Skripnik lobt die Moral – Eichin fragt sich, wieso es nicht auch leichter geht

Ein Versprechen, eine Vision

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Den Ball im Blick, den Gegner im Rücken: Clemens Fritz (li.) behauptet sich im Duell mit Hannovers Lars Stindl.

Bremen - Der Spruch „Wir gucken nur aufs nächste Spiel“ zählt nicht mehr. Denn Viktor Skripnik guckt sogar schon auf die nächste Saison. Als der Trainer von Werder Bremen nach dem 1:1 (0:1) bei Hannover 96 das Spiel reflektierte, kam er zu Erkenntnissen, die ihn zu einem erstaunlichen Versprechen für die Zukunft verleitete. „Mit dieser Truppe steige ich auch nächste Saison nicht ab – zu 100 Prozent“, sagte Skripnik. Dass er das ausgerechnet nach einer der schwächsten Leistungen unter seiner Leitung erklärte, mag verwundern. Aber der 45-Jährige nannte gute Gründe.

Es geht ihm um den „Charakter“ seiner Spieler, die eben diesen immer dann beweisen, wenn es kritisch wird. Das hat sich im Großen im Winter gezeigt, als sich Werder aus der Abstiegszone befreite, obwohl nur wenige noch an die Mannschaft geglaubt hatten. Und es zeigt sich im Kleinen in Spielen wie dem in Hannover. Hier der Gegner, der „jeden Zweikampf so führt, als wäre es der letzte“ (Skripnik). Dort die eigene Truppe, die in dieser Saison schon einen großen Kraftakt hinter sich hat, mental müde ist udn trotzdem Moral beweist: „Es war kein optimaler Auftritt von uns. Aber wir punkten wieder. Das ist eine Stärke. Dazu gratuliere ich.“ Es ist die legitime Sichtweise des Trainers.

Geschäftsführer Thomas Eichin betrachtet die Medaille allerdings von der anderen Seite und stellt die Charakterfrage ganz anders. Zwar sieht auch er „das Plus, dass wir immer wieder Mittel und Wege finden, Punkte zu holen“. Aber aktuell zeigt sich, dass die Mannschaft ohne den Druck des Abstiegskampfes nicht mehr die Leistungen abruft, die sie abrufen könnte. In Hannover führte das zu einer „enorm schlechten, zu einer unterirdischen“ (Eichin) ersten Halbzeit. Nicht mehr mit dem Rücken zur Wand zu stehen und trotzdem gut zu spielen, sei „ein Lernprozess. Das ist eine neue Siuation für uns alle. Damit müssen wir erstmal umgehen. Es ist interessant, zu beobachten, wie sich die Spieler dabei geben. Das sind wichtige Erkenntnisse“, so Eichin.

Werder mit 1:1 in Hannover: die Noten

Zlatko Junuzovic, der die 96-Führung durch Lars Stindl (21.) egalisiert hatte, warb allerdings mit der gleichen Vehemenz um Verständnis für die schwache erste Hälfte, mit der er vorher einen Freistoß im gegnerischen Tor versenkt hatte (78.). Der Marsch vom Tabellenende bis in die Grenzgebiete der Europa League „hat uns überstrapaziert“, erklärte er und ließ Kritik an den nur fünf von zwölf möglichen Punkten gegen die Kellerkinder Stuttgart (2:3), HSV (1:0), Paderborn (2:2) und nun Hannover nicht zu: „Wir kommen aus der Hölle, standen in der Winterpause noch auf einem Abstiegsplatz. Dann haben wir in der Rückrunde 26 Punkte geholt. Das muss man auch mal anerkennen. Und ich finde, wir dürfen das auch mal genießen.“

Werder ist durch den Erfolg allerdings in die Rolle eines Europa-League-Aspiranten hineingerutscht und darf sich nicht dem Genuss hingeben, sondern muss weiter um die unverhoffte Chance kämpfen. Die ist zwei Spieltage vor Saisonschluss immer noch gegeben – wenngleich es das Restprogramm in sich hat. In Borussia Mönchengladbach kommt am Samstag das beste Team der Rückrunde ins Weserstadion. Zum Abschluss muss Werder beim wiedererstarkten DFB-Pokal-Finalisten Borussia Dortmund ran. Schwere Brocken, keine Frage. Doch Werder freut sich fast, dass nicht noch weitere Abstiegskandidaten auf der Agenda stehen. Junuzovic: „Wir sind in beiden Spielen nicht der Favorit – das ist besser für uns.“ Eichin betätigt sich ebenfalls als Mutmacher und Visionär für den Endspurt. „Wir können diese Spiele gewinnen.“ Warum? „Weil wir ein bisschen unberechenbar sind.“

Werder mit 1:1-Remis in Hannover

csa

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