Mit Überzeugung in die letzten Spiele

Viel Mut, keine Punkte, aber eine wachsende Wahrscheinlichkeit

+
Thomas Delaney und Nuri Sahin lieferten sich einen großen Fight. Der Bremer Mut wurde am Ende jedoch nicht mit Punkten belohnt.

Dortmund - Florian Kohfeldt hat studiert – Sport- und Gesundheitswissenschaften an der Uni Bremen. Welche Bedeutung dabei das Fach Mathematik hatte, ist nicht überliefert. Als Fußball-Lehrer setzt er jedenfalls auf Wahrscheinlichkeitsrechnung. Dabei sieht er seinen SV Werder weiter auf einem guten Weg – trotz oder vielleicht sogar wegen der jüngsten 1:2 (1:2)-Niederlage bei Tabellenführer Borussia Dortmund.

„Ich glaube einfach ganz fest daran: Wenn du so Fußball spielst wie wir, dann erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, in Dortmund zu gewinnen“, sagt Kohfeldt: „Sicher, wenn du dich hinten reinstellst und sagst, wir kontern, dann kannst du hier auch eines von zehn Spielen gewinnen. Aber du fängst jedes Mal wieder bei null an, wenn du hier bist.“ Aber Kohfeldt will seine Mannschaft entwickeln und weniger vom Spielglück abhängig sein. Er möchte, dass seine Mannschaft ihr Schicksal selbst bestimmt, sich durch nichts vom Weg abbringen lässt.

„Eigentlich ist hier doch am Anfang alles gegen uns gelaufen, was gegen uns laufen kann“, erinnert Kohfeldt an den frühen Ausfall von Davy Klaassen nach nur einer Viertelstunde mit einer Schienbeinprellung und die beiden Gegentreffer – resultierend aus einer Standardsituation und einem Fehler im eigenen Spielaufbau. „Aber uns hat trotzdem nicht der Mut verlassen, sondern wir haben weitergespielt. Das ist eine große mentale Leistung der Jungs“, schwärmt der 36-Jährige und fügt schnell noch an: „Das zeigt, wie wir sind und wie tief dieser Glaube an unsere Art des Fußballs in den Spielern drin ist – unabhängig vom Ergebnis.“

Florian Kohfeldt ist mit der derzeitigen Performance seines Teams zufrieden.

Natürlich war auch Kohfeldt nicht entgangen, dass Dortmund insgesamt die bessere Mannschaft war und auch mehr klare Torchancen besaß. Der BVB steht nicht umsonst an der Tabellenspitze und im Achtelfinale der Champions League. Auf eigentlich allen Positionen ist das Team von Lucien Favre qualitativ besser besetzt als der Tabellenneunte aus Bremen. Und es sei „Wahnsinn“, so Kohfeldt, wer dann auch noch eingewechselt wird: Mario Götze, Christian Pulisic und Maximilian Philipp.

Trotzdem durften die Bremer bis zur letzten Sekunde auf einen Punkt hoffen. Auch die Statistiken konnten sich mehr als sehen lassen – vorneweg das Eckenverhältnis von 10:4 für Werder. Der Ballbesitz war fast ausgeglichen. „Und das nicht durch Hintenrumspielen“, betont Kohfeldt: „Wir wussten heute sehr, sehr gut, wo wir hinspielen wollten. Das haben die Jungs überragend gemacht. Das war nicht ganz einfach, das hatte viel mit Mut zu tun.“

Dieser Mut war den Bremern in dieser Saison zwischenzeitlich mal etwas abhandengekommen – speziell im Heimspiel gegen die Bayern (1:2). Durch den 3:1-Erfolg gegen Düsseldorf ist das Selbstvertrauen wieder so groß, dass auch Rückschläge im Spiel verdaut werden. Die beiden Gegentore taten allerdings schon ziemlich weh. Zunächst ließ sich die komplette Abwehr von einem eigentlich simplen Freistoß-Trick von Raphael Guerreiro düpieren. Paco Alcacer bedankte sich mit dem 1:0 (20.). 

Dann lief Kevin Möhwald genau in den Passweg von Niklas Moisander – Dortmund startete den Konter, an dessen Ende Marco Reus jubelte (27.). „Wir haben diesen einen Fehler zu viel gemacht“, haderte Kapitän Max Kruse, der seinen Kollegen aber keinen Vorwurf machen wollte. Außerdem: Dieses Tempo der Dortmunder bei Ballgewinn war schon enorm, da wirkten die Bremer mehrfach überfordert. Ohne Keeper Jiri Pavlenka hätte Werder wahrscheinlich schon viel eher als Verlierer festgestanden.

Mut allein genügt nicht: Werders Taktik gegen den BVB in der Analyse

Kruse sehenswert - Bremer Punktausbeute zu dünn

Es lag aber auch an der Offensive der Gäste, dass die Partie immer spannend war. Der Anschlusstreffer von Max Kruse (35.) gehört definitiv in die Kategorie „sehenswert“. Ludwig Augustinsson hatte gut aufgelegt, der Kapitän mit seinem eigentlich schwächeren rechten Fuß sehr gut abgeschlossen. Und wer weiß, was passiert wäre, hätte Kevin Möhwald nach perfekter Rashica-Vorlage direkt abgeschlossen (52.).

„Wir müssen einfach lernen, in diesen Spielen auch mal zuzupacken. Das unterscheidet uns noch stark von den anderen Mannschaften“, gesteht Kohfeldt und meint damit die Spitzenteams. Dazu zählen auch die nächsten Gegner: am Mittwoch Hoffenheim, am Samstag dann Leipzig. „Die Wahrscheinlichkeit ist da, dass wir in den letzten beiden Spielen einfach mal dran sind, dreifach zu punkten“, sagt Kohfeldt. Wohl wissend, dass so ein Sieg für die Tabelle immens wichtig wäre. Werder hat nur vier Punkte aus den letzten sieben Spielen geholt. Dieser Schnitt wird für das Ziel Europa nicht nur wahrscheinlich, sondern ganz gewiss nicht reichen.

Schon gesehen?

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was Jugendliche über K.o.-Tropfen wissen sollten

Was Jugendliche über K.o.-Tropfen wissen sollten

Das sind die neuen Motorräder für 2020

Das sind die neuen Motorräder für 2020

Auf der Spur des Weihrauchs im Oman

Auf der Spur des Weihrauchs im Oman

Wie werde ich E-Commerce-Kaufmann/frau?

Wie werde ich E-Commerce-Kaufmann/frau?

Meistgelesene Artikel

Polizeikostenstreit: Werder Bremen zieht Drohung leerer Gäste-Blöcke zurück

Polizeikostenstreit: Werder Bremen zieht Drohung leerer Gäste-Blöcke zurück

So liefen die bisherigen Spiele von Werder Bremen gegen Paderborn

So liefen die bisherigen Spiele von Werder Bremen gegen Paderborn

Winter-Transfers: Hier sollte Werder Bremen personell nachlegen

Winter-Transfers: Hier sollte Werder Bremen personell nachlegen

Abstiegskampf – warum das Wort beim SV Werder auf dem Index steht

Abstiegskampf – warum das Wort beim SV Werder auf dem Index steht

Kommentare