Nach 1:2 am 10. Spieltag

Bissig, aber harmlos: Abwärtstrend geht trotz Viererkette weiter - Taktik-Analyse zur Werder-Pleite gegen Stuttgart

Josh Sargent von Werder Bremen liegt im Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart am Boden. Er stützt sich mit den Händen auf und schaut hoch
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Die Offensive des SV Werder Bremen um Mittelstürmer Josh Sargent bleibt harmlos. Warum das gegen den VfB Stuttgart so war, erklärt Taktik-Experte Tobias Escher.

Der Abwärtstrend des SV Werder Bremen setzt sich fort. Dabei hatten die Bremer bei der 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart gut ins Spiel gefunden. Nach dem Stuttgarter Führungstreffer zeigte sich jedoch: Das Ballbesitzspiel bleibt die große Schwachstelle bei Werder. Die Taktik-Analyse von Tobias Escher.

Kein Spektakel mehr! So lautete die Botschaft von Trainer Florian Kohfeldt nach der 3:5-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg. Gegen den VfB Stuttgart sollte Werder Bremen wieder mit defensiver Stabilität überzeugen. Das bedeutete jedoch nicht, dass sich die Bremer an den eigenen Strafraum zurückzogen. Das Motto lautete: Defensive beginnt in der gegnerischen Hälfte!

Florian Kohfeldt änderte die taktische Formation im Vergleich zur Niederlage in Wolfsburg. Die Bremer begannen nicht mehr mit fünf Verteidigern, sondern mit einer Viererkette in einer 4-2-3-1-Formation. Yuya Osako kam auf seiner Paradeposition zum Einsatz als Zehner hinter Stoßstürmer Joshua Sargent.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen VfB Stuttgart: Viererkette plus hohe Außenstürmer

Im Vordergrund standen aber zunächst die Außenspieler von Werder Bremen. Diese hatten eine gewichtige Rolle in Kohfeldts Defensivplan: Um Stuttgarts Dreierkette unter Druck setzen zu können, mussten die Außenstürmer immer wieder vorrücken. Vor allem nach Stuttgarter Rückpässen attackierten die Bremer Außenstürmer ihre Gegenspieler. Zusammen mit Josh Sargent sollten die Außenstürmer eine Gleichzahl-Situation herstellen gegen Stuttgarts Dreierkette.

Dieses aggressive Pressing funktionierte, da auch die Akteure dahinter aktiv nach vorne verteidigten: Maximilian Eggestein sowie Linksverteidiger Ludwig Augustinsson rückten immer wieder heraus, um die gegnerischen Außenverteidiger zu attackieren.

Damit trugen sie den unterschiedlichen Rollen der Stuttgarter Außenverteidiger Rechnung: Rechtsverteidiger Silas Wamangituka agierte äußerst offensiv, konnte also vom Bremer Linksverteidiger Augustinsson aufgenommen werden. Borna Sosa hielt sich als Linksverteidiger eher zurück; ihn attackierte Eggestein, damit Rechtsverteidiger Gebre Selassie nicht zu weit aus der Abwehr nach vorne rücken musste.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen VfB Stuttgart: Pressing trägt Früchte – auf beiden Seiten

Das Ganze klingt komplizierter, als es war. Werder Bremen gelang es in der Anfangsviertelstunde schlicht, stets Druck auf den Gegner auszuüben. Nur selten zogen sie sich in ein passives 4-2-3-1 zurück, spätestens beim zweiten Querpass gingen sie auf den ballführenden Stuttgarter drauf. Diese mussten häufiger den langen Ball wählen, als ihnen lieb war.

Doch auch der VfB Stuttgart verteidigte mutig nach vorne. Ihr Pressing war etwas weniger systematisch, dafür aber noch eine Spur flexibler. Gonzalo Castro rückte immer wieder aus dem Mittelfeld heraus, sobald Eggestein oder Christian Groß sich fallen lassen wollten. So konnte Werder gerade über das Zentrum keinen Raumgewinn erzielen.

Die Grafik zeigt, wie die Spieler des SV Werder Bremen den VfB Stuttgart unter Druck zu setzten versuchten.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen VfB Stuttgart: Probleme im Ballbesitzspiel und keine zündende Idee

Schwierigkeiten bekam Werder Bremen erst, nachdem Stuttgart per Strafstoß in Führung gegangen war (30.). Der VfB konnte sich mit der Führung im Rücken etwas weiter zurückziehen. Gerade nach der Pause verteidigten sie nicht mehr ganz so hoch. Häufig lauerten sie kurz hinter dem Mittelkreis in einer 5-2-3-artigen Formation.

Werders Manko an diesem Nachmittag war ein altbekanntes: Es fehlte die zündende Idee, wie die Defensivformation des Gegners geknackt werden könnte. Dadurch dass Bremen mit einer Viererkette agierte, konnten die Außenverteidiger nicht so weit vorrücken wie gewohnt. Die Flügel verwaisten, während Stuttgart das Spiel durch das Zentrum verhinderte. Raumgewinn war nur über lange Bälle möglich – und für die gab es vorne keinen Abnehmer.

Florian Kohfeldt versuchte in der zweiten Halbzeit, mit taktischen Wechseln das Offensivspiel zu verbessern. Mit Nick Woltemade (60., für Bittencourt) und Davie Selke (60., für Sargent) kamen zwei groß gewachsene Spieler als Abnehmer für lange Bälle. Woltemade begann auf Rechtsaußen, bildete aber nach der Einwechslung von Romano Schmid (80., für Osako) mit Selke einen Doppelsturm in einem 4-4-2.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen VfB Stuttgart: Defensiv stabiler, aber aus dem Spiel heraus ungefährlich

Es half wenig: Werder Bremen blieb weiterhin harmlos aus dem Spiel. Es mangelte an verwertbaren Hereingaben für die Sturmer. Bremens Außenverteidiger schoben sich weiterhin nicht konsequent bis an die Abseitslinie nach vorne. So kamen die Bremer selten in die Position, Flanken zu schlagen. Die einzige Situation dieser Art gab es in der 93. Minute – und sie führte direkt zum Tor.

Leider zu spät. Der VfB Stuttgart ließ gegen die weit aufgerückten Bremer bereits zuvor einige gefährliche Kontersituationen liegen – und das, obwohl Trainer Pellegrino Matarazzo extra Wamangituka in den Sturm beordert hatte. Kurz vor Schluss servierten Ömer Toprak und Jiri Pavlenka ihm einen Konter, den er nicht verschenken konnte (91.).

Das Fazit fällt aus Bremer Sicht nicht großartig anders aus als in den Vorwochen. Ja, im Vergleich zum Wolfsburg-Spiel standen die Grün-Weißen defensiv stabiler. Das starke Pressing in der ersten halben Stunde kann aber nicht über die große Schwäche dieses Teams hinwegtäuschen: Aus dem Spiel heraus haben nur der FC Schalke 04 (zwei) und Arminia Bielefeld (fünf) weniger Tore erzielt als Werder Bremen (sechs). Das zeigt, mit welchen Teams Werder sich vergleichen muss - und in welche Tabellenregionen sie in den kommenden Wochen schielen werden.

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