Riedle zündete sofort, „el tanque blanco“ gar nicht

Von Volltreffern und Fehlgriffen

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Diese vier Top-Stürmer verabschiedeten sich in der Vergangenheit aus Bremen (von links): Rudi Völler, Miroslav Klose, Claudio Pizarro und Ailton – mal gelang es Werder, die Verluste der besten Schützen zu kompensieren – manchmal aber auch nicht.

Bremen - Von Malte Rehnert. Die Stellenbeschreibung des neuen Werder-Stürmers ist eindeutig. „Gut muss er sein“, sagt Sportchef Thomas Eichin, „und Tore muss er schießen.“ Möglichst viele – so wie der zum FC Schalke 04 entschwundene Franco Di Santo. Und dann auch noch möglichst schnell – anders als der Argentinier, der einen langen Anlauf gebraucht hatte.

Ob der Nachfolger groß oder klein, wuchtig oder elegant, jung oder alt, bundesliga-erfahren oder aus dem Ausland sein wird, ist offen. Werder legt sich bei der Suche öffentlich nicht fest. „Es kann zum Beispiel auch jemand sein, der uns kurzfristig hilft – dann haben wir ein Jahr Zeit, den Richtigen zu finden“, sagt Eichin. Mit Sportdirektor Rouven Schröder fahndet er nach einem Nachfolger für den besten Bremer Torschützen der Vorsaison (13 Treffer). In der Vergangenheit ist es Werder mehrfach gelungen, adäquaten Ersatz für den Top-Stürmer zu finden – manchmal aber auch nicht. Eine Übersicht:

Rudi Völler
Als Nachfolger von Kultstürmer Erwin Kostedde wollte Werder 1980 eigentlich Dieter Schatzschneider von Hannover 96 haben. Doch dann holten die Bremer vom finanziell schwer angeschlagenen und in die Bayernliga zurückgestuften TSV 1860 München den 22-jährigen Völler – und landeten einen Volltreffer. Gleich in seiner ersten Saison wurde er mit 23 Treffern Bundesliga-Torschützenkönig. Werder wäre beinahe Meister geworden, war punktgleich mit dem HSV, hatte aber die schlechtere Tordifferenz. Völler schoss zwischen 1982 und 1987 insgesamt 97 Tore für Werder und wechselte dann zum AS Rom.

Für ihn kam Karl-Heinz Riedle von Blau-Weiß 90 Berlin, damals 21 Jahre alt. Und auch er schlug sofort ein, war mit 18 Bundesliga-Toren erfolgreichster Schütze der Bremer Meistermannschaft von 1988. Nach drei Jahren und 38 Treffern ging Riedle 1990 zu Lazio Rom. Diesmal wählte Werder einen sehr erfahrenen Nachfolger: Der spätere Sportchef Klaus Allofs (1999 bis 2012) war bei seinem ablösefreien Wechsel von Girondins Bordeaux bereits 33 Jahre alt. Er blieb drei Jahre (18 Tore) und beendete 1993 in Bremen seine Karriere.

Claudio Pizarro
Seine beachtliche Bremer Bundesliga-Bilanz: 89 Tore in 159 Spielen. Der Peruaner, bei den Fans noch immer sehr populär, landete gleich zwei Mal bei Werder. Als 20-Jähriger kam er 1999 aus seiner Heimat (Alianza Lima), 2001 folgte der Transfer zum FC Bayern. Als Ersatz verpflichtete Werder von Sporting Crystal Lima Pizarros Landsmann Roberto Silva (damals 25). Der „weiße Panzer“ (el tanque blanco) war ein Mega-Flop: sechs Spiele, null Tore, Flucht nach einem Jahr. 2008 holte Werder den inzwischen 29-jährigen Pizarro vom FC Chelsea zurück – erst per Leihe, 2009 dann endgültig. 2012 zog es den ablösefreien Peruaner erneut zum FC Bayern, aus München kam dafür Nils Petersen (damals 23). Das erste Jahr war gut (elf Tore), das zweite schwächer (7) – und im dritten kam er fast gar nicht mehr zum Einsatz (kein Tor). Im Januar verlieh ihn Werder zum SC Freiburg, der ihn dann im Sommer fest verpflichtete.

