Baumann sucht den Nachfolger – oder hat er ihn schon?

Der Junuzovic-Wechsel und seine Folgen

+
Zlatko Junuzovic verlässt Werder Bremen nach sechseinhalb Jahren.

Bremen - Die aktuelle Saison ist noch nicht vorbei, da sorgt die neue schon für ordentlich Gesprächsstoff. Denn bei Werder wird sich durch den angekündigten Wechsel von Zlatko Junuzovic (30) einiges in Bewegung setzen.

Sollte im Sommer auch noch Thomas Delaney (26) gehen, wäre der Aderlass an erfahrenen Spielern im Mittelfeld schon sehr groß. Doch Frank Baumann ist da ziemlich entspannt. „Wir werden einen guten Kader haben“, verspricht der Sportchef und erklärt im Gespräch mit der DeichStube, wie er auf den Junuzovic-Abschied reagieren wird.

Werder sucht in den eigenen Reihen

„Wir machen es wie immer und schauen uns zunächst in den eigenen Reihen um“, sagt Baumann. Er weiß natürlich, dass er mit so einer Aussage wenig Euphorie auslöst. Doch dem hält der 42-Jährige ein Beispiel entgegen: „Vor einem Jahr ist Florian Grillitsch ablösefrei gegangen und wir haben dann auf Maximilian Eggestein gesetzt. Ich denke, das hat sich ausgezahlt.“

Der erst 21-jährige Eggestein spielt eine ganz starke Saison, ist aus dem Bremer Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. Aber gibt es aktuell bei Werder überhaupt einen zweiten Eggestein beziehungsweise den Junuzovic-Ersatz? Vielleicht Ole Käuper, der 21-Jährige agiert allerdings defensiver. Und da wäre natürlich auch noch der erfahrene Jerome Gondorf (29), der künftig auf mehr Spielanteile hoffen darf.

Allerdings: In Kevin Möhwald steht nach Informationen der DeichStube ein Neuzugang für das Mittelfeld bereits fest. Baumann will den Transfer des 24-Jährigen vom 1. FC Nürnberg aber nicht bestätigen. Ohnehin gibt er sich bei möglichen Neuzugängen ziemlich zugeknöpft. Dass er am Sonntag extra mit Trainer Florian Kohfeldt nach Köln gefahren ist, um sich dort das Bundesligaspiel gegen Schalke anzuschauen, habe nicht so viel zu bedeuten.

„Man will sich immer ein Bild von der Bundesliga machen, sich vielleicht auch Spieler angucken, die in ein, zwei Jahren ein Thema sein könnten. So ein Besuch muss nicht immer gleich in eine Verpflichtung münden.“ Wenngleich speziell Köln schon einige interessante Profis zu bieten hat, die nach dem fast sicheren Abstieg zu haben sein dürften. Allen voran Offensivmann Leonardo Bittencourt (24). Aber auch Vincent Koziello (22/Mittelfeld), Salih Özcan (20/Mittelfeld) und Yuya Osako (27/Angriff) könnten durchaus ein Thema für Werder sein.

Baumann: „Zladdi hätte weiter zu den Topverdienern gezählt“

„Ich kommentiere keine Namen“, wiegelt Baumann sofort ab. Er will in Ruhe arbeiten – möglichst unter dem Radar, um die Konkurrenten nicht aufmerksam zu machen. Dabei bietet ihm der Weggang von Junuzovic durchaus neue finanzielle Möglichkeiten – zumindest, was das Gehaltsbudget betrifft. „Zladdi hätte hier weiterhin zu den Topverdienern gezählt, wenn er unser Angebot angenommen hätte“, erklärt Baumann und betont noch mal: „Wir hätten ihn wirklich gerne behalten und haben ihm ein aus unserer Sicht vernünftiges Angebot gemacht.“

Ob die Zahlen darin höher oder niedriger waren als im bisherigen Kontrakt, lässt Baumann offen. Aber dem Vernehmen nach soll das Angebot schon deutlich abgespeckt gewesen und seit Juli – dem Beginn der Verhandlungen – nicht wirklich verändert worden sein. Dazu passt: Junuzovic hat in den vergangenen Wochen stets betont, dass er nichts entscheiden könne, wenn nichts auf dem Tisch liege – also gab es aus seiner Sicht offenbar kein neues Angebot.

