„Mein Körper sagt mir, ob es noch weitergeht“

Der unkaputtbare Pizarro: Selbst China ist möglich

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Claudio Pizarro konzentriert sich momentan nur auf Werder.

Alhaurin El Grande - Von Björn Knips. Claudio Pizarro ist fit, will in der zweiten Saisonhälfte so richtig durchstarten. Er gibt sogar eine Tor-Garantie ab. Aber wie es danach weiter geht, ist unklar.

Er ist 38 Jahre alt und hat damit doppelt so viele Jahre auf dem Buckel wie einige Teamkollegen. Doch als einzigen Unterschied zu den Jungspunden hat Claudio Pizarro ausgemacht: „Ich brauche etwas mehr Erholung.“ An das Karriereende hat er, so versichert der Werder-Stürmer im Trainingslager von Alhaurin El Grande, noch keinen Gedanken verschwendet: „Mein Körper sagt mir, ob es noch weitergeht.“

Selbst wo das sein wird, sei völlig offen. Auch China ist ein Thema. „Es kann sein. Wenn ein Angebot kommt, analysiere ich das. Aber es gibt kein Angebot.“ Momentan zählt für ihn nur der SV Werder, bei dem er noch bis Sommer unter Vertrag steht.

Einen Vorteil des Alters gibt es allerdings schon. Pizarro hat als einer von nur vier Spielern ein Einzelzimmer im Golf-Hotel bekommen. Ein echtes Privileg, zu dem es „eine Geschichte“ gibt, wie der Peruaner mit seinem so typisch verschmitzten Lächeln sagt. „Als ich 1999 zu Werder gekommen bin, war ich im ersten Trainingslager mit Frank Baumann auf einem Zimmer. Er war älter als ich.“

Das ist ein wichtiger Hinweis, denn nun berichtet Pizarro von einem prägenden Erlebnis: „Um 23 Uhr hat ,Baumi‘ das Licht und den Fernseher ausgemacht und gesagt: ,Wir schlafen jetzt!‘ Ich habe eine Stunde lang an die Decke geschaut, weil ich nicht einschlafen konnte. Das war ein Schock für mich.“ Pizarro lacht und fügt noch genüsslich an: „Jetzt kann ich schlafen, wann ich will.“ Obwohl Baumann immer noch da ist, aber als Sportchef hat er natürlich auch ein Einzelzimmer.

Grundsätzlich mag Pizarro Trainingslager. „Mir gefällt es, hart zu trainieren. Denn dadurch kannst du im Spiel später viel mehr machen“, sagt er. Also schont sich Pizarro in Spanien nicht – auch nicht seinen sensiblen Rücken. „Ich kann alles machen, ich muss nur aufpassen, dass ich stabil bleibe.“ Das heißt: Die Muskulatur müsse auf beiden Seiten gleich sein, sonst könnte es zwicken. Das hat es in der Hinrunde ziemlich oft und sehr stark. Dadurch gab es dann auch Probleme in den Beinen, so fehlte der Stürmer monatelang.

Immerhin reichte es nach dem Comeback Anfang November noch zu sieben Bundesliga-Einsätzen, aber nicht zu einem Tor. Bei dem Hinweis verzieht Pizarro fast schon angewidert sein Gesicht. Das nervt ihn gewaltig. Als dann auch noch die Frage aufkommt, was er denn mit einer Saison so ganz ohne Tor anstellen würde, da schießt Werders Rekordtorschütze zurück: „Ja, so etwas kann passieren, aber es wird nicht passieren!“ Ein Tor-Versprechen! Aber keine Ego-Geschichte. Denn Pizarro lebt sofort Teamgeist vor: „Viel wichtiger ist doch, dass wir punkten. Aber für mein Selbstvertrauen als Stürmer wäre ein Tor schon wichtig.“

Pizarro: "Vielleicht will mich Werder gar nicht mehr..."

Natürlich hofft er – wie alle Werder-Fans – auf eine ähnliche Entwicklung wie vor einem Jahr. Damals startete Pizarro in der Rückrunde voll durch, erzielte zwölf seiner insgesamt 14 Tore. In der Hinrunde hatte er durch eine verpasste Vorbereitung ebenfalls mit körperlichen Problemen zu kämpfen gehabt. Jetzt ist er – wie vor einem Jahr – richtig fit. „Ich fühle mich gut, ich habe im Urlaub gut gearbeitet.“

Zum Glück ist er dabei nicht in die Heimat Peru gereist. Denn dort wollten Banditen in sein Haus einbrechen. Die Polizei deckte den Plan aber rechtzeitig auf und schnappte sich „diese Idioten“, wie sie Pizarro nennt: „Was wollten die da? Das ist doch nur ein Gestüt, da gibt es nur Pferde. Und da ist jede Menge Security, die gut bewaffnet ist.“

Für Pizarro letztlich nur eine unwichtige Randnotiz. Wichtiger ist ihm Werder. Er will raus aus dem Tabellenkeller. „Wir brauchen Punkte“, sagt er und strahlt wie immer großen Optimismus aus: „Jetzt sind fast alle gesund, jetzt können wir Gas geben und punkten.“

Pizarro ist längst noch nicht satt. Und seine Aussage, mindestens noch bis zur WM 2018 zu spielen, „die habe ich noch im Kopf“, sagt er. Und der 38-Jährige will eine Zukunftsentscheidung auch nicht vom sportlichen Erfolg abhängig machen – weder von dem mit Werder noch von dem eigenen. „Vielleicht will mich Werder gar nicht mehr, dann spiele ich vielleicht woanders weiter.“ Vielleicht hängt Pizarro aber auch noch ein Jahr dran in Bremen. „Ich weiß es nicht“, sagt Pizarro: „Alles ist möglich.“

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