Bedarf für die neue Saison besteht auch im Sturm – wenn Franco Di Santo noch verkauft wird

Werder braucht einen Strategen

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Bleibt er oder geht er? Von Torjäger Franco Di Santo hängen maßgeblich die Bremer Planungen für den Angriff ab.

Bremen - Die alte Saison ist gerade beendet, die Planungen für die neue laufen aber längst. Wie intensiv Werdernach den Verpflichtungen von Felix Wiedwald (Tor), Anthony Ujah (Sturm) und Ulisses Garcia (Linksverteidiger) noch auf dem Transfermarkt tätig werden kann, hängt auch von den Leihspielern ab.

Wenn etwa Eljero Elia, Nils Petersen und Ludovic Obraniak verkauft werden, hat Sportchef Thomas Eichin deutlich mehr Handlungsspielraum. Wo es bei den Bremern für die Bundesliga-Spielzeit 2015/2016 Bedarf gibt – eine Übersicht.

Torhüter
Werder hat Felix Wiedwald von Eintracht Frankfurt zurückgeholt und mit einem Zweijahresvertrag bis 2017 ausgestattet. Der 25-Jährige soll sich einen Zweikampf mit Raphael Wolf um den Platz zwischen den Bremer Pfosten liefern. Stellt sich der ein Jahr ältere Wolf (Vertrag bis 2017) diesem Duell, ist Werder auf dieser wichtigen Position ordentlich besetzt. Zumal die Bremer mit Michael Zetterer (19), der derzeit wegen eines Kahnbeinbruchs ausfällt und die U20-WM verpasst, noch einen talentierten jungen Mann in der Hinterhand hat.

Abwehr
In Sebastian Prödl, der zum englischen Premier-League-Aufsteiger FC Watford wechselt, hat der Abwehrchef Bremen verlassen. Der im Winter aus Hoffenheim geholte Jannik Vestergaard hat aber bereits verlauten lassen, gerne in diese Rolle reinwachsen zu wollen. Zur neuen Saison ist dann auch der Spanier Alejandro Galvez (Knieprobleme) wieder fit. Die beiden haben bereits zu Beginn der Rückrunde – bis zu Galvez’ Verletzung – ein viel versprechendes Innenverteidiger-Pärchen gebildet. Hinzu kommt noch Assani Lukimya, der es in der vergangenen Saison auf 22 Einsätze brachte. Und Oliver Hüsing kehrt nach seiner halbjährigen Leihe von Drittligist Hansa Rostock zurück. Gut möglich, dass Trainer Viktor Skripnik ihn als vierten Mann für die Zentrale sieht. Und dann gibt es ja auch noch Luca Caldirola – bei einem entsprechenden Angebot darf der Italiener, der zuletzt überhaupt keine Rolle mehr spielte und sich auch nicht mehr für einen Kaderplatz aufdrängte, allerdings gehen.

Hinten rechts hat sich Theodor Gebre Selassie mit starken Auftritten zum absoluten Stammspieler entwickelt – auch wenn der Tscheche lieber im Mittelfeld auflaufen würde. Dahinter lauern zwei Perspektivspieler: Marnon Busch und Luca-Milan Zander, die beide mit Verletzungen zu kämpfen hatten und im Sommer angreifen wollen. Und auch Clemens Fritz, der inzwischen ins Mittelfeld gerückt ist, kennt die Position bestens. Dort gibt es keine Sorgen – auf der linken Seite sieht es anders aus. Santiago Garcia, die Nummer eins als Linksverteidiger, hat sich mit Patellasehnenproblemen durch die Saison geschleppt. Bis es nicht mehr ging. „Er hat nur mit 80 Prozent gespielt“, meinte Sportchef Thomas Eichin. Zum Vorbereitungsstart, so hoffen die Bremer, kann Garcia wieder eingreifen. Sicher ist das allerdings nicht. „Daran müssen wir gewaltig arbeiten“, weiß Eichin. Als zweiten Mann hat Skripnik im Lauf der Saison Janek Sternberg aus der U23 eingebaut. Der 22-Jährige offenbarte aber enorme Probleme und blieb oft den Beweis seiner Bundesliga-Tauglichkeit schuldig. Den gerade verpflichteten Ulisses Garcia (19) von Grashopper Zürich sieht Eichin als Mann für die Zukunft. Er soll im Juli mit in die Trainingslager reisen und kann sich beweisen.

