Nouri verzichtet bewusst auf Bald-Hoffenheimer

Ungewöhnlicher Abschied von Grillitsch

Florian Grillitsch
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Florian Grillitsch kam in seinem letzten Heimspiel für Werder nicht zum Einsatz.

Bremen - Die Werder-Profis Clemens Fritz und Santiago Garcia werden ihren Abschied im Weserstadion sicher in bester Erinnerung behalten. Und Florian Grillitsch?

Eher nicht, denn es war schon ziemlich ungewöhnlich, was dem Noch-Werder-Profi vor und während der Partie gegen seinen künftigen Arbeitgeber 1899 Hoffenheim widerfuhr.

Grillitsch hatte zuletzt immer in der Startelf gestanden, er war eine wichtige Stütze während der Siegesserie. Doch gegen Hoffenheim musste der 21-Jährige auf die Bank. „Aus taktischen Gründen“, wie Trainer Alexander Nouri nach der 3:5-Heimpleite behauptete: „Wir wollten im Mittelfeld etwas offensiver sein.“ Mit dem schon feststehenden Wechsel des Österreichers in den Kraichgau habe die Nicht-Berücksichtigung nichts zu tun, versicherte der Coach.

Geringer Applaus bei Grillitsch-Abschied

Das verwunderte. Denn Sportchef Frank Baumann präsentierte den Journalisten eine andere Version. „Es wäre nicht die einfachste Situation für Florian gewesen“, meinte Baumann. Schließlich hätte der Bremer seinen künftigen Kollegen die direkte Qualifikation für die Champions League versauen können. „Nachdem Trainer und Spieler miteinander gesprochen haben, hat der Trainer entschieden, Florian draußen zu lassen“, verriet Baumann. Das sei „nichts Außergewöhnliches“, in vergleichbaren Fällen schon häufiger vorgekommen. Nouri war es offenbar trotzdem unangenehm, den wahren Grund für den Verzicht auf Grillitsch zu benennen.

Florian Grillitsch: Seine Karriere in Bildern

GER, RLN, Mannschaftsfoto Werder Bremen II
So fing alles an: 2013 kam der damals 17 Jahre alte Florian Grillitsch aus dem österreichischen St. Pölten zu Werder Bremen.  © nordphoto
GER, RLN, Werder Bremen II vs BSV SW Rehden
Über die U19 rückte Grillitsch in die U23. Dort spielte er in der Regionalliga - wie hier gegen den BSV SW Rehden - und stieg 2015 als Meister in die Dritte Liga auf. © nordphoto
GER, 1.FBL, Training Werder Bremen 17.09.2013
Doch es sollte nicht bei der zweiten Mannschaft bleiben. Mit guten Leistungen empfahl er sich für die Profis. © nordphoto
GER, 1.FBL, Werder Bremen vs FC Schalke 04
Sein Einsatz sollte sich lohnen. Am 15. August 2015 wurde er im Spiel gegen Schalke 04 zum ersten Mal in der Bundesliga eingewechselt. Er kam für Kapitän Clemens Fritz. © nordphoto
GER, TL Werder Bremen 2016 - Presserunde
Seitdem ist er Teil der ersten Mannschaft. Schon bald rückte der Shootingstar auf den Radar anderer Clubs. © nordphoto
GER, DFB Pokal, Viertelfinale, Bayer 04 Leverkusen vs. SV Werder Bremen
Im Viertelfinale des DFB-Pokals schoss Grillitsch Werder 2016 mit einem Tor in der 82. Minute zum Sieg über Bayer Leverkusen. Werder zog damit ins Halbfinale ein. © nordphoto
GER, 1.FBL. Werder Bremen vs FC Augbsurg
So schön hat Florian Grillitsch mit seinen Teamkollegen nach seinem ersten Bundesliga-Treffer im Februar 2016 gejubelt.  © nordphoto
GER, 1.FBL. Werder Bremen vs FC Augbsurg
Gegen den FC Augsburg gelang ihm dieser Meilenstein... © nordphoto
GER, 1.FBL. Werder Bremen vs FC Augbsurg
... trotzdem verlor Werder 1:2. © nordphoto
GER, 1.FBL, Training Werder Bremen
Auch nach dem Trainerwechsel von Viktor Skripnik zu Alexander Nouri (l.) blieb Grillitsch Stammspieler. © nordphoto
GER, 1.FBL, Werder Bremen vs VfB Stuttgart
In seiner jungen Karriere hatte Grillitsch allerdings auch schon mit einigen Verletzungen zu kämpfen.  © nordphoto
GER, 1.FBL, Werder Bremen vs Eintracht Frankfurt
Ein schönes Tor - sein zweites in der Bundesliga - gelang Grillitsch in der Hinrunde 2016/17 gegen Eintracht Frankfurt. © nordphoto
GER, 1.FBL, Werder Bremen vs Eintracht Frankfurt
Einen langen Ball nahm er gekonnt im Lauf an und ließ den Ball mit einem Volley in den Winkel segeln. © nordphoto
GER, 1.FBL, Werder Bremen vs Eintracht Frankfurt
Wieder wurde ausgelassen gejubelt... © nordphoto
GER, 1.FBL, Werder Bremen vs Eintracht Frankfurt
... doch auch dies mal stand am Ende eine 1:2-Niederlage. © nordphoto
GER, 1.FBL, Werder Bremen vs Eintracht Frankfurt
Im Winter 2016/2017 mehrten sich die Spekulationen, dass Grillitsch Werder am Saisonende verlassen könnte. Sein Berater besuchte ihn sogar im Trainingslager. © nordphoto
GER, 1.FBL, Training Werder Bremen
Am 16. Januar 2017 wurde schließlich der ablösefreie Wechsel zur TSG 1899 Hoffenheim bekanntgegeben. Bis Ende der Saison blieb er in Bremen - seit Sommer 2017 ist der Kraichgau seine neue sportliche Heimat. © nordphoto

