Werder-Coach greift die Medien an: „Das ist falsch interpretiert worden“

Zu viel Kritik für Skripnik: „Das stört uns!“

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Werder-Coach Skripnik

Bremen - Viktor Skripnik zieht sich noch mal den Pullover glatt, als sei es sein Judoanzug und er würde gleich in den Kampf ziehen – gegen diese Männer mit ihren Mikrofonen, Kameras und Kugelschreibern. Dann schaut er auf, es ist quasi der Gong zur ersten Runde. Der Werder-Coach teilt in der Interview-Zone des Weserstadions ordentlich aus. Er ist sauer. Die Berichterstattung über die 0:4-Heimniederlage gegen den FC Bayern hat ihm überhaupt nicht gepasst. Der 45-Jährige fühlt sich bei seiner „Wir-sind-stolz-auf-dieses-0:4“-Aussage falsch interpretiert und vermisst die Wertschätzung für seine bisherige Arbeit. Ein Rundumschlag!

Es wurde wohl gedacht, dass es nach 29 Punkten aus 15 Spielen immer so weitergehen muss“, legt Skripnik los. Seine Augen funkeln. Doch noch bleibt er ganz cool, flüchtet sich in die Zukunft: „Jetzt kommt ein hartes Stück Arbeit auf uns zu. Köln steht unter uns, die wollen uns schlagen.“ Auf die folgende Frage, wie es sich als Tabellenneunter anfühlt, reagiert er mit einem zufriedenen Lächeln und einem „Perfekt. Ich bin sehr glücklich. Vor zwei Monaten waren wir schon unter der Erde, jetzt sind wir Neunter.“ Es ist ein dezenter Hinweis darauf, was er aus dieser Mannschaft gemacht hat.

Als Skripnik Ende Oktober Nachfolger des geschassten Robin Dutt wurde, war Werder Tabellenletzter – mit mickrigen vier Pünktchen. Und jetzt wird sogar schon nach der Europa League gefragt. Immerhin versteht das Skripnik inzwischen nicht mehr als hinterhältigen Versuch, sich öffentlich zu früh vom Abstiegskampf zu verabschieden, sondern er genießt das Thema. „Die 33 Punkte sind schon was“, hebt er hervor: „Alles hängt nun von unseren Ergebnissen ab. Ich kenne so viele Sprüche mit dem Wörtchen Wenn, aber die sage ich heute nicht. Aber klar wären wir froh, wenn es passiert.“ Also die Europa League. Skripnik grinst, das Gespräch läuft ganz gut. Bis zur Bayern-Frage. Aus Skripniks Sicht offenbar eine Provokation, vielleicht sogar ein Tiefschlag. Jedenfalls folgt eine deutlich lautere Reaktion: „Bayern war doch ein Bonusspiel für uns. Und dann kriegen wir so viel Kritik ab. Das stört uns!“

Werder hatte einen mutigen Auftritt versprochen, war aber nach wenigen Minuten vor den großen Bayern zurückgeschreckt. Sportchef Thomas Eichin („Wie das Kaninchen vor der Schlange“), Kapitän Clemens Fritz („Wir hatten Schiss“) und Sebastian Prödl („Wir waren feige“) hatten das allesamt moniert. Wie die Medien. Die lobten dann auch den zweiten Teil des Werder-Auftritts nach der Pause. Die Gastgeber agierten nun aggressiver, brachten die Bayern damit zwischendurch sogar ein bisschen in Bedrängnis. Trotzdem stand am Ende ein 0:4 auf der Anzeigetafel. Kein angenehmes Resultat in einer Fußball-Bundesliga. Doch Skripnik merkte auf der Pressekonferenz völlig überraschend an: „Wir sind stolz auf dieses 0:4.“ Eigentlich ein Unding im Profisport.

Und die Aussage passte so gar nicht zum erfolgshungrigen Ukrainer („Selbst im Tischtennis verliere ich nicht gerne“). Natürlich wird Skripnik auf seinen Stolz angesprochen. Er könnte nun sagen, dass er sich unglücklich ausgedrückt hat. Doch Skripnik steckt nicht zurück, er teilt wieder aus: „Das ist falsch interpretiert worden!“ Es sei ihm gar nicht um das Ergebnis gegangen. „Ich habe gesagt: Ich bin stolz, wie wir gekämpft haben. Ich wollte meine Mannschaft in Schutz nehmen.“ Auch das war berichtet worden. Den Hinweis darauf überhört Skripnik, er will nicht diskutieren, er will nur feststellen, dass alles in Ordnung ist: also Teamgeist und natürlich auch das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern.

Ganz offensichtlich ist Skripnik in Sorge, dass dort etwas infrage gestellt wird, dass Unruhe aufkommt. Und deshalb beendet er das Aufeinandertreffen mit den Journalisten ziemlich schlagkräftig: „Ich war immer ehrlich und nett, ich kann auch trocken sein und kurz, das bin ich jetzt.“
kni

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