Werders U23-Stürmer Kobylanski

Ein Talent am Scheideweg

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U23-Stürmer Martin Kobylanski

Bremen – Von Michael Baltes. Für Martin Kobylanski ist es ein ganz besonderes Spiel. Mit Energie Cottbus erwartet Werders U23 am Samstag den Verein, für den der Stürmer 13 Jahre die Fußballschuhe geschnürt hat. Zum ersten Mal überhaupt trifft der 21-Jährige als Gegner auf die Lausitzer. Es ist aber nicht der richtige Moment für große Gefühle - für Kobylanski geht es derzeit um Wichtigeres. Seine Karriere.

Wenn dieser Tage in Bremen über Fußball diskutiert wird, steht meist das Thema Stürmer im Fokus und die Frage, wer an der Seite von Anthony Ujah spielen soll. Solange noch kein legitimer Nachfolger für Franco Di Santo verpflichtet ist, muss Viktor Skripnik experimentieren – zumal mit Melvyn Lorenzen ein potenzieller Kandidat weiter verletzt fehlt. Eine Variante ist, dass Fin Bartels in den Angriff rückt. Aber auch der 18-Jährige Ousman Manneh scheint nach seinem spektakulären Viererpack im Test gegen Wilhelmshaven plötzlich eine Alternative für den Profikader. Martin Kobylanski spielt dagegen offensichtlich keine Rolle in Skripniks Planungen. Und das, obwohl der 21-Jährige bereits über Bundesligaerfahrung (acht Spiele für Werder) verfügt.

Im Stürmer-Ranking der Grün-Weißen ist der einstige Hoffnungsträger weit nach hinten gerutscht. Während andere Offensivtalente wie Florian Grillitsch oder Manneh beim Training der Profis mitmischen, kann sich Kobylanski momentan nur bei der U23 beweisen. Ein Rückschritt für den polnischen und deutschen U-Nationalspieler, der in der vergangenen Saison an Zweitligist Union Berlin ausgeliehen war und dort in 19 Spielen drei Treffer erzielte.

Dabei hatte seine Karriere zunächst fast bilderbuchmäßig begonnen: Erst der Durchmarsch von den Jugendmannschaften bis hin zu den Profis bei Energie Cottbus und dem Debüt in der Zweiten Liga im November 2011. Dann 2012 der Wechsel zu Werders U23, gefolgt von seinem Bundesligadebüt im September 2013 beim Sieg im Nordderby gegen den Hamburger SV und seinem ersten Profivertrag bei den Grün-Weißen im Januar 2014. Anschließend hatte der Höhenflug vorerst ein Ende. Für die Spielzeit 2014/2015 wurde der Stürmer an Union verliehen, wo er bereits nach wenigen Wochen durch einen Innenbandteilabriss im rechten Kniegelenk und eine anschließenden Formkrise zurückgeworfen wurde. "Vielleicht habe ich mich vom Kopf her nach der Verletzung nicht frei gefühlt. Vielleicht dachte ich, dass da noch etwas kaputt ist", erklärte Kobylanski im Januar.

Zwar zeigte die Formkurve des 21-Jährigen in der Rückrunde wieder etwas nach oben, für einen Verbleib in Berlin reichte das aber nicht. Die Köpenicker verzichteten trotz Kaufoption auf eine Weiterverpflichtung des Stürmers, der in Bremen noch einen Vertrag bis 2017 hat. Da Skripnik trotz Stürmer-Not augenscheinlich nicht auf ihn setzt und die Dritte Liga dauerhaft zu wenig sein dürfte für ein ambitioniertes Talent, scheint Kobylanskis Zukunft an der Weser alles andere als gesichert. Ein Thema, über das der 21-Jährige sicher auch mit seinem Vater Andrzej gesprochen hat - seinem Vorbild, wie er selbst sagt. Andrzej Kobylanski hatte einst selbst für Cottbus und Köln