Vor dem 26. Spieltag

Wolfsburg-Legende Roy Präger im DeichStube-Interview: „Werder Bremen ist wieder im Kommen“

Einst war Roy Präger als Bundesliga-Torjäger des VfL Wolfsburg gefürchtet, inzwischen ist er als Markenbotschafter aktiv. Für das Auswärtsspiel bei Werder Bremen ist er zuversichtlich.
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Einst war Roy Präger als Bundesliga-Torjäger des VfL Wolfsburg gefürchtet, inzwischen ist er als Markenbotschafter aktiv. Für das Auswärtsspiel bei Werder Bremen ist er zuversichtlich.

Sein Job fällt ihm in diesen Tagen leicht. Eingegliedert in die Marketing-Abteilung des VfL Wolfsburg, kommt der Siegeszug der „Wölfe“ dem Markenbotschafter Roy Präger natürlich zugute. Der 49-Jährige, zudem noch als Macher der Traditionself aktiv sowie engagiert in der Krzysztof Nowak-Stiftung, traut seinen Nachfolgern, die am Samstag beim SV Werder Bremen antreten, den Einzug in die Champions League zu.

Im Interview mit der DeichStube spricht der einstige Wolfsburger Publikumsliebling über das Werk des Trainers Oliver Glasner, die gelungene Einkaufspolitik und lobt die herausragenden Individualisten Maximilian Arnold und Wout Weghorst. Bei Werder Bremen erkennt Roy Präger einen gewissen Aufwärtstrend, preist die Stabilität in der Defensive und glaubt an den Klassenerhalt. Dennoch setzt er auf einen Sieg des VfL Wolfsburg beim Nord-Duell: „Die Qualität des VfL sollte sich durchsetzen.“
 
Nach dem 5:0 gegen Schalke 04 sind die Wolfsburger Spieler in die Offensive gegangen. Torjäger Wout Weghorst erklärte die Qualifikation für die Champions League nun ausdrücklich zum Ziel. Sind Sie mit ihm einer Meinung, Roy Präger?

Dies anzustreben ist durchaus legitim bei nunmehr acht Punkten Vorsprung. Es ist ein Ziel, das machbar ist, auch wenn der Weg dahin noch zurückgelegt werden muss und bei noch ausstehenden neun Spieltagen recht weit ist. Doch die VfL-Mannschaft funktioniert und hat ihre Stärke bewiesen. Nach den bisherigen Auftritten in diesem Jahr, die durchweg gelungen waren, ist alles möglich.

Hätten Sie zu Saisonbeginn mit einem solchen Verlauf gerechnet?

Beim Start ergeben sich natürlich immer Fragezeichen. Niemand kann vorhersagen, wie sich alles entwickelt. Wie die Truppe in die Saison kommt, wie die Neuzugänge sich bewähren. Doch alles lief gut und führte zu einer Erfolgsserie. Die Stimmung ist gut, die Elf befindet sich in einem Hoch und lebt von der Euphorie.

Was ist die Stärke der Wolfsburger?

Ein Blick in die Statistik genügt. Grundlage für die Siegesserie ist die herausragende Defensivarbeit, so dass nur wenige Gegentore kassiert worden sind, viele Spiele zu null absolviert werden konnten. Bei der Arbeit gegen den Ball wirken alle Mannschaftsteile mit, auch die Offensiven machen vorbildlich mit und haben ihren Anteil daran. Nicht nur die Abwehrspieler sowie Torwart Koen Casteels, der sich zu einem der besten Keeper der Liga entwickelt hat.

Ein Verdienst, den sich vor allem Oliver Glasner anrechnen darf?

Ein Verdienst der ganzen Mannschaft, aber natürlich auch des Trainers. Er macht einen ausgezeichneten Job, leistet hervorragende Arbeit.

