Werder-Coach streicht den freien Tag / Schwierige Überzeugungsarbeit

Skripnik verspricht: „Wir haben alles unter Kontrolle“

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Erklärungsversuche: Viktor Skripnik sprach gestern nicht nur mit Kapitän Clemens Fritz über die Gründe des schlechtesten Saisonstarts von Werder seit 49 Jahren.

Bremen - Von Björn Knips. Am Spielfeldrand hatte er noch genauso schockiert reagiert wie seine Spieler. Nach dem Augsburger Ausgleich musste sich Werder-Coach Viktor Skripnik erst einmal setzen. In der Folgezeit überließ er gerne mal seinen Co-Trainern Florian Kohfeldt und Torsten Frings die Coaching-Zone. Immerhin: Nach der 1:2-Pleite gegen Augsburg versteckte sich Skripnik nicht mehr – auch nicht am Tag danach. Da behauptete der 46-Jährige sogar: „Wir haben alles unter Kontrolle.“

Nicht jeder nahm ihm das ab – vor allem nicht einige freche Internet-User in Foren wie worum.org. Da wurde Skripniks Aussage mit einem Schlager von Jürgen Drews verglichen. „Wieder alles im Griff“, heißt es da erst noch ganz positiv, doch dann folgt eben, „auf dem sinkenden Schiff“. Und der Werder-Dampfer hat nach drei Niederlagen in den drei Pflichtspielen der Saison schon eine gehörige Schieflage. Doch Skripnik hat angeblich keine Panik – auf der Titanic. Sorry, auch das ist eine Textzeile aus dem Drews-Song und musste an dieser Stelle einfach sein. Der Coach mühte sich gestern nach Kräften, souverän und sicher zu wirken. Kopf hoch und durch – lautete sein Motto in der kleinen Medienrunde am frühen Morgen im Weserstadion.

Dabei ist es nicht immer so einfach, seinen Gedankengängen zu folgen. Der Coach ist sehr sprunghaft, will etwas erst nicht sagen und sagt es dann doch. Zum Beispiel beim Thema Verletzungspech, das Werder wirklich mit voller Wucht getroffen hat. Es fehlen Leistungsträger wie Claudio Pizarro, Max Kruse, Santiago Garcia und Philipp Bargfrede. Nun fällt auch noch Luca Caldirola monatelang aus. „Ich rede nicht über die verletzten Spieler, ich arbeite mit den Leuten, die auf dem Platz stehen“, sagt Skripnik und verbietet sich jegliches Jammern. Er will, so erklärt der Ukrainer, sich und den Profis kein Alibi für schlechte Ergebnisse liefern. Und macht es dann etwas später doch. „Wer uns fehlt, das ist echt Wahnsinn. Es kann nur besser werden“, hadert Skripnik.

Nicht nur damit, sondern auch mit dem Bremer Modell: „Wir haben einen Umbruch geplant. So ist hier unser Leben. Denn wir müssen Geld verdienen. Seit Jahren entwickelt und verkauft Werder Bremen Spieler. Ich wollte auch gerne Vestergaard und Djilobodji behalten – oder jeden anderen. Aber unsere Realität ist, dass du drei, vier Innenverteidiger verlierst. Dann musst du neue holen. Dann braucht man Zeit und Geduld.“ Sportchef Frank Baumann hat diese Geduld, das Umfeld immer weniger. Gegen Augsburg gab es viele Pfiffe – auch gegen Skripnik, der zudem noch obszöne Gesten einiger ganz Frustrierter ertragen musste. „Es ist ein Teil des Geschäfts. Ich akzeptiere das“, gibt sich der Ex-Profi ganz tapfer und wünscht sich sogleich: „Lassen Sie mich bitte an letzter Stelle. Erst mal kommt der Verein, dann die Mannschaft – und dann Viktor Skripnik.“

Bei Gnabry blitzt Klasse auf – beim Rest nicht

Auf den aber alle schauen. Er hat Werder vor fast zwei Jahren am Boden liegend übernommen, gerettet, nicht wirklich weiterentwickelt, wieder gerettet und jetzt ans Tabellenende geführt. Nach zwei Spieltagen. Das ist früh für eine Beurteilung – und für den Coach nur eine Momentaufnahme. „Es war der richtige Schritt nach vorne. Man kann zufrieden sein“, sagt Skripnik über eine Niederlage, die durchaus verdient war.Und das gegen eine Mannschaft, die wahrscheinlich auch gegen den Abstieg kämpfen muss. Zudem hatte sein Team das Fußballspielen nach 52 Minuten – also direkt nach dem Ausgleich – eingestellt. Aus Angst, so schien es. „Uns fehlte die Power“, behauptete Zlatko Junuzovic.

Es war ein deutlicher Seitenhieb Richtung Trainer Skripnik. „Die Werte sind perfekt, wir haben echt gute Fortschritte gemacht“, kontert der Coach die unangenehme Attacke, stellt sich aber mit einer anderen Aussage selbst ein Bein: „Wir haben schon Kraft, Fußball zu spielen und zu kämpfen. Aber wir haben nicht die entscheidende Kraft für die letzte Aktion, um uns durchzusetzen.“ Dann wird es mit dem Toreschießen natürlich schwierig. Der Trainer will unbedingt überzeugen – auch mit Taten. Der freie Dienstag heute wird gestrichen. Es ist nicht irgendein freier Tag, es ist der freie Tag, der laut Fitnesscoach Axel Dörrfuß unbedingt der Regeneration gehört. Das gelte nicht nur für die Beine, sondern auch für den Kopf. Skripnik hat trotzdem eine Videoanalyse angekündigt, zudem noch ein bisschen Training. „Laufen oder so – irgendetwas draußen“, sagt er.

Es klingt noch etwas planlos. Genauso wie seine Begründung. „Wir haben uns keinen freien Tag verdient“, sagt er zunächst. Das klingt nach Straftraining. Ist es aber wohl doch nicht. Es geht eher um Integration. „Wir haben so viele neue Spieler, da können wir einiges machen“, erklärt Skripnik noch und eilt zur Mannschaft. Vor allem die muss er überzeugen, dass besserer Fußball möglich ist. Es bleiben große Zweifel, ob ihm das noch gelingt.

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