Helmes zerstört die Bremer Hoffnungen

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Des Einen Freud, des Anderen Leid: Hasan Salihamidzic bejubelt seinen Führungstreffer, tim Wiese ist bedient.

Wolfsburg - Der Zerfall bei Werder Bremen geht weiter. Der Tag gestern lieferte gleich zwei Beweise dafür. Erst verkündete der Fußball-Bundesligist den überraschenden Wechsel von Ex-Nationalspieler Marko Marin zum FC Chelsea  dann erlebte das Team von Trainer Thomas Schaaf die nächste sportliche Pleite.

 Nach einer in der zweiten Halbzeit indiskutablen Leistung verlor Werder beim VfL Wolfsburg mit 1:3 (1:1) und büßte damit alle ernsthaften Aussichten auf das Erreichen der Europa League ein. Die Chance auf Platz sieben ist zwar auch am letzten Spieltag (Werder empfängt Schalke 04) noch gegeben, aber sie ist allenfalls theoretischer Natur. Die Bremer müssen auf Patzer von Hannover 96 (daheim gegen Absteiger Kaiserslautern) und dem VfL Wolfsburg (beim VfB Stuttgart) hoffen.

Und natürlich selbst gewinnen. Doch das ist wohl das größte aller Probleme. Denn Werder gewinnt überhaupt nicht mehr – seit acht Spielen gab es schon kein Erfolgserlebnis mehr, die Rückrunden-Ausbeute stagniert nach der dritten Niederlage in Folge bei 13 Zählern aus 16 Partien. „Wer so wenig Punkte holt“, stellte Mittelfeldspieler Aaron Hunt deshalb fest, „hat es auch nicht besser verdient.“

Die Bilder vom Spiel

Werder verliert in Wolfsburg

Kein Widerspruch. Werder ist im Jahr 2012 zu schlecht für Europa. Gestern stellten die Wolfsburger den Bremern das nächste miserable Zeugnis aus, indem sie den Gegner mehrfach auskonterten. Immer nach Standardsituationen der Gäste und zweimal erfolgreich. Nachdem Hasan Salihamidzic (40.) und Markus Rosenberg (45.+1) mit ihren Toren für den Pausenstand gesorgt hatten, nutzte Patrick Helmes das schockierend sorglose Verhalten des Gegners mit den Treffern zum 2:1 (66./nach Bremer Freistoß am Wolfsburger Strafraum) und 3:1 (89./nach Bremer Eckball). Urteil Hunt: „Das ist naiv, richtig amateurhaft.“

Werder-Keeper Tim Wiese, der mit starken Paraden noch Schlimmeres verhindert hatte, war bei den Gegentoren jeweils chancenlos und schäumte anschließend vor Wut. Denn in seinem letzten Auswärtsspiel im Werder-Trikot musste er erleben, was ihn sieben Jahre lang genervt hat. „Gefühlte 200 Mal sind in der Zeit Stürmer allein auf mich zugelaufen. Das ist einfach nur dumm von uns“, schimpfte der 30-Jährige, der Bremen verlassen wird.

Schon wenige Sekunden nach Anpfiff stand Wiese das erste Mal im Brennpunkt. Nach einem Katastrophenpass von Lukas Schmitz tauchte Mario Mandzukic frei vor Wiese auf. Der Bremer blieb Sieger und sah in der Folge eine engagierte, ja, eine überlegene Bremer Mannschaft. Doch der erneut jämmerlich schwache Claudio Pizarro (6.) und der emsige Markus Rosenberg (10.) scheiterten jeweils frei vor VfL-Keeper Diego Benaglio (Vertrag bis 2017 verlängert).

Werder blieb das bessere Team, verzeichnete 65 Prozent Ballbesitz – als plötzlich Salihamidzic zuschlug. Helmes hatte die Vorlage gegeben, stand dabei aber um Zentimeter im Abseits. Ein irregulärer Treffer also, den Rosenberg mit seinem Kopfball nach Freistoß Junuzovic und Vorlage Trybull jedoch egalisierte.

Dann ging es in die Pause, und in der Bremer Kabine wurde viel über die Absicherung bei eigenen Standardsituationen gesprochen. Zugehört wurde aber nicht. 4 000 Werder-Fans in der mit 30 000 Besuchern ausverkauften VW-Arena litten Qualen, als Helmes zunächst per Konter das 2:1 erzielte und wenig später die Leverkusener Führung gegen Hannover 96 über die Videowand flimmerte. Der Sprung auf Platz sieben wäre folglich für Werder möglich gewesen. Doch statt sich aufzubäumen, herrschte auf dem Platz das Chaos, zeigte die Bremer Mannschaft klare Auflösungserscheinungen.

Das passt zum übergeordneten Geschehen bei Werder.Nach Wiese geht auch Marin, zudem droht der Verlust von Pizarro, auch Sebastian Prödl hat noch nicht unterschrieben. Markus Rosenberg hat von Werder bisher kein schriftliches Angebot vorliegen, Sebastian Boenisch ebenfalls nicht. Hinter dem Namen Sokratis steht hingegen kein Fragezeichen, beteuert Allofs: Die Bild-Zeitung hatte berichtet, Juventus Turin sei an dem griechischen Innenverteidiger interessiert. Doch Allofs unterstrich: „Das stimmt nicht. Es gibt keine Gespräche, und Sokratis steht auch nicht zum Verkauf.“ Der 23-Jährige ist als Eckpfeiler im Umbruch fest eingeplant.

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