Bevor der Nationalspieler dann auf der Bank Platz nahm, gab es die nächste ungewöhnliche Situation: die offizielle Verabschiedung des Clubs kurz vor dem Anpfiff. Fritz war schon eine Viertelstunde zuvor groß abgefeiert worden. Natürlich fiel der Applaus bei Grillitsch geringer aus. Er hat nur vier Jahre Werder hinter sich, spielt erst seine zweite Saison bei den Profis – und wechselt nun ablösefrei zu einem Bundesliga-Konkurrenten. Aber Stadionsprecher Christian Stoll handelte diese Personalie doch sehr schnell und formell ab, um direkt danach Santiago Garcia mit vielen warmen Worten zu huldigen und von den Fans besonders feiern zu lassen. Der Kontrast war schon seltsam.

Obwohl es danach Im Spiel bei Werder überhaupt nicht lief, blieb Grillitsch draußen. Nouri brachte lieber Garcia, Philipp Bargfrede und Florian Kainz. Grillitsch gehörte zwar zum Kader, war aber offenbar zu keinem Zeitpunkt eine Option – also nur Zuschauer. In Dortmund könnte sich das durchaus wieder ändern. Dann gibt es keinen Interessenskonflikt mehr, denn mit einem Bremer Sieg könnte Grillitsch seinem künftigen Club im Fernduell mit dem BVB helfen.

Einzelkritik: Totalausfall bei Delaney und Gnabry

Felix Wiedwald
Felix Wiedwald: Fünf Gegentore klingen schlimm für einen Torwart – und vielleicht hätte er auch einen Treffer verhindern können, tatsächlich aber verhinderte er in einigen Situationen ein noch größeres Debakel. Note 3,5 © nordphoto
Robert Bauer
Robert Bauer: Eigentlich eine desaströse Leistung mit hohem Schuldanteil bei zwei Gegentoren. Doch dann bereitete er Bargfredes 2:5 vor und erzielte das 3:5 auch noch selbst. An vier Treffern beteiligt – das gibt es auch nicht oft. Note 4,5 © nordphoto
Lamine Sane
Lamine Sane: Beim 0:1 und 0:2 muss der erfahrene Abwehrspieler einfach besser verteidigen. Dafür war sein Passspiel (94 Prozent seiner Bälle kamen an) bemerkenswert gut. Das half Werder aber auch nicht wirklich. Note 5 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Unglaublich für einen Innenverteidiger, er gewann nur einen Zweikampf. War fast unsichtbar und damit kein Hindernis für Hoffenheim. Note 5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Der Rechtsfuß musste wieder auf der linken Seite verteidigen und hatte es nicht leicht gegen Szalai und Uth. Gewann immerhin die meisten Zweikämpfe aller Bremer (11) und erzielte schon sein fünftes Saisontor. Note 4 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein (bis 54.): Zurück in der Startelf, aber nicht so gut in Form wie vor dem Köln-Spiel. Sein Ballverlust leitete das 0:2 ein. Fand als alleiniger Sechser nicht den richtigen Zugriff. Note 5 © dpa
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic: Der Kapitän rannte mal wieder so viel wie kein anderer Spieler auf dem Platz (12,5 Kilometer), nur kam dabei fast nichts heraus. Gewann auch nur jeden vierten Zweikampf. Note 5 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney (bis 75.): Was ist nur mit dem Dänen los? Nach seiner Verletzungspause nicht wiederzuerkennen. Wie schon in Köln ein Totalausfall. Note 5,5 © nordphoto
Serge Gnabry
Serge Gnabry (bis 54.): Erstmals nach vier Spielen auf der Bank wieder in der Startelf – und das sogar als Spielmacher. Doch er wusste mit seiner Rolle so gar nichts anzufangen. Ihm gelang fast nichts. Note 5,5 © dpa
Fin Bartels
Fin Bartels: Sein Hoch ist beendet, er kommt kaum noch am Gegner vorbei. Quasi wirkungslos im Sturm. Note 5 © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse: So viele Bälle verliert er selten. Trotzdem Werders gefährlichster Spieler, der sich wie kein anderer gegen das Debakel stemmte. Feine Flanke vor dem 1:5 von Gebre Selassie. Note 3,5 © dpa
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (ab 54.): 36 Minuten auf dem Platz - es war sein längster Einsatz seit dem Comeback. Und der Sechser setzte ein Ausrufezeichen, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Wie fast immer traf er auch diesmal gegen Hoffenheim. Note 3 © nordphoto
Santiago Garcia
Santiago Garcia (ab 54.): Bekam sein Abschiedsspiel im Weserstadion und machte es wenigstens etwas besser als viele seiner Kollegen. Note 4 © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz (ab 75.): Der Österreicher brachte Tempo und Leidenschaft ins Spiel. Note - © nordphoto

Quelle: DeichStube

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