Vor Spiel gegen 1. FC Nürnberg

Unzufriedenheit als Antrieb

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Zufriedenheit ist bei Florian Kohfeldt nicht gern gesehen: „Ein Einfach-so-weiter wird es bei mir niemals geben“, sagt der Werder-Trainer.

Bremen - Es war ein Satz wie ein Sinnspruch, mahnend, auffordernd und doch irgendwie in Optimismus getränkt. Gesagt hat ihn Florian Kohfeldt, am Freitag während der Pressekonferenz vor Werders Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Sonntag, 15.30 Uhr).

Der Satz lautete: „Der erste Schritt hin zum Misserfolg ist, wenn man sich sagt, dass gerade alles gut ist.“ Kurze Pause, kurz mal wirken lassen. Es war ein Satz, der zum Nachdenken anregt, und genau das war es, was der Trainer damit nicht nur bei Journalisten, sondern vor allem bei seinen Spielern erreichen will.

Neue Euphorie? Kohfeldt hebt den Zeigefinger

Kurz zur Einordnung: Werder ist ordentlich in die Saison gestartet, das lässt sich getrost festhalten. Vier Punkte nach zwei Spielen - von einem Traumstart ist das nicht sonderlich weit entfernt, zwei Zähler nur. Zudem liegt ein Sommer hinter dem Verein, der nicht heißer hätte sein können - ganz ohne Blick aufs Thermometer. Die Verpflichtungen von Martin Harnik und Davy Klaassen, dazu die große Liebesgeschichte um den ewigen Rückkehrer Claudio Pizarro.

Ganz am Ende dann noch der ganz große Coup mit Nuri Sahin - und das sind nur die prominentesten Namen aus einer Phase, in der bei Werder plötzlich alles aufzugehen schien. Dass Musiker Jan Delay seitdem von der grün-weißen Liebe singt, es passte gut und passt noch immer in dieses neue Gefühl, das binnen weniger Monate rund ums Weserstadion entstanden ist. Auch Florian Kohfeldt dürfte das gefallen. Doch gerade deshalb hebt er nun den Zeigefinger.

„Einer der größten Fehler ist es, wenn man das Gefühl hat, irgendetwas konservieren zu können“, sagte der 35-Jährige und stellte gleich im nächsten Satz klar: „Ein Einfach-so-weiter wird es bei mir niemals geben.“ Heißt: Werder arbeitet fortwährend hart und Tag für Tag. „Es gibt ja immer wieder neue Situationen, neue Trainingswochen und neue Spiele“, sagte Kohfeldt. Den Blick nie zurück, zumindest nicht lange - und schon gar nicht von kleinen Etappenerfolgen verklärt.

„Wir Trainer freuen uns natürlich auch über einen Sieg“, erklärte Kohfeldt, „aber wir reden auch über die 60 Minuten davor und wissen, dass nicht alles Gold war, was glänzte.“ Es folgte ein - zwar schmunzelnd vorgetragener, aber dennoch ernst gemeinter - Appell an die Spieler: „Ich werde sie damit weiter nerven.“ Kohfeldts Blick ging dabei in Richtung Maximilian Eggestein, der während der Pressekonferenz neben dem Trainer auf dem Podium saß - und offenbar ohnehin längst verstanden hat, worum es seinem Chef geht.

Kohfeldt: „Latente Unzufriedenheit muss in uns sein“

Kohfeldt hat festgestellt: „Die Jungs nerven sich auch gegenseitig damit - das ist gut so.“ Eggestein hat die große Euphorie rund um den Verein registriert, „das wollen wir in unsere Spiele mitnehmen, um den Fans nach vielen schweren Jahren etwas zurückgeben zu können“. Und sicherlich auch, um das hochgesteckte Ziel Europa League erreichen zu können.

Bei Niklas Moisander hat sich die Denkweise des Trainers übrigens ebenfalls festgesetzt. „Wir müssen immer demütig bleiben“, hatte der Finne erst vor ein paar Tagen erklärt, „erst wenn wir das Spiel gegen Nürnberg gewinnen, war es ein guter Start.“ Kohfeldt dürfte seinen Blick kurz danach aber direkt in Richtung Auswärtsspiel in Augsburg richten, denn „diese latente Unzufriedenheit muss immer in uns sein“. Das bedeute zwar nicht, dass sie bei Werder „jeden Tag mit dem Messer zwischen den Zähnen rumlaufen“. Manchmal aber eben doch. „Wenn wir trainieren, wenn wir uns mit den Spielen auseinandersetzen und spätestens, wenn wir in diesem Tunnel stehen“, sagte Kohfeldt. Kein Sinnspruch diesmal, aber auch einprägsam.

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Quelle: DeichStube

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