Ailton
Der „Kugelblitz“, der nach seinem Wechsel 1998 vom mexikanischen Club UANL Tigres als 25-Jähriger erhebliche Integrationsprobleme hatte, steigerte sich stetig. Die Torfolge in seinen sechs Bremer Jahren: 2 – 12 – 14 – 16 – 16 – 28 (Torschützenkönig). Bevor der Brasilianer in seiner letzten Werder-Saison Torschützenkönig und Doublesieger wurde, hatte er seinen Wechsel (ablösefrei) zum FC Schalke verkündet. Entsetzen bei den Fans. In Gelsenkirchen und seinen unzähligen Clubs danach wurde „Toni“ nie mehr so glücklich wie bei Werder. Nach Ailtons Abschied nahmen die Bremer viel Geld in die Hand und kauften vom 1. FC Kaiserslautern für fünf Millionen Euro...

Miroslav Klose
26 Jahre war er alt, als er nach Bremen kam. Und der deutsche Nationalstürmer übertraf nach einem Stotterstart alle Erwartungen. Erst 15 Saisontore, dann 25 (Torschützenkönig) und schließlich 13. Seine Zeit in Bremen (2004 bis 2007) war ein voller Erfolg, sein Abschied dagegen eine unrühmliche Geschichte. Zwei Tage vor dem Uefa-Pokal-Halbfinalspiel bei Espanyol Barcelona hatte er sich in Hannover mit Bayern-Manager Uli Hoeneß und Trainer Ottmar Hitzfeld getroffen. Nach München ging Klose dann auch, nachdem er in Bremen mit vielen Pfiffen verabschiedet worden war.

Noch teurer als Klose war dessen Nachfolger Boubacar Sanogo – über fünf Millionen Euro flossen an den Nordrivalen Hamburger SV. Der seinerzeit 24-jährige Ivorer begann gut, erzielte sechs Tore in seinen ersten neun Spielen. Doch dann ging’s steil bergab, es folgten nur noch drei Treffer im ersten Jahr. Seine zweite Saison bei Werder endete nach der Hinrunde (ein Tor), er wurde nach Hoffenheim ausgeliehen. Im Sommer 2009 verkaufte Werder ihn zum AS St. Etienne nach Frankreich – für immerhin drei Millionen Euro.

Werder-Stürmer und ihre Quoten

Name bei Werder von bis BL-Spiele/Tore für Werder Tore pro BL-Spiel
Rudi Völler 1982-1987 137/97 0,71
Miroslav Klose 2004-2007 89/53 0,60
Claudio Pizarro

1999-2001
2008-2012

159/89 0,56
Ailton 1998-2004 169/88 0,52
Klaus Matischak 1964-1967 42/20 0,48
Kalle Riedle 1987-1990 86/38 0,44
Bernd Rupp 1967-1969 58/23 0,40
Werner Weist 1971-1977 145/53 0,37
Franco Di Santo 2013-2015 49/17 0,35
Hugo Almeida 2006-2010 117/41 0,35
Uwe Reinders 1977-1985 243/83 0,34
Wynton Rufer 1989-1995 174/59 0,34
Markus Rosenberg

2007-2010
2011-2012

123/40 0,33
Ivan Klasnic 2001-2008 151/49 0,32
Bernd Hobsch 1993-1997 106/33 0,31
Frank Neubarth 1982-1996 317/97 0,31
Frank Ordenewitz 1983-1989 125/37 0,30
Manfred Burgsmüller 1985-1990 115/34 0,30
Herbert Laumen 1971-1973 60/18 0,30

Hinweis: In der Auflistung wurden ausschließlich Stürmer berücksichtigt, die mindestens zwei Erstliga-Spielzeiten für Werder absolvierten und dabei die Quote von 0,3 Toren pro Spiel erreichten.

Di Santo in Top Ten

In seiner ersten Saison war Franco Di Santo noch kein Faktor im Werder-Spiel: Nach dem Fehlstart mit Roter Karte und Muskelfaserriss gelangen dem 26-jährigen Argentinier lediglich vier Tore. Siegbringend war keines davon. Im zweiten Jahr drehte er dann gewaltig auf: 13 Treffer, darunter entscheidende in Mainz (beide beim 2:1), gegen Hertha (beide beim 2:0), in Freiburg und gegen den HSV (jeweils 1:0). In den letzten fünf Spielen „knipste“ Di Santo aber gar nicht mehr – deshalb soll der eine oder andere Interessent abgesprungen sein. Dennoch: Mit einer Torquote von 0,35 schafft es der Neu-Schalker auf Platz neun in den Top Ten der Werder-Stürmer.

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