Nur von der Rettung darf Werder noch nicht sprechen

Weiter mit Kohfeldt, weiter bergauf

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Florian Kohfeldt hat allen Grund zur Freude: Der Werder-Trainer hat sein Team wieder in die Erfolgsspur geführt.

Bremen - In das unrasierte Gesicht von Fredi Bobic schlich sich ein süß-saures Lächeln. Im Gespräch mit dem TV-Sender Sky war er aufgefordert, die Gerüchte um seinen Trainer Niko Kovac zu kommentieren.

Der sei ja ein Kandidat beim FC Bayern, sagte der Reporter. Was Bobic sagte, war dann das: „Das ist mir Jacke wie Hose.“ Er habe zwar keinen Draht zum FC Bayern, aber einen guten zu Kovac, deshalb interessiere ihn das Gerede nicht, teilte er nett, aber doch deutlich abweisend mit.

Was diese Frankfurter Geschichte mit Werder Bremen zu tun hat? Nun, zum einen war es nach der 1:2-Niederlage der Eintracht im Weserstadion, als Bobic über Bayern und Kovac sprechen sollte. Zum anderen ist das, was derzeit bei Frankfurt geschieht, möglicherweise ein Blick in die Bremer Zukunft. Wenn es nicht sogar schon Gegenwart ist.

Kohfeldt hat sich einen sehr guten Namen gemacht

Kovac hat Frankfurt von einem Abstiegskandidaten zu einem Europapokal-Anwärter gemacht. Er lässt guten, schlauen, attraktiven Fußball spielen. Deshalb ist er interessant für die ganz großen Clubs der Liga. Wie Bayern München. Bei Werder ist unterdessen Florian Kohfeldt auf dem Weg, es Kovac gleich zu tun: Abstiegskandidaten übernehmen, nach oben führen, noch schnell die Tür der Karriere-Rakete schließen – und ab geht‘s!

Kohfeldt hat sich in Windeseile einen sehr guten Namen in der Liga gemacht. Seit dem 2:1-Sieg über Kovac und dessen Eintracht lässt sich auch sagen, dass er den Abstiegskampf erfolgreich und mit Auszeichnung absolviert hat. Dazu nur ein paar Zahlen: Mit nunmehr neun Heimspielen ohne Niederlage (sechs Siege, drei Remis) seit Amtsantritt hat der 35-Jährige einen Uralt-Rekord seiner Ur-Ahnen Otto Rehhagel (ab Sommer 1981) und Sepp Piontek (ab November 1971) eingestellt. Zudem ist Werder unter Kohfeldt die drittbeste Mannschaft der Bundesliga-Rückrunde. Die aktuelle Bremer Erfolgsserie besteht aus drei Siegen in Folge und fünf Partien ohne Niederlage.

Kohfeldt auch nächste Saison Werder-Trainer?

Kurs Champions League – Eintracht Frankfurt hat ihn aktuell schon eingeschlagen, Werder könnte in nicht allzu ferner Zukunft folgen. Vorausgesetzt Florian Kohfeldt setzt seine erfolgreiche Arbeit in Bremen fort. Um ihn ranken sich zwar keine Bayern-Gerüchte, aber andere Top-Clubs der Liga haben sich längst schon nach ihm erkundigt.

Von RB Leipzig und Borussia Dortmund heißt es, dass sie an der Schwelle zu einer öffentlichen Trainer-Diskussion stehen. Und sollten diese Diskussionen irgendwann losbrechen, kann sich jeder vorstellen, wer gemeinsam mit Julian Nagelsmann und Niko Kovac im Topf der Kandidaten schwimmen wird. Florian Kohfeldt natürlich.

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23.
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © gumzmedia
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank.
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © gumzmedia
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück. 
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer.
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause.
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser.
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser. © imago images/Jan Huebner

Bei Werder ist den Verantwortungsträgern diese Möglichkeit jedoch – um im Bobic-Jargon zu bleiben – Jacke wie Hose. Im „Sportclub“ bekräftigte Kohfeldt: „Ich werde auf jeden Fall nächste Saison hier als Trainer arbeiten, sollte der Verein das auch wollen.“ Dass Werder auch will, ist freilich keine Frage. Unklar ist nur, wie sehr das Ganze durch einen Vertrag abgesichert ist. Gilt Kohfeldts aktuelles Arbeitspapier bis zum Saisonende, bis 2019 oder noch länger? Die Jahreszahl im Trainervertrag ist ein gut gehütetes Geheimnis bei Werder.

Was Sportchef Frank Baumann zu dem Thema beiträgt, lässt allerdings darauf schließen, dass der Verein auf der sicheren Seite ist und zwei Hände drauf hat bei seinem jungen Trainer. „Nach meiner Sicht kann er auch gerne bleiben. Aber wir haben nie etwas über Vertragslaufzeiten gesagt. Deswegen ist das für die Öffentlichkeit vielleicht ein Thema, intern aber kein großes“, erklärte der Ex-Nationalspieler gegenüber Radio Bremen. Intern sind sich in Bremen demnach alle ihrer Sache sicher. Es geht weiter mit Kohfeldt. Weiter bergauf.

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Quelle: DeichStube

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