Bittere 1:3-Pleite auf Schalke nach Führung

Werder zerstört sich selbst

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Der Anfang vom Ende: Kevin-Prince Boateng überspringt Lukas Schmitz und trifft zum Ausgleich.

Gelsenkirchen - Von Björn Knips. So viel Frust gab es in dieser Saison beim SV Werder noch nie: Die Bremer schnupperten gestern auf Schalke ganz lange an der Sensation – und schlugen sich dann doch selbst. „Das tut richtig weh“, seufzte Zlatko Junuzovic nach der bitteren 1:3 (1:0)-Pleite – und der erneut als Angreifer aufgebotene Österreicher hatte Mühe, sich im Zaum zu halten: „Wir haben unsere Leistung selbst zerstört. Ich habe so ein schlechtes Gefühl in mir, ich gehe jetzt lieber!“

Drei Szenen hatten den Gästen so richtig zugesetzt. Die erste in der 60. Minute: Werder führte durch eine feine Einzelleistung von Felix Kroos (22., erstes Bundesliga-Tor für den 22-Jährigen) mit 1:0, als Schalke-Keeper Timo Hildebrand den Bremern das 2:0 auf dem Silbertablett servierte. Doch Eljero Elia ist eben nicht Samuel Eto’o, der unter der Woche einen Hildebrand-Fehler zum 1:0 für Chelsea genutzt hatte. Anstatt allein aufs Tor zuzusteuern, zögerte Elia, rutschte aus – und machte die geschenkte Chance mit einem missglückten Hackentrick endgültig zunichte. „Das war spielentscheidend, Schalke wäre nach einem 0:2 nicht wiedergekommen“, schimpfte Junuzovic, der Hildebrand durch einen beherzten Lauf zum Abspielfehler gezwungen und anschließend vergeblich auf Elias Anspiel gewartet hatte.

Statt 2:0 hieß es dann nur fünf Minuten später 1:1 – wegen der zweiten ganz schlimmen Bremer Szene. Die Hauptrolle spielte diesmal Lukas Schmitz. Der Ex-Schalker war kurz vor der Pause für den gelb-rot-gefährdeten Santiago Garcia gekommen – und erlebte auf der linken Abwehrseite ein Fiasko. Nach einer Draxler-Hereingabe sprang Schmitz gar nicht erst hoch, so dass Kevin Prince Boateng mühelos einköpfen könnte.

Werder verliert auf Schalke 1:3

20 Minuten später fast das identische Bild und damit Horror-Szene Nummer drei: Diesmal flankte Christian Fuchs, und Boateng vollstreckte erneut per Kopf, weil Schmitz zu spät kam. „Das waren doch nur harmlose Halbfeld-Flanken, für mich völlig ungefährliche Situationen – und wir kriegen da zwei Tore“, zischte Junuzovic. Schmitz hatte die Chance, seinen Platz als linker Verteidiger nach langer Verletzungspause zurückzuerobern, gehörig verpatzt. Und er muss nun auch fürchten, keine weitere zu bekommen, obwohl Garcia beim nächsten Spiel in zwei Wochen daheim gegen Mainz 05 wegen seiner fünften Gelben Karte im erst siebten Spiel gesperrt ist.

Apropos Garcia: Der hatte sich die Verwarnung auf Schalke wegen einer Unbeherrschtheit gegen Boateng eingehandelt. Eine Dummheit, die Werder richtig weh tat. Denn speziell im Luftkampf gegen Boateng fehlte Garcia den Bremern am Ende.

Der FC Schalke hatte die Partie gedreht – und die mit 61 979 Zuschauern ausverkaufte Arena bebte, als in der Nachspielzeit auch noch Jefferson Farfan zum 3:1 traf. Sechs lange Wochen war der Peruaner ausgefallen. Nun erlebte er ein perfektes Comeback – und einen nicht unverdienten Sieg. Der Champions-League-Teilnehmer hatte viel mehr Ballbesitz (63 Prozent) und zahlreiche gute Chancen, scheiterte aber am starken Werder-Schlussmann Sebastian Mielitz oder am eigenen Unvermögen. Und eben das brachte die kämpfenden Bremer ins Geschäft. „So oft bekommst du hier nicht die Chance, etwas mitzunehmen. Aber wir belohnen uns eben nicht“, haderte Junuzovic, bevor er das Gespräch abbrach.

Schwacher Trost: Werder bleibt Tabellenachter und kann nach den Spielen heute maximal auf Rang zehn abrutschen.

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