„Ich kann mir das vorstellen“ / Die Mutter des Dänen macht es möglich

Vestergaard würde auch für Deutschland spielen

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Werder-Profi Vestergaard kann sich vorstellen, für das DFB-Team zu spielen.

Bremen - Von Björn Knips. Einen Bremer wurmt die Länderspielpause ganz besonders: Jannik Vestergaard. Der Werder-Profi wäre gerade so gerne bei der Nationalmannschaft, doch Dänemarks Coach Morten Olsen hat ihn nicht für die EM-Qualifikation nominiert. Vestergaard reagierte erst frustriert („Ich weiß nicht, was ich noch mehr tun kann“), nun liebäugelt er sogar mit einem Nationenwechsel. Möglich macht diesen seine Mutter, sie ist Deutsche. Spielt Vestergaard also bald für den Weltmeister?

„Es war immer mein Kindheitstraum, für Dänemark zu spielen“, betont Vestergaard, fügt aber auch an: „Ich weiß von der Möglichkeit, für Deutschland spielen zu können. Und ich kann mir das auch vorstellen.“ Wenn das keine Bewerbung ist – und der 23-Jährige dürfte dabei durchaus Gehör finden. Denn schon vor zwei Jahren bemühte sich der DFB um den Dänen mit deutschen Wurzeln. U 21-Coach Horst Hrubesch hatte aber keinen Erfolg beim Nachwuchsspieler. Vestergaard spielte weiter für den Nachbarn. Und er schaffte es in die A-Nationalmannschaft. 2013, 2014 und 2015 kam er jeweils ein Mal zum Einsatz, allerdings nur in Freundschaftsspielen. Deshalb darf er immer noch wechseln und den Adler auf der Brust tragen.

„Das ist seine persönliche Sache, das muss er selbst wissen“, sagt Werder-Sportchef Thomas Eichin, betont aber zugleich: „Die Qualität für die deutsche Nationalmannschaft hat er sicherlich.“ Bester Beweis sei die letzte Bundesliga-Partie am Sonntag gegen Mönchengladbach gewesen. Vestergaard hatte überragend verteidigt, viele gute Diagonalbälle geschlagen und auch noch den 2:1-Siegtreffer geköpft. „Er hat den Innenverteidiger so gespielt, wie es besser nicht geht“, urteilte anschließend Eichin. Auch den Ex-Profi verwundert es, dass Vestergaard nicht zur dänischen Nationalmannschaft eingeladen wird: „Er ist bei der U 21-EM im Sommer der Kapitän gewesen, er spielt seit einem halben Jahr in der Bundesliga auf konstant hohem Niveau – ist doch klar, dass der Junge einen Anruf erwartet.“

Doch Eichin weiß auch, „dass nicht immer die Besten in der Nationalmannschaft spielen, es muss auch passen“. Deshalb will er Olsen nicht reinreden. Eichin hätte allerdings nichts dagegen, wenn Vestergaard für Deutschland spielt. Denn Werder würde ein deutscher Nationalspieler mal wieder gut zu Gesicht stehen. Aber hat Vestergaard beim Weltmeister überhaupt eine Chance? Die Konkurrenz ist namhaft. Jerome Boateng und Mats Hummels sind die Stammkräfte im Abwehrzentrum. Als erste Ersatzkandidaten gelten Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi und Matthias Ginter. Und nicht zu vergessen ist Holger Badstuber, der sich nach schwerer Verletzung zurückkämpft.

"Danish Dynamite" in Werders Abwehr

Einfach würde es für Vestergaard sicher nicht. Es kommt darauf an, was Joachim Löw denkt. Der Bundesrainer hat lange einem ähnlichen Spielertypen vertraut: Per Mertesacker. Zufälligerweise ein Ex-Bremer. In Dänemark ist die Konkurrenz ebenfalls groß. „Seit ich hier Trainer bin, hatten wir noch nie so viele Innenverteidiger mit internationaler Qualität“, sagte zuletzt Olsen. Der 66-Jährige (seit 2000 Dänen-Coach) vertraut vor allem auf die routinierteren Daniel Agger (30/Bröndby Kopenhagen) und Simon Kjaer (26/Fenerbahce Istanbul). Aber er machte Vestergaard auch Mut: „Er hat seine Einsätze gehabt und wird noch weitere Länderspiele bekommen.“

So lange sollte Olsen damit aber nicht warten, sonst hat sich Vestergaard womöglich schon für Deutschland entschieden. Er ist zwar in Dänemark geboren und aufgewachsen, aber er spielt schon seit fünf Jahren in Deutschland (erst Hoffenheim, jetzt Werder) – und beherrscht die Sprache bestens.

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