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Verantwortung statt Lässigkeit - was Marco Friedls Verlängerung für Werder Bremen so besonders macht

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Von: Malte Bürger

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Vor einem Jahr wollte er unbedingt wechseln, jetzt hat Marco Friedl seinen Vertrag bei Werder Bremen sogar verlängert.
Vor einem Jahr wollte er unbedingt wechseln, jetzt hat Marco Friedl seinen Vertrag bei Werder Bremen sogar verlängert. © gumzmedia

Zell am Ziller – Es ist keine elf Monate her, dass Marco Friedl einfach nur weg wollte. So schnell wie möglich. Zurück in die Bundesliga, weg vom SV Werder Bremen, hin zu Union Berlin. Sogar einen kleinen Streik legte der Österreicher ein, um seinem Ziel näherzukommen. Der Wechsel in die Hauptstadt scheiterte und Friedl blieb in Bremen. Seither ist eine ganze Menge passiert. Der 24-Jährige hat die Gunst der Fans zurückerobert, mit Werder den direkten Wiederaufstieg geschafft und just seinen Vertrag vorzeitig verlängert. Langfristig – auch wenn der Kontrakt nach Informationen der DeichStube eine Ausstiegsklausel enthält. Friedl ist, das lässt sich mittlerweile so sagen, zu einer zentralen Figur im Werder-Gefüge gereift.

„Er ist routinierter und abgeklärter geworden“, lobt Clemens Fritz, Werder Bremens Leiter Scouting und Profifußball. Der 41-Jährige erinnert sich noch gut an jene Momente, als Marco Friedl ein Unsicherheitsfaktor im Bremer Spiel war, die damalige Leihgabe des FC Bayern München mitunter reichlich Kritik einstecken musste. „Als er am Anfang zu uns kam, war er in der einen oder anderen Situation etwas zu lässig und hat sich zu sehr auf seine Qualitäten, seine Dynamik und Geschwindigkeit verlassen“, schildert Fritz. „Da habe ich manchmal gedacht: Wenn du direkt intensiv zum Ball gehst, dann bringst du dich nicht in irgendwelche Schwierigkeiten.“

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Werder Bremen: Übernimmt Marco Friedl nach seiner Vertragsverlängerung die Ömer-Toprak-Rolle?

Es gibt Fußballer, die gehen an solchen Erfahrungen zu Grunde. Da ist die Karriere schneller vorbei, als sie begonnen hat. Nicht so bei Marco Friedl. Der Innenverteidiger arbeitete an sich, warf all seinen Ehrgeiz in die Waagschale und reifte im Schatten von Führungsspielern wie Ömer Toprak zum Zweitliga-Leistungsträger heran. Nun ist der einstige Abwehrchef nicht mehr da – und Friedl könnte selbst in die bisherige Toprak-Rolle schlüpfen. „Definitiv traue ich ihm das zu“, betont Clemens Fritz und sagt mit Blick auf den gesamten Kader des SV Werder Bremen: „Ja, wir wollten die Mannschaft punktuell in dem Wissen verstärken, dass wir ein Aufsteiger sind, aber es ist trotzdem ein Vorteil, wenn du die Mannschaft weitgehend zusammenhalten kannst. Und Marco ist da natürlich ein wichtiges Puzzleteil für uns.“

Aus diesem Grund war das Negativerlebnis des Vorsommers, als Marco Friedl heftig mit Union Berlin flirtete, nun auch kein Thema mehr, als es darum ging, einen neuen Vertrag bei Werder Bremen zu unterzeichnen. „Wir haben damals darüber gesprochen und das damals auch abgehakt“, erläutert Fritz. „Natürlich ist das seinerzeit etwas unglücklich gelaufen, aber es war trotzdem überhaupt nicht böswillig von Marco. Ich will da auch niemandem etwas unterstellen, aber sicherlich spielt da auch immer der Austausch mit Beratern eine Rolle. Das ist vielleicht ein Punkt, der in dem Moment nicht so gut gelaufen ist.“

Werder Bremen froh über Vertragsverlängerung von Marco Friedl: „Sehen noch großes Potenzial“

Zuletzt lief es in dieser Hinsicht wesentlich besser, was auch am Beraterwechsel bei Marco Friedl liegen könnte. Inzwischen wird er von Thomas Böhm vertreten. „Es waren ordentliche, gute und faire Verhandlungen“, unterstreicht Fritz. Mit einem aus Werder-Sicht optimalen Ausgang. „Marco hat sich hervorragend entwickelt und wir sehen noch großes Potenzial in ihm. Er ist auch bereit, Verantwortung zu übernehmen – umso mehr freuen wir uns, dass es uns jetzt noch einmal gelungen ist, ihn von Werder Bremen zu überzeugen.“

Was Fritz so gelassen ausspricht, gilt alles andere als selbstverständlich. Die Vertragsverlängerung bei Werder Bremen ist ein echtes Zeichen, ein kleiner Coup, den Fritz und Sportchef Baumann da hinbekommen haben. Marco Friedl ist jung, österreichischer Nationalspieler und würde problemlos auch anderen Teams gut zu Gesicht stehen. Da braucht es gute Argumente - die das Duo Fritz/Baumann offensichtlich hatte. Und der 24-Jährige eines nicht mehr so schnell möchte: weg. (mbü)

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