Und jährlich grüßt der grün-weiße Herbstblues

Die übliche Werder-Herbst-Krise: Wie Baumann die Nerven und Klaassen die Zuversicht bewahrt

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Ein Blick auf die Blätter an den Bäumen reicht und Baumann weiß: Es ist schon wieder Werder-Krise.

Bremen – Der Kummer kommt immer. Eigentlich muss Frank Baumann nur den Blättern zuschauen, wie sie von den Bäumen fallen, um zu wissen: Ah, es ist schon wieder Werder-Krise.

Denn wenn der Herbst draußen das Land verändert und bei Werder Bremen Ende November die Mitgliederversammlung ansteht, dann muss der Sportchef eine schwierige sportliche Lage moderieren. Das war 2016 so, es war 2017 so, 2018 auch – und es ist 2019 nicht anders.

Werder hat seine Mitglieder für Montag zur Jahresbilanz eingeladen, und je nach Ausgang des Bremer Heimspiels gegen Schalke 04 am Samstag muss Baumann entweder erklären, warum die Mannschaft den selbst gesteckten Zielen hinterherläuft (was noch moderat wäre) oder warum sie seit acht Spielen sieglos ist und in Abstiegsgefahr schwebt. Nervös macht ihn aber weder die Situation an sich noch der Gang vor die Mitglieder.

Werder Bremen: Für Baumann ist der Ist-Zustand schon ein bisschen Gewohnheit

„Ich würde mich unwohl fühlen, wenn die Lage eine andere wäre“, scherzt der 43-Jährige über einen aktuellen Ist-Zustand, der für ihn schon ein bisschen Gewohnheit ist. Vor drei Jahren, als er zum ersten Mal als Geschäftsführer Sport über den Zustand des Bundesliga-Teams berichten musste, war Werder nach vier Pleiten in Folge Tabellen-16. Ein Jahr später war zwar eine Serie von elf sieglosen Spielen mit einem 4:0 über Hannover 96 zu Ende gegangen (es war der erste Erfolg unter dem neuen Trainer Florian Kohfeldt), dennoch belegten die Bremer erneut nur den Relegationsplatz. Und 2018 war Werder zur Zeit der Mitgliederversammlung zwar Siebter, steckte nach vier Spielen ohne Sieg aber ebenfalls in einem Tief. Jeweils stand Baumann auf dem Podium und musste der grün-weißen Gemeinde erklären, warum es nicht läuft und wann es wieder besser wird.

Werder Bremen unter Baumann bei weitem nicht so standfest wie er es vorgibt

Die Erfahrung lehrt: Es ist jeweils besser geworden. Zwar nie so nachhaltig, dass Baumann auch mal sorgenfrei in eine Mitgliederversammlung gehen konnte oder kann, aber doch so, dass er sich anno 2019 auf gewisse Handlungsleitlinien verlassen kann. Glaubt er zumindest. Die oberste Maxime ist typisch Baumann. „Es ist wichtig, jetzt nicht die Nerven zu verlieren. Und da kann ich für den Verein und für das Trainerteam sprechen: Das wird definitiv nicht passieren“, sagt der Ex-Nationalspieler und führt weiter aus: „Wir haben im Verein das Wissen, dass man sich aus einer Situation wie der aktuellen befreien kann, wenn man die Nerven behält. Das hilft.“

Wobei: Unter seiner Führung war Werder bei weitem nicht so standhaft wie Baumann es vorgibt. 2016 wurde Coach Viktor Skripnik entlassen, weil nichts mehr ging, 2017 dann dessen Nachfolger Alexander Nouri - jeweils während einer Herbst-Depression. Beide Male regierten bei Werder die üblichen Reflexe der Branche statt der Nervenstärke.

Werder Bremen: Kohfeldt muss nicht um seinen Job fürchten

2019 muss Florian Kohfeldt indes ganz sicher nicht um seinen Job fürchten. Denn der Unterschied von damals zu heute ist die Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Und die Atmosphäre im Team. „Jeder einzelne Spieler ist sensibilisiert und weiß, dass uns jetzt nur Siege helfen, um aus der Situation herauszukommen“, erklärt Baumann: „Die Antennen sind ausgefahren – das ist gut so.“

Davy Klaassen hat noch keine große Werder-Vergangenheit, aber er ist ein erfahrener Profi, der über eben diese sensiblen Antennen verfügen sollte. Er spürt das Gleiche wie Baumann und streicht heraus, weshalb er an die Wende und den Aufschwung glaubt. „Ich habe keine Angst vor der Abstiegszone“, sagt er. Das Team sei gut, die Spielanlage auch, „aber die kleinen Momente, in denen Spiele entschieden werden, verpassen wir immer wieder. Da müssen wir besser werden.“

Werder Bremen: Die Stimmung im Team sei nach wie vor gut

Die Aussagen sind nicht neu, kamen so oder so ähnlich auch schon von anderen Spielern oder dem Coach. Wichtiger ist eigentlich auch, was Ersatz-Kapitän Klaassen (vertritt den verletzten Niklas Moisander) über das Innenleben der Profi-Gemeinschaft berichtet. „Wir halten zusammen“, sagt er. Wenn einer einen Fehler macht, wird zwar der Fehler analysiert, aber niemand niedergemacht. „Wir sind kritisch miteinander, aber wir unterstützen uns auch.“ Die Stimmung im Team sei nach wie vor gut – „das ist auch unsere Stärke“, glaubt Klaassen.

Dennoch fehlen die Punkte, dennoch ist wieder Herbst-Krise bei Werder Bremen. „Deshalb sind wir auch angespannt und angefasst“, gibt Baumann zu. Mit einem Sieg über den FC Schalke könnte die Anspannung schon wieder ein bisschen gelöst werden. „Ohne Frage ist das ein sehr wichtiges Spiel für uns“, meint der Sportchef. Ein Erfolg würde auch ihm das Leben leichter machen, am Montag beim Gang vor die Mitglieder. (csa)

Während an anderen Bundesliga-Standorten in dieser Saison schon so mancher Trainer gefeuert wurde oder gerade auf einem sehr wackeligen Stuhl sitzt, genießt Florian Kohfeldt beim SV Werder Bremen trotz der Ergebniskrise und der gefährlichen Nähe zum Relegationsplatz absolute Rückendeckung.

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