Blitzstart und später Last-Minute-Ausgleich

2:2 - Werder verschenkt gegen Mainz den Sieg

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Dürften sich gewaltig ärgern: Thomas Delaney und Maximilian Eggestein.

Bremen - Der Sieg war eigentlich schon eingefahren, die letzten Sekunden liefen, da wurde Werder Bremen an einem Tag mit zwei Hiosbotschaften aber noch des Happy Ends beraubt.

Fabian Frei traf mit der letzten Aktion des Spiels zum 2:2 für Mainz 05. Werder hatte einen enorm wichtigen Sieg einfach weggeschenkt und überwintert nun statt auf Platz 14 doch auf dem Relegationsrang. Philipp Bargfrede (2.) und Ishak Belfodil (17.) hatten Werder mit einem Blitzstart 2:0 in Führung gebracht, Robin Quaison (70.) und eben Frei (90.+3) sorgten noch für das Remis.

Der Spieltag hatte für Werder ähnlich schlecht begonnen wie er schließlich endete. Wenige Stunden vor dem Anpfiff sickerte durch, dass Torjäger Max Kruse und Kapitän Zlatko Junuzovic ausfallen würden. Erst war es nur ein Gerücht, dann bestätigte der Club Adduktorenprobleme bei Kruse und wieder verschlimmerte Wadenprobleme bei Junuzovic.

Kruse hofft, gegen Freiburg dabei zu sein

Eine rechtzeitige Rückkehr des Duos vor dem DFB-Pokalspiel am Mittwoch gegen den SC Freiburg (18.30 Uhr, Weserstadion) wünscht sich Trainer Florian Kohfeldt zwar, garantieren kann er es jedoch nicht: „Die Chance besteht, die Hoffnung ist da. Wir müssen aber abwarten.“ Wenn das Mainz-Spiel ein Finale gewesen wäre, hätte Kohfeldt eventuell sogar beide gebracht, so ließ er sie aber draußen, um nichts für die schon am 13. Januar beginnende Rückrunde zu riskieren. Kruse versprach via Facebook „alles zu tun, um gegen Freiburg wieder dabei zu sein“.

Dass der kurzfristige Doppel-Ausfall – gepaart mit dem Fehlen von Fin Bartels (Achillessehnenriss) – keine guten Gefühle bei den Werder-Fans unter den 38.200 Besuchern im Weserstadion auslöste, war klar. Die Stimmung bewegte sich teils sogar in Richtung Fatalismus, doch es dauerte nach dem Anpfiff nur eine Minute und 18 Sekunden, bis sich das gründlich änderte. Philipp Bargfrede erlöste alle von der Angst, dass Werder ohne Kruse und Bartels niemals ein Tor schießen würde. Nach Balleroberung von Thomas Delaney zog Bargfrede Richtung Mainzer Tor, wurde überhaupt nicht angegriffen und traf aus 20 Metern mit einem platzierten Flachschuss. Was für ein Auftakt nach den Hiobsbotschaften vor dem Anpfiff!

Philipp Bargfrede brachte Werder in der zweiten Minute in Führung.

Das Blitztor war auch die Initialzündung für eine äußerst unterhaltsame erste Halbzeit. Oder anders gesagt: Abstiegskampf mutierte zur Fußball-Show. Dazu gehörten ein Lattentreffer des Ex-Bremers Levin Öztunali (5.) und ein gefährlicher Distanzschuss des aktuellen Bremers Florian Kainz (6.).

Kainz spielte für Bartels, und als Ersatz für Kruse lief Ishak Belfodil in der Sturmspitze auf. Erstmals stand der Algerier in der Amtszeit von Florian Kohfeldt in der ersten Elf – und er bedankte sich für das Vertrauen mit einem Tor, das alles bestätigte, was der Coach zuvor über ihn gesagt hatte. Körperliche Präsenz, Kopfballstärke, eine Waffe im Strafraum – stimmt, stimmt, stimmt. Denn Belfodil setzte sich im Luftkampf gegen Leon Balogun (auch ein ehemaliger Bremer) durch und versenkte den Ball per Kopfball-Bogenlampe im langen Eck (17.). Es war Belfodils erster Treffer in der Bundesliga, und er feierte ihn mit einem Jubellauf in die Arme von Reservist Lamine Sane und von Co-Trainer Tim Borowski.

Mainz gab sich nicht geschlagen

Mit einem 2:0-Zwischenstand nach nicht mal einem Viertel der Partie hatte gewiss niemand gerechnet. Wenn die Bremer mehr Kapital aus ihrem starken Gegenpressing geschlagen hätten, wäre Mainz binnen weniger Minuten gnadenlos untergegangen. Doch Kainz (21.), Maximilian Eggestein (26.) und wieder Kainz (32.) vergaben beste Möglichkeiten. Auf der anderen Seite verhinderte Schlussmann Jiri Pavlenka in der Manier eines Eishockey-Keepers gegen Pablo De Blasis den Anschlusstreffer (34.).

Die Mainzer, die ebenfalls stark ersatzgeschwächt in die Partie gegangen waren, brachten nach der Pause Stürmer Emil Berggreen für Verteidiger Leon Balogun – es war ein klares Signal, dass sich der FSV noch lange nicht geschlagen geben wollte.

Werder eiskalt bestraft

Den ganz großen Druck entwickelten die Gäste aber nicht. Werder war Herr der Lage und hatte die nächste Chance, auf 3:0 zu erhöhen. Eggestein konnte mit seinem Freiraum allerdings nichts anfangen und verzettelte sich vor dem Mainzer Tor (54.). Es wäre verzeihbar gewesen, wenn Werder sich anschließend nicht darauf beschränkt hätte, das Ergebnis zu verwalten. Die Bremer taten von Minute zu Minute weniger – und wurden bestraft.

Der eingewechselte Robin Quaison wurschtelte sich irgendwie an Niklas Moisander vorbei und traf zum 2:1 (70.). Robert Bauer, der statt des ins Mittelfeld aufgerückten Theo Gebre Selassie rechts in der Viererkette verteidigte, stand daneben, griff aber nicht ein. Werder zitterte, und Werder patzte. Frei stand in der Schlussminute im Strafraum völlig frei und knallte den Ball zum Ausgleich unter die Latte.

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Quelle: DeichStube

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