0:0 in Köln – gegen Frankfurt geht es nun um alles

Werder muss ins „Riesenfinale“

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Torloses Remis in Köln lässt Werder in der Tabelle auf Rang 16 abrutschen.

Aus Köln berichtet Carsten Sander. Finale! Was für ein schönes Wort. Wenn es sich um eines im DFB-Pokal, in der Champions League oder bei einer WM handelt. Finale – wie toll. Es sei denn, es ist ein Finale um den Klassenerhalt. Dann hält sich der Spaß in Grenzen. Wie bei Werder Bremen.

Weil die Grün-Weißen beim 1. FC Köln nicht über ein 0:0 hinauskamen und Eintracht Frankfurt zeitgleich einen überraschenden, fast schon sensationellen 1:0 (1:0)-Heimsieg über Borussia Dortmund einfuhr, steigt am kommenden Samstag im Weserstadion eben jenes Finale um Relegation, Klassenerhalt oder gar den direkten Abstieg zwischen Werder und der Eintracht.

Die Bremer gehen dann als 16. in die alles entscheidende Partie, und müssen gegen die einen Punkt und einen Platz besser postierten Frankfurter gewinnen, um der Relegation zu entgehen. „Das wird“, sagte Trainer Viktor Skripnik, „ein Riesenfinale“. Vorfreude schwang in diesen Worten allerdings nicht mit.

Angst aber auch nicht - obwohl bei einer Niederlage gegen die Eintracht und einem zeitgleichen Stuttgarter Sieg der Bremer Abstieg besiegelt wäre. Werder stellt sich der Situation, die seit Samstag, seit dem vorletzten Spieltag deutlich überschaubarer ist. Darmstadt 98, 1899 Hoffenheim, der FC Augsburg und der HSV – sie alle sind raus aus dem Abstiegskampf. Nur noch Werder, Frankfurt und der VfB Stuttgart mischen mit. Die Schwaben haben dabei die schlechtesten Karten, müssen am Samstag beim VfL Wolfsburg gewinnen und hoffen, dass es zwischen Werder und Frankfurt einen Sieger gibt, um noch auf den Relegationsplatz zu springen. Bei einem Unentschieden in Bremen müsste der VfB schon mit sieben Toren Unterschied gewinnen, um Werder in diesem Fall noch von Platz 16 zu verdrängen - zumindest diese Bedrohung ist also nur noch sehr theoretischer Natur.

Aber wie gesagt: Um den Klassenerhalt ganz sicher zu schaffen, muss Werder gegen die Eintracht gewinnen. Wie die Chancen dafür stehen? Gut, meinen die Bremer. „Natürlich wird es eine Kopf- und Nervensache“, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin, „aber das haben wir in dieser Saison immer gut gelöst. Wir wissen, dass die Fans wieder wie eine Wand hinter uns stehen werden.“ Und was, wenn es nicht klappen sollte? „Dann haben wir es auch nicht verdient“, erklärte Eichin.

Skripnik-Team bestimmte erste Halbzeit

Sicher würde dann aber über eine Szene diskutiert werden, die schon gestern in Köln für Diskussionen sorgte. Denn Werder war ein reguläres Tor zurückgepfiffen worden. Die Szene: Ecke Zlatko Junuzovic, im Fünfmeterraum steht Jannik Vestergaard, eng markiert von Anthony Modeste. FC-Verteidiger Dominique Heintz springt dazu, stößt mit dem herausstürzenden Keeper Timo Horn zusammen. Nach dessen zu kurzer Faustabwehr jagt Santiago Garcia den Ball ins Tor (26.). Vergehen Vestergaard? Nicht zu erkennen. Dennoch pfiff Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) und gab den Treffer nicht. Was bei Werder-Kapitän Clemens Fritz innerliche Wutanfälle auslöste: „Aber ich sage jetzt besser nichts über den Schiedsrichter. Sonst gibt es noch eine Sperre.“

Klar ist aber: Die Ausgangslage für Samstag wäre bei drei Bremer Punkten statt nur einem eine andere geworden. Dann hätte Werder den Vorteil gehabt, mit einem Unentschieden gut bedient zu sein. So ist es die Eintracht, die – das als Zugabe auf den grün-weißen Verdruss – davon profitierte, dass ein Tor des BVB nicht zählte, in der Pole Position. Skripnik ist das offenbar aber egal. „Ob gewonnen oder verloren: Unser Endspiel hätten wir in beiden Fällen bekommen“, sagte er. So ist es.

In Köln lag der Sieg für Werder auch nicht gerade auf der Straße. Vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften RheinEnergie-Stadion, darunter 6 500 Werder-Fans, bestimmte das Skripnik-Team die erste Halbzeit und hatte durch einen Pfostentreffer von Junuzovic noch eine Großchance (43.). Kurz vor dem Pausenpfiff zeigte Werder-Keeper Felix Wiedwald gegen FC-Torjäger Anthony Modeste seine erste Glanzparade (45.).

Wiedwald hält die Null fest

Nach der Pause rückte Wiedwald immer häufiger in den Blickpunkt, weil die Vorderleute deutlich nachließen. Gegen Leonardo Bittencourt (62.) parierte er stark. Dann hatte Werder Glück, dass Zwayer nach Papy Djilobodjis Foul an Dominic Maroh nicht auf den Elfmeterpunkt zeigte (71.). Kurz darauf hielt Wiedwald klasse gegen Modeste (77.) und rettete das Zu-Null. Übrigens das erste der Saison. Aber besonders wertvoll fühlte sich das nicht an. Claudio Pizarro hätte es veredeln können, vergab in der Nachspielzeit aber zwei Großchancen.

Besonders ärgerlich auch, was Fin Bartels sich in der Schlussphase leistete. Für höhnischen Beifall nach einer Entscheidung gegen ihn sah er die fünfte Gelbe Karte und ist folglich gegen Frankfurt gesperrt. „Dumm hoch zehn“, sei die Aktion gewesen, meinte der zuletzt so starke Mittelfeldmann. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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