Früher Ostkurve – heute Manager bei RB Leipzig

Bremer auf dem Brausetrip

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Ulrich Wolter hat eine Karriere vom kleinen Werder-Fan zum großen RB-Manager hingelegt.

Leipzig - Von Frank Hellmann. Früher stand Ulrich Wolter vor den Werder-Heimspielen an einer Litfaßsäule am Osterdeich. Mit bis zu 20 Schülerkarten in der Hand. Weil er nämlich zuvor am Schwarzen Brett des Hermann-Böse-Gymnasium in Bremen-Schwachhausen wieder einen Aufruf gestartet hatte: Wer Tickets braucht, bitte melden! Er hat sie dann vor Ort ausgehändigt.

Wenn der SV Werder wie jetzt am Samstag RB Leipzig empfängt, dann ist das eine besondere Konstellation für den 45-Jährigen, der bei den Gästen als Manager Spielbetrieb und Organisation, Ticketing, Sicherheit und Fanbelange verantwortet. Es gibt in Wolters Vita mehrere Kreuzungspunkte zwischen Hanse- und Messestadt. In Bremen ist er geboren und aufgewachsen, in Leipzig lebt und arbeitet der dreifache Familienvater.

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Werder-Fan Wolter in Diensten des Brause-Clubs

Wolter war sechs Jahre alt, als ihn sein Onkel erstmals mit ins Weserstadion nahm – von da an war er mit dem grün-weißen Virus infiziert. Kaum ein Heimspiel, das er bis zu seiner Volljährigkeit versäumte. Und auch auswärts fuhr er so oft mit, wie es nur ging. „Einmal bin ich mit meinem Kumpel sogar bis nach Wattenscheid mit dem Fahrrad gefahren. Wir haben auf dem Weg einmal übernachtet, das Rad direkt am Stadion an der Lohrheide angeschlossen.“

Auch Spiele in München und Europapokalreisen nach Brügge oder Mailand sind Wolter in Erinnerung. Und die 1993 neu gegründete Champions League, in der Werder auf den AC Mailand, FC Porto und RSC Anderlecht traf. Wolter war jedes Mal dabei. Mitten unter den Fans in der Ostkurve. Irgendwann schwenkte er auch eine große Fahne, die ihm ein Älterer überlassen hatte. „Meine Mutter hat noch etwas drangenäht. Die Fahne steht heute noch bei uns im Keller“, sagt er.

Und weil er sogar ein Praktikum auf der Werder-Geschäftsstelle absolvierte (im Marketing unter Oliver Rau), braucht ihm keiner etwas über die besondere Verbundenheit zwischen Verein und Stadt erzählen. „Werder ist Bremen. Und Bremen ist Werder“, sagt Wolter. Auch heute gönnt er Werder nur das Beste, „nur nicht in den Spielen gegen uns, denn ich liebe Leipzig“.

Für sein Jura-Studium ist er damals erst nach Rostock, dann nach Leipzig gezogen. Dort leitete Wolter bis 2004 den Bereich nationale Beziehungen bei der Leipziger Olympiabewerbung, war dann für die Fußball-WM 2006 für die Außenstelle Leipzig zuständig. Damals machte er sich viele Gedanken für eine nachhaltige Nutzung des WM-Stadions. „An meinem letzten Arbeitstag habe ich weinende Augen gehabt, weil es keinen höherklassigen Fußballverein gab.“ Was sich ja ändern sollte.

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Damals wie heute: Wolter managt Ticketverkäufe

Bevor Wolter 2012 die administrativen und organisatorischen Strippen bei dem erst drei Jahre zuvor vom Red-Bull-Konzern aus der Taufe gehobenen Verein RB Leipzig in die Hände bekam, arbeitete er noch als Veranstaltungsmanager für den Spielort Salzburg bei der EM 2008 – „da kam der Kontakt zu Red Bull zustande“ – und beim DFB als Gesamtkoordinator für die Frauen-WM 2011 in Deutschland.

Heute gehört Wolter zum höheren Management eines Bundesligisten, der sich bereits vor dem Bremen-Gastspiel für die Champions League qualifiziert hat. Das emotionale Highlight wird das DFB-Pokalfinale am 25. Mai. Auch für Wolter, der nun schon sieben Jahren im Zeichen der Dose arbeitet. Das Duell gegen den FC Bayern elektrisiert die Sachsen. „Wir haben ja noch nie 24.000 Karten in dreieinhalb Stunden verkauft.“ Locker wäre auch die doppelte Zahl weggegangen. „Für unseren Verein und unsere Region ist dieses Endspiel ein ganz wichtiger Faktor.“ Die Abwicklung des Ticketverkaufs ging durch seinen Bereich. Fast wie damals in Bremen. Nur stellt sich Ulrich Wolter dafür nicht mehr an eine Litfaßsäule.

Quelle: DeichStube

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