Von der Anzahl her reichen drei Linksverteidiger, bei der Qualität gibt es Zweifel. Womöglich schlägt Werder auf dem Transfermarkt noch mal zu, wenn sich die Möglichkeit ergibt – allerdings sind bezahlbare und gute Linksverteidiger extrem rar.

Mittelfeld
Auf der „Sechs“ wird gesucht – das ist bekannt und auch notwendig. Vor allem, wenn Skripnik, wie in der Rückrunde mehrfach praktiziert, zwei defensive Mittelfeldmänner aufbietet. Philipp Bargfrede plagt sich häufig mit Blessuren herum, muss deshalb auch im Training schon mal kürzertreten. Kapitän Clemens Fritz wird im Dezember 35 Jahre alt – von ihm kann man nicht erwarten, dass er die Saison voll und verletzungsfrei durchzieht. Außerdem spielte Fritz meistens rechts und nicht zentral. Felix Kroos hatte im defensiven Mittelfeld durchaus seine Chancen (14 Startelf-Einsätze in der Bundesliga), hat sie aber nicht wirklich genutzt und landete zwischendurch immer wieder auf der Bank. Dort saß er neben Cedrick Makiadi, der lediglich als Notnagel diente (18 Einsätze, nur sechs von Beginn an). Dem 31-Jährigen (Vertrag bis 2016), den Skripnik-Vorgänger Robin Dutt unbedingt als Führungsspieler haben wollte, würden keine Steine in den Weg gelegt. Das Problem: Wer wenig spielt, kann sich nicht für andere Clubs empfehlen.

Auf den Halbpositionen muss Werder nicht unbedingt tätig werden. Zlatko Junuzovic, Fin Bartels, Clemens Fritz, Izet Hajrovic – dazu ein paar Talente. Das kann reichen. Bleibt Skripnik bei der Raute, bereitet aber die „Zehn“ Bauchschmerzen. Dort durften sich viele Bremer versuchen. Doch ob Junuzovic, Bartels, Levent Aycicek, Levin Öztunali oder der aktuell erneut verletzte Özkan Yildirim: Keiner hat sich im offensiven Mittelfeld als kreativer Kopf festgespielt.

Werder braucht für das Mittelfeld einen Mann mit strategischen Fähigkeiten, einen Denker und Lenker – das kann ein Defensiver oder Offensiver sein.

Angriff
Der 20-jährige Davie Selke (neun Saisontore) geht zu Zweitligist RB Leipzig (für acht Millionen Euro), dafür kommt der 24-jährige Anthony Utah (zehn Saisontore) vom 1. FC Köln (für 4,5 Millionen) – ein Eins-zu-Eins-Tausch. Die weiteren Planungen hängen maßgeblich von Franco Di Santo ab. Bleibt der beste Bremer Torschütze der vergangenen Saison (13 Treffer), hat Werder ein gutes Sturm-Duo – und in Melvyn Lorenzen, der gerade seine Knieprobleme auskuriert hat, einen richtig schnellen Mann, der in der kommenden Saison den Durchbruch in der Bundesliga schaffen will und kann. Bartels und Hajrovic können ebenfalls im Sturm spielen.

Verlängert Di Santo, der aktuell in der argentinischen Heimat über seine Zukunft nachdenkt, seinen bis 2016 laufenden Vertrag jedoch nicht vorzeitig und wird verkauft, muss Werder einen starken Nachfolger holen. Etwa Lukas Podolski? Laut der italienischen Zeitung „Gazzetta dello Sport“ sollen sich die Bremer für den Fall eines Di-Santo-Abschieds schon bei Arsenals Teammanager Arsene Wenger erkundigt haben, wie der mit dem deutschen Nationalspieler plant. Podolski (29) hat noch einen Vertrag bis 2016 in London, dort aber wohl keine Zukunft mehr. Genau wie die zuletzt verliehenen Nils Petersen und Eljero Elia in Bremen.

Im Nachwuchsbereich hat Werder den einen oder anderen Offensivmann, dem ab Sommer der Sprung in den Profikader zugetraut wird – etwa Maik Lukowicz (20) oder Florian Grillitsch (19).

mr

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