaftliche Situation des Clubs.

Thomas Eichin (49) - Der Entscheider
Er ist Werders einziger echter Entscheider, weil er eigentlich nie eine Entscheidung scheut. Wie im Mai 2013, als er Trainerlegende Thomas Schaaf entließ. Später feuerte Eichin auch seinen Freund Robin Dutt. Aber ganz frei ist der 49-Jährige in seinen Entscheidungen eben auch nicht. Siehe Skripnik. Eichin hat vor der Inthronisierung des Ukrainers als Retter intern ausdrücklich vor dessen Schwächen gewarnt, wurde aber überhört. Dieser Werder-Weg mit einem Double-Sieger auf der Trainerbank war eben zu verlockend – und führt nun in die Sackgasse. Eichin wollte schon mehrfach die Reißleine ziehen, doch dann lieferte Skripnik im letzten Moment noch gute Ergebnisse. Entschieden hat Eichin trotzdem schon – und besitzt dafür auch eine Mehrheit im Club: Im Sommer gibt es einen neuen Coach. Gerne Torsten Lieberknecht, der Trainer von Eintracht Braunschweig ist ein Topkandidat. Deswegen hat Eichin nun auch keinen echten Plan B, weil jeder Sofort-Ersatz für Skripnik für den Fall der Rettung einen Anschlussvertrag fordert. Aber in den möglichen Feuerwehrmännern sieht Eichin keine Dauerlösung. Am liebsten würde sich der Sportchef mit Skripnik durchmogeln und während der Saison auf eine eigentlich notwendige Entscheidung verzichten. Irgendwie untypisch für ihn.

Hubertus Hess-Grunewald (55) - Der Außenseiter
Bei weitem nicht so machtvoll wie sein Vorgänger Klaus-Dieter Fischer. Deshalb ist sein Einfluss auf das Bundesliga-Geschäft äußerst begrenzt, Eichin und Filbry regeln den Großteil alleine. Als Vertreter des Vereins ist Hess-Grunewald nur ein Außenseiter in der Geschäftsführung – eigentlich zu wenig für einen Vereinspräsidenten. Doch in seinem ersten Jahr konnte Hess-Grunewald in beiden Jobs kaum punkten.

Tim Steidten (36) - Die rechte Hand
Er ist inzwischen fast immer dabei, wenn es bei Werder wichtig wird. Nicht umsonst hat ihn Eichin als seine „rechte Hand“ bezeichnet. Steidten ist der Nachfolger von Rouven Schröder (jetzt FSV Mainz 05), aber in der Öffentlichkeit kaum präsent. Gilt als absoluter Fußball-Fachmann, ist deshalb auch Leiter der Scoutingabteilung. Sein (beratendes) Wort hat Gewicht – vor allem bei Eichin.

Die Mannschaft
Hätten die Spieler am Wochenende den Daumen gesenkt, wäre Skripnik nicht mehr Werder-Trainer. Ganz schön viel Macht für die Profis. Ohnehin ist ihre Einflussnahme ziemlich groß. Skripnik selbst hat die erfahrenen Clemens Fritz und Claudio Pizarro als seine Co-Trainer auf dem Platz bezeichnet. Und die mischen sich durchaus ein bei Taktik und Aufstellung.

Werder-Training am Dienstag

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