Bevor der Österreicher nach Wolfsburg kam, soll Kollege Marco Rose, der schließlich Gladbach den Vorzug gab, der Wunschkandidat gewesen sein. Inzwischen hat Glasner den einst so gefeierten Berufskollegen übertrumpft. Ist Glasner der bessere Rose?

Oliver Glasner steht für sich, für seine Philosophie von Fußball, für seine eigenen Ideen, die die Mannschaft glänzend umsetzt. Alles stimmt im Team, die Automatismen, die einstudierten Laufwege, das Verhalten in den Pressingsituationen. Die Mannschaft trägt seine Handschrift.

Roy Präger von Werder Bremen-Gegner VfL Wolfsburg: „Sie haben einen guten Riecher bewiesen“

Dabei gab es vor Monaten eine interne Meinungsverschiedenheit über die Transferpolitik zwischen dem Coach und der Geschäftsführung mit Jörg Schmadtke an der Spitze. Der Beginn einer Erfolgsstory?

Es sieht so aus. Es hat anscheinend ein Gespräch unter Männern gegeben, das positiv verlaufen ist. Alle haben sich ausgesprochen und arbeiten nun gemeinsam erfolgreich für die „Wölfe“.

Dabei ist die Einkaufspolitik ohne Fehl und Tadel. Die Neuen haben allesamt gut eingeschlagen. Ein Grund für das Hoch?

Natürlich, wir haben talentierte junge Spieler geholt, die sich schon jetzt einen Namen in der Liga gemacht haben. Maxence Lacroix stärkt die Innenverteidigung, Maximilian Philipp ist eine wertvolle Alternative in der Offensive, Bartosz Bialek, erst 19 Jahre jung, traue ich eine große Karriere zu. Und Ridle Baku aus Mainz ist ein Volltreffer wie Lacroix. Also durch die Bank tolle Einkäufe.

Bayern holte für die rechte Seite einen Backup namens Bouna Sarr aus Frankreich, Dortmund als Ersatz für Hakimi den Belgier Thomas Meunier. Beide enttäuschten bisher. Hat Wolfsburg mit Baku den besten Griff getan?

Auf jeden Fall hatte unsere sportliche Leitung ein gutes Auge bei dieser Verpflichtung. Sie haben einen sehr guten Riecher bewiesen.

Wie bewerten Sie als früherer Stürmer die Darbietungen des Torjägers Wout Weghorst?

Er ist ein kompletter Stürmer. Einer, der nicht nur trifft, sondern auch vorbereitet und den Ball vorn festmachen kann. Und zudem arbeitet er auch wirkungsvoll nach hinten.

Alle reden von Lewandowski, von Haaland, von Moukoko. Kommt der Niederländer im Vergleich zu schlecht weg?

In meiner Einschätzung nicht. Ich halte ihn für einen ganz großen Mittelstürmer, der den Vergleich mit anderen nicht zu scheuen braucht. Ich bin glücklich, dass er noch zwei Jahre bei uns unter Vertrag ist.

Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg - Roy Präger: „Es kann immer Überraschungen geben“

In der Form seines Lebens befindet sich momentan Maximilian Arnold. Stimmen Sie mit in den Chor derjenigen ein, die ihn sich zeitnah in der Nationalelf wünschen?

Maxi Arnold ist wichtig als Verbindungsspieler zwischen hinten und vorn. Sein Verständnis mit dem vor eineinhalb Jahren aus Österreich geholten Xaver Schlager ist einer der Pluspunkte im Team. Max ist zudem wertvoll für das Mannschaftsklima, das gute Miteinander. Ein Comeback in der Nationalelf? Warum nicht, er hätte es gewiss verdient. Doch zunächst einmal hat er seinen Vertrag verlängert. Wir alle in Wolfsburg sind damit glücklich. Und er ist wohl auch zufrieden.

Wolfsburg erwartet in den nächsten Wochen ein schweres Restprogramm. Haben Sie Angst vor einem Absturz vom dritten Platz?
 
