Werder verliert Spiel und di Santo

0:3 - Ein Armutszeugnis

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Bremen - Enttäuscht war nicht die Vokabel, die Thomas Eichin zur Beschreibung seines Gemütszustandes als ausreichend erachtete. „Angefressen“ sei treffender, meinte der Sportchef des SV Werder Bremen nach einer Partie, die ernüchternd, alarmierend und entlarvend zugleich war. Mit 0:3 (0:2) hatten die Bremer vor 40 060 Zuschauern im Weserstadion gegen Eintracht Frankfurt verloren.

Dabei büßten sie Neuzugang Franco Di Santo früh wegen einer Roten Karte ein (26.) und bewiesen, dass sie nach fünf Punktspielen unter Trainer Robin Dutt leistungsmäßig ziemlich genau dort wieder angekommen sind, wo sie unter dessen Vorgänger Thomas Schaaf den Großteil der Rückrunde der Vorsaison verbracht hatten. Fortschritte oder Verbesserungen in der neuen Saison? Fehlanzeige. Die Pleite gestern war das Ende einer durch die zwei Auftaktsiege entstandenen Illusion. Mittlerweile muss allen klar sein, wohin Werder steuert: Abwärts. Der Kampf um den Klassenerhalt ist eine Woche vor dem Derby beim Hamburger SV keine Bedrohung mehr, er ist schon Realität. „Es hat aber auch niemand erwartet, dass wir und oben in der Tabelle aufhalten würden, oder?“, meinte Eichin.

Nach drei Niederlagen in Folge und zuletzt sieben Gegentoren in zwei Spielen ist klar, dass Werder anno 2013 über ein kaum konkurrenzfähiges Team verfügt. Jedenfalls dann nicht, wenn Spiele so geführt werden wie das gestern. „Mutlos“ nannte Eichin das Auftreten der Mannschaft in den ersten 25 Minuten. Und Trainer Dutt wollte „nicht über Entwicklungen“ dozieren, die möglicherweise mal irgendwann einsetzen, sondern darüber „wie wir so ein Spiel angehen. Ich bin weit davon entfernt, über kleine Lichtblicke zu sprechen, weil ich zu verärgert über den Beginn bin.“

Die Werder-Profis hatten die Nacht vor der Partie erstmals daheim und nicht gemeinsam im Hotel verbracht. Ob es daran lag, dass sie eine katastrophal schlechte Anfangsphase ablieferten? Die Eintracht hatte leichtes Spiel, bot Kombinationen, Tempo, Finesse – kurz: all das, was Werder völlig abgeht. Die logische Folge war die frühe Führung der Gäste durch Vaclav Kadlec (14.). Schon nach 20 Minuten gellten die ersten Pfiffe Bremer Fans durch die Arena, weil Werder überhaupt nichts zustande bekam. Doch dann ein kleiner Hoffnungsschimmer. Franco Di Santo traf nach einem Eckball per Kopf den Pfosten (23.). Fast wäre es für den argentinischen Neuzugang ein Traumeinstand im neuen Zuhause geworden. Doch nur drei Minuten später sorgte er selbst dafür, dass das erste Heimspiel und der erste Startelf-Einsatz komplett in die Hose gingen. Nach einem rüden Einsatz gegen Bastian Oczipka sah Di Santo völlig zu Recht „Rot“. In etwa zwei Metern Höhe hatte sein Fuß den Frankfurter im Gesicht getroffen. Oczipka ging blutend zu Boden, Di Santo blieb nur die Entschuldigung: „Es war keine Absicht, ich habe ihn nicht gesehen.“ Um eine Sperre von zwei, möglicherweise auch drei Spielen wird er trotzdem nicht herumkommen.

Werder verliert gegen Frankfurt 0:3

Dutt nannte den Platzverweis anschließend „eine Randgeschichte“ der Partie und machte die Unterzahl nicht für die Niederlage verantwortlich. Was auch unklug gewesen wäre, denn mit nur zehn Mann spielte Werder besser als zuvor in Vollbesetzung. Was aber auch daran lag, dass Frankfurt nach dem 2:0 durch Kadlec – von Werders Innenverteidigung sträflich allein gelassen – deutlich zurückschaltete. „Wir haben“, kritisierte der grundsätzlich zufriedene Eintracht-Coach Armin Veh, „die Überzahl zu pomadig genutzt“. So kam Werder in der Folge zu mehr Torschüssen und Chancen, als in den vier Partien zuvor. Mit zwei im negativen Sinne herausragenden Aktionen: Erst schaffte Eljero Elia das Kunststück, den Ball aus zwei Metern am Tor vorbei zu grätschen (44.), dann scheiterte Aaron Hunt mit einem an ihm selbst verwirkten, aber unglaublich schwach geschossenen Elfmeter an Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp (58.).

Die Grätsche, der Strafstoß – das waren die Szenen, in denen Werder hätte verkürzen können. Und an anderen Tagen werden Chancen dieser Qualität gerne dazu missbraucht, auf eine verpasste Wende und auf all das, was noch möglich gewesen wäre, wenn der Ball nur einmal reingegangen wäre, zu verweisen. Nicht so gestern. Die Bremer trauten sich nicht. Zu klar war die Unterlegenheit, zu deutlich erkennbar das eigene Unvermögen. „Es war ein schwarzer Tag“, sagte Fehlschütze Hunt und gab zu: „Nach so einem Spiel ist man ratlos.“ Für Verteidiger Sebastian Prödl war es ein „Spiel zum Vergessen“ – dem er mit seinem Eigentor zum 0:3 (77.) die letzte Blüte des Versagens ansteckte.

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