Foul oder kein Foul? Für Werder die zentrale Frage

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Alles Ackern brachte am Ende nichts ein: Marko Arnautovic (rechts, hier gegen Christian Fuchs) musste gestern gegen Schalke eine unglückliche Niederlage hinnehmen. Foto: nph

Gelsenkirchen - von Carsten Sander. Mitten in die heillose Aufregung um Klaus Allofs hat Werder Bremen gestern eine Stunde lang an einer sportlichen Überraschung geschnuppert. Beim Bundesliga-Zweiten Schalke 04 führten die Gäste durch ein Tor von Aaron Hunt (16.) lange mit 1:0. Am Ende stand aber ein 1:2 und damit die nächste Niederlage gegen ein Spitzenteam der Liga.

Roman Neustädter (60.) und der eingewechselte Julian Draxler drehten mit ihren Toren die Partie zu Gunsten des FC Schalke, der damit erster Verfolger von Spitzenreiter Bayern München bleibt.

Werder fiel von Platz sieben auf Rang acht zurück und könnte heute noch weiter nach unten gereicht werden. Das allein ist Grund genug, sich zu grämen. Schlimmer wird es aber dadurch, dass die Niederlage einmal mehr auf eigenen, unnötigen Fehlern fußte. „Wir haben zweimal nicht aufgepasst und wurden bitter bestraft“, sagte Spielführer Hunt.

Mit seinem sechsten Saisontor hatte er früh die Hoffnung genährt, dass Werder nach zuvor drei Spielen in Folge ohne Niederlage nun auch Big Points bei einem Großen einfahren würde. Werder hatte zwar Glück, dass Klaas-Jan Huntelaar nicht schon nach 36 Sekunden getroffen hatte, doch in der Folge lieferten die Bremer die beste Auswärtsleistung der Saison ab. Marko Arnautovic hatte die erste Chance, Hunt dann die zweite – und die saß. Mit einem platzierten Flachschuss aus halblinker Position überwand er S04-Keeper Lars Unnerstall. Nils Petersen hätte wenig später sogar erhöhen können (18.), und ein Kopfball von Sokratis streichelte genauso die Latte (30.) wie ein raffiniert gedrehter Eckball von Kevin De Bruyne (32.). Schalke hatte lediglich eine Halb-Chance durch Huntelaar zu bieten (43.).

Schalke04 - Werder Bremen - die Bilder vom Spiel

Werder Bremen unterliegt Schalke 2:1

Die erste Halbzeit ging damit klar an defensiv sehr disziplinierte Gäste. Vermutlich hätten sich Engagement und Leidenschaft am Ende auch in Punkten ausgezahlt, wenn Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) in der 52. Minute nicht auf Foul von De Bruyne gegen Schalkes Verteidiger Kyriakos Papadopoulos entschieden hätte. De Bruyne wäre durch gewesen, hätte frei vor Unnerstall gestanden. „Und er hätte ihn reingemacht. Dann wäre es 2:0 gewesen – Feierabend. Dann kommt Schalke nicht mehr zurück“, zürnte der offenbar abwanderungswillige Allofs. Diese Szene sei ohne Frage „ein Knackpunkt“ der Partie gewesen.

Aber es gab noch einen zweiten. Und wieder war Referee Meyer beteiligt – diesmal jedoch nur als einer von zwei Hauptdarstellern. Der andere war Marko Arnautovic. Nach einer Balleroberung am eigenen Strafraum schob er sich erst mit Hunt den Ball hin und her und klärte dann nicht konsequent. Oder anders gesagt: Arnautovic vertändelte gegen Jermaine Jones, der Schalker fiel – und Meyer darauf herein. Freistoß für Schalke, und die Hereingabe landete auf dem Kopf von Neustädter, der aus sieben Metern unbedrängt (der Ex-Schalker Lukas Schmitz hatte ihn ziehen lassen) einköpfte.

Die Quelle des Gegentores war freilich Arnautovics Ballverlust. „Dann schreibt halt, dass es meine Schuld war“, schnaubte er – wütend, dass auf ihm abgeladen wurde, was ihm nicht gehörte. Denn, so Arnautovic: „Es war kein Foul, ich habe ihn nicht berührt. Aber vielleicht habe ich ja Kortison im Körper und deshalb nichts gemerkt.“

Allofs sprang Arnautovic zur Seite, sprach von der zweiten entscheidenden Szene, in der Meyer „nicht richtig entschieden“ habe.

Trotzdem wäre immer noch wenigstens ein Punkt möglich gewesen. Doch den warf Werder einfach weg. Nach eigenem Eckball kassierten die Bremer einen Konter, den Draxler vollendete. Wieder geißelte sich das zuvor sehr gut funktionierende Kollektiv als „naiv“ (Hunt) und „dumm“ (Petersen). „Da kriege ich lieber eine 0:5-Packung, als so zu verlieren“, meinte der Stürmer. Denn es wurde in der Schlussphase noch dramatisch. Erst übersah Arnautovic den perfekt in Position gelaufenen Petersen (86.), dann wurde ein Volleyschuss von Theodor Gebre Selassie von Lewis Holtby auf der Linie geklärt (90.+3) – Abpfiff, aus. Fazit Allofs: „Unsere Leistung war gut. Aber wir machen immer noch zu viele Fehler – und diese Fehler machen den Unterschied aus. Da kann man verrückt werden.“

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