Nein, das Team hat eine stabile Ausgangsposition, sie spielt guten Fußball, hat dies auch schon in den Partien gegen große Mannschaften gezeigt. Selbst auswärts bei den Bayern hätte die Mannschaft siegen können, zu Hause gegen Leipzig gab es ein torloses Remis. Wir haben Respekt vor den kommenden Aufgaben, brauchen aber keine Angst zu haben.

Haben Sie Bedenken, dass Werder nun zum Stolperstein werden könnte?

Jede Spiel in der Bundesliga muss erst einmal gespielt werden. Es bleiben immer Unwägbarkeiten, es kann immer Überraschungen geben. Die Bremer standen zuletzt meistens defensiv recht gut und kompakt. Doch die VfL-Elf steht, wie beschrieben, in der augenblicklichen Verfassung für eine gewisse Qualität. Ich setzte darauf, dass sich unsere spielerische Klasse und das individuelle Können der meisten Akteure durchsetzen wird.

Die Kritik am unattraktivem Stil Werders hat neuerdings zugenommen. Dabei hat die Mannschaft sehr erfolgreich und effektiv agiert und gepunktet, so dass sie kaum noch in akuter Abstiegsgefahr ist. Können Sie die Beschwerden vieler Fans und Fachleute nachvollziehen?

Nach der letzten Saison mit den enormen Problemen, die erst mit Glück in der Relegation beseitigt werden konnten, hat Werder viel geändert. Geändert zum Positiven, die Mannschaft hat sich wieder gefangen und spielt eine bessere Rolle. Sie wirkt auf mich weitaus gefestigter als in der Vorsaison.

VfL-Legende Roy Präger: „Werder Bremen ist wieder im Kommen - Florian Kohfeldt macht einen guten Job“

Glauben Sie, dass Bremen in naher Zukunft an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen kann?

Der Verein ist wieder im Kommen. Trainer Florian Kohfeldt macht, so beobachte ich es, einen guten Job, die Führung und das Umfeld sind gut aufgestellt. Als Norddeutscher wünsche ich Werder, dass es möglichst bald wieder aufwärts geht.

Ist der Klassenerhalt schon gesichert?

Einige Punkte, wie Coach Kohfeldt schon betont hat, brauchen sie noch. Die Konkurrenz unten punktet, wie man am letzten Wochenende bei Mainz und Bielefeld gesehen hat. Doch der Vorsprung der Bremer müsste reichen. Und sie haben das Niveau, um den Verbleib perfekt zu machen.

Corona ist immer wieder Thema in Wolfsburg, zuletzt auch der Verstoß gegen die Hygiene-Regeln durch Anthony Brooks und Marin Pongracic. Wie erleben Sie die Zeit der Pandemie?

Es ist eine schwere Zeit für uns alle, wobei der Fußball noch auf der glücklichen Seite ist. Gerade die Fußballer haben eine Vorbildfunktion. Auch wenn es manchmal schwerfallen mag, die Profis müssen sich, wie wir alle in der Gesellschaft, gegenseitig disziplinieren. Ich hoffe, dass es möglichst bald ein Ende hat.

Schlussfrage: Mit einer gleichermaßen brutalen wie gefährlichen Beinschere senste Paulo Otavio den Hoffenheimer Munas Dabbur um. Ihre Meinung zu diesem üblen Foul?

Erst einmal bin ich froh, dass Dabbur nicht schwer verletzt worden ist. Für Paulo Otavio tut es mir leid, er war super drauf, hat sich einen Platz in der Elf erworben und muss jetzt seine Sperre absitzen. Er wollte mit dieser Aktion retten, was nicht mehr zu retten war. So etwas kann nun mal im Spiel passieren. Er selbst ärgert sich am meisten über diese unbedachte Aktion.

(Auch interessant: Verfolgt das Spiel des SV Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg im Liveticker der DeichStube. Das ist die mögliche Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg - und so seht Ihr das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg live im TV und im Live-Stream.)

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