Kohfeldt nach Spielabbruch verärgert

Wird das Trainingslager in Südafrika ein Reinfall?

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Ein Gewitter machte Werders Testspiel gegen die Kaizer Chiefs im FNB-Stadion ein abruptes Ende.

Johannesburg – Und plötzlich wurde es dunkel über „Soccer City“. Ohne große Vorwarnung, von einem auf den anderen Moment, sodass sich die Stadionregie dazu veranlasst sah, die Notbeleuchtung an den Tribünenaufgängen der gigantischen Arena einzuschalten.

Ein schönes Bild war das: Unten das Leuchten und oben dieser grollende Himmel, dicht verhangen mit bedrohlich schwarzen Wolken – für Werder Bremen sollte dieses Szenario das vorzeitige Ende des Testspiels gegen eine Auswahl der Kaizer Chiefs bedeuten. Nach 50 Minuten wurde die Partie am Sonntag wegen eines heftigen Gewitters abgebrochen. Die Bremer hatten zu diesem Zeitpunkt nach einem durchwachsenen Auftritt mit 1:0 geführt – hinterher herrschte bei Trainer Florian Kohfeldt vor allem ein Gefühl vor: Enttäuschung.

„Es war nicht gut, dass wir das Spiel abbrechen mussten“, haderte der 36-Jährige, der die Entscheidung allerdings nicht in Zweifel zog, im Gegenteil: „Die Gesundheit geht vor. Jeder, der hier vor Ort war, konnte sehr gut nachvollziehen, dass es auf 1.700 Metern Höhe bei so einem Gewitter nicht mehr möglich ist, Fußball zu spielen.“ Höhere Gewalt eben, was will man da machen? Und dennoch: Dieses Unwetter, es stellt Kohfeldt vor ein Problem. „Jetzt hat nur ein Teil unseres Kaders sein Spielsoll absolviert. Wir müssen sehen, wie wir damit umgehen.“ Athletisch sei das kein Problem, „aber uns fehlen jetzt 50 Spielminuten in der Vorbereitung, und das ist nicht gut“.

Kohfeldt hadert mit der Leistung und dem Platz

Werder hatte sich im Vorfeld mit den Chiefs darauf geeinigt, nicht zweimal 45, sondern viermal 25 Minuten zu spielen. Immerhin die Hälfte davon ging dann auch tatsächlich über die Bühne. Aber auch für die Zeit vor dem großen Unwetter galt: Kohfeldt war so gar nicht zufrieden mit dem Verlauf des Nachmittags. „Unser Spiel lebt von Kombinationsfußball, von Mut, in die Räume zu spielen, und das war heute aus verschiedenen Gründen nicht möglich“, sagte der Coach – und führte seine Kritikpunkte umgehend exakt aus.

„Erstens waren die Freilaufbewegungen nicht gut. Zweitens war es nicht die Intensität, mit der wir spielen wollen, und drittens war es eine wahnsinnig schwierige Angelegenheit, auf diesem unebenen Platz Fußball zu spielen.“ Werders Trainer wollte das nicht als Ausrede für den schwachen Auftritt verstanden wissen und schon gar nicht als Vorwurf an die Gastgeber. Schließlich hatten die Bremer das Spiel erst auf den letzten Drücker in die Mega-Arena verlegen können, um den Trainingsplatz in Randburg nach starken Regenfällen zu schonen. „Dafür sind wir den Kaizer Chiefs sehr dankbar. Und wir wussten ja auch, dass wir nicht auf einem Rasen wie im Weserstadion spielen“, betonte Kohfeldt. Zur Wahrheit dieses verkorksten Nachmittags gehörte aber nunmal, dass der Platz nicht gut war.

Von Beginn an war den Bremern anzumerken gewesen, dass sie in „Soccer City“ nicht richtig in Tritt kommen. In der zehnten Minute hatte die Mannschaft gar großes Glück, dass die B-Auswahl der Chiefs nicht in Führung ging. Nach einem Rückpass von Niklas Moisander vertändelte Ersatztorhüter Stefanos Kapino bei seinem ersten Spiel im Werder-Trikot den Ball, und Chiefs-Stürmer Ryan Moon traf zum 1:0 – dachten zumindest alle, aber der Treffer zählte nicht. Das Schiedsrichtergespann hatte ein Foul an Kapino gesehen – eine Fehlentscheidung. Und Werder? Fand in der Offensive kaum statt. Eine Chance von Josh Sargent (16.) - das war es aber auch schon, bis Johannes Eggestein in der 43. Minute eine zündende Idee hatte.

Der 20-Jährige bediente Sargent auf dem rechten Flügel und sprintete in den Strafraum durch. Dort bekam er den Ball vom US-Amerikaner mustergültig zurück und besorgte das 1:0. „Es ist toll, in so einem Stadion ein Tor zu schießen“, sagte Eggestein. Dass in der 94.000 Zuschauer fassenden Arena gerade einmal 150 Fans saßen, störte ihn nicht: „So kleine Kulissen kenne ich ja noch aus der Jugend.“ Die südafrikanische Liga hatte vorgeschrieben, dass das Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden muss. Testspiele im TV während des laufenden Ligabetriebs wollen sie in Südafrika nicht haben.

Verfolgt das Werder-Trainingslager in Südafrika in unserem Ticker!

„Keine sportlichen Erkenntnisse“ - Kohfeldt ist „super-sauer“

Sei es drum, nach 50 Minuten war ja sowieso Schluss. Das dritte Viertel sollte gerade beginnen, Kohfeldt wollte komplett durchwechseln, da wurden die Spieler wegen des Unwetters zurück in die Kabine beordert. Eine halbe Stunde später kam die offizielle Mitteilung: Schluss für heute. Bei den Fans, die sich inzwischen auf der Flucht vor dem Regen auf die Pressetribüne gestellt hatten, sorgte das für lange Gesichter. Bei Werder sowieso. Denn irgendwie schleicht sich so langsam der Eindruck ein, dass dieses Trainingslager in Südafrika unter sportlichen Gesichtspunkten kein voller Erfolg wird. Das Wetter ist bisher zu unbeständig.

„Aus sportlicher Sicht war das nicht gut heute. Von daher müssen wir unsere Zufriedenheit relativieren“, sagte Kohfeldt. „Ich bin einfach super-sauer, dass wir das Spiel nicht durchziehen konnten und keine sportlichen Erkenntnisse ziehen konnten. Es ist zwar kein Drama, weil man in der Wintervorbereitung nicht so viele Testspiele braucht, aber es ärgert mich trotzdem.“ Der Coach hofft nun darauf, dass wenigstens das zweite Testspiel gegen den Bidvest Wits FC am Freitag reibungslos über die Bühne geht. „Wenn das auch noch schwierig wird, haben wir keine gute Situation“, weiß Kohfeldt.

Fotostrecke: Werder vs. Kaizer Chiefs

Werder Bremen gegen Kaizer Chiefs.
Werder Bremen gegen Kaizer Chiefs. © Gumz
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Werder Bremen gegen Kaizer Chiefs.
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Werder Bremen gegen Kaizer Chiefs.
Werder Bremen gegen Kaizer Chiefs. © Gumz

Quelle: DeichStube

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