Zlatko Junuzovic: Seine Karriere in Bildern

Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovics Karriere begann in seiner Heimat Österreich. Nach seiner Jugendzeit in Graz wechselte „Zladdi“ im Sommer 2007 zu Austria Kärnten. Dort blieb er zwei Jahre.  © imago
Zlatko Junuzovic
Dann schloss er sich dem 24-fachen Meister Austria Wien an, wo er für drei Jahre spielte. © imago
Zlatko Junuzovic
Im Januar 2012 holten Trainer Thomas Schaf und Manager Klaus Allofs den Mittelfeld-Allrouner an die Weser. Bei Werder unterschrieb Junuzovic bis Sommer 2015. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der Österreicher war bei Werder direkt gefordert... © nordphoto
Zlatko Junuzovic
...und stand in der Rückrunde der Saison 15 Mal auf dem Platz - meistens über die volle Spielzeit. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
In der Saison 2013/14 schoss der Österreicher den 1:0-Siegtreffer im Nordderby gegen den Hamburger SV. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Im Februar 2015 verlängerte Junuzovic seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Werder-Anhänger machten sich zuvor mit Sprechchören und Plakaten für den Verbleib von Junuzovic stark. Unter dem Hashtag #JunobleibtBremer fanden viele Fans zusammen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seine wohl beste Saison bei den Grün-Weißen spielte der Mittelfeldspieler 2014/15. Am Ende dieser Spielzeit standen sechs Treffer und 16 Torvorlagen auf Junuzovics Konto. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der österreichische Nationalspieler biss immer auf die Zähne und zählt zu den Führungsspielern in Bremen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Nach dem Karriereende von Clemens Fritz wurde Junuzovic von Cheftrainer Alexander Nouri zum Kapitän ernannt. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seit der Saison 2017/18 trägt er nun die Binde als neuer Spielführer. Ganz neu ist das für den Profi aber nicht. Zuvor war er schon Vizekapitän gewesen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Am 13. Oktober 2017 gab Junuzovic überraschend sein Karriere-Ende in der österreichischen Nationalmannschaft bekannt. Er kam auf 55 Einsätze in der ÖFB-Elf. © imago
Zlatko Junuzovic
In der Rückrunde der Saison 2017/18 hat Junuzovic trotz Kapitänsbinde seinen unangefochtenen Stammplatz verloren und musste das eine oder andere Mal - besonders bei Auswärtsspielen - auf der Bank Platz nehmen. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Ein ganz wichtiges Tor für Werder schoss Junuzovic gegen Schalke 04, als er in der Nachspielzeit den Ball zum 2:1-Auswärtssieg über die Linie stocherte. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Dank Junuzovics Treffer bejubelte Werder einen ganz wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Nach Jahren voller Wechsel-Spekulationen geht im Sommer 2018 das Kapitel Junuzovic bei Werder zu Ende. Dass der Kapitän von Bord geht, teilte der SV Werder am 23. April 2018 mit. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wurde beim letzten Heimspiel der Saison im Weserstadion offiziell verabschiedet. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Der 30-Jährige genoss die letzten Momente im Weserstadion gemeinsam mit Sohn Clemens. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Die Werder-Fans bescherten Junuzovic einen schönen Abschied. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wechselt zurück in seine österreichische Heimat. Ziel ist Serienmeister RB Salzburg. © gumzmedia

Nun hat sich der Österreicher trotzdem entschieden – allerdings für einen anderen Club. Als ablösefreier Spieler ist der 30-Jährige natürlich interessant. Für Thomas Delaney gilt das ebenfalls. Der Däne ist zwar nicht ablösefrei, aber als 26-jähriger dänischer Nationalspieler sehr begehrt – vor allem bei Clubs aus England. Droht Werder da der nächste Verlust eines erfahrenen Spielers aus dem Mittelfeld?

„Wir hätten auch noch genug andere erfahrene Spieler im Kader“, sagt Baumann zunächst und stellt dann klar: „Wir wollen Thomas aber gar nicht abgeben, wir wollen einen starken Kader haben.“ Weil Delaney noch langfristig unter Vertrag steht (bis 2021), hat Werder dort zumindest das Heft des Handelns in der Hand. Bei Junuzovic war das nicht mehr so.

Schon gelesen?

Kommentar zum Junuzovic-Abgang: Schade, aber dennoch richtig

Junuzovic verlässt Werder - und sein neues Ziel steht schon fest

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Fall Khashoggi: Türkische Konsulats-Angestellte sagen aus

Fall Khashoggi: Türkische Konsulats-Angestellte sagen aus

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung

Fotostrecke: Abschlusstraining ohne Bargfrede

Fotostrecke: Abschlusstraining ohne Bargfrede

Die fünf besten "Die Höhle der Löwen"-Deals aus allen vier Staffeln 

Die fünf besten "Die Höhle der Löwen"-Deals aus allen vier Staffeln 

Meistgelesene Artikel

Klaassen, der „Leader der Mannschaft“

Klaassen, der „Leader der Mannschaft“

Ist Pavlenka ein Thema als Cillessen-Nachfolger beim FC Barcelona?

Ist Pavlenka ein Thema als Cillessen-Nachfolger beim FC Barcelona?

Langkamp gegen die Langen?

Langkamp gegen die Langen?

Ex-Profi Brian McBride macht sich für Sargent stark: „Einfach mal reinwerfen“

Ex-Profi Brian McBride macht sich für Sargent stark: „Einfach mal reinwerfen“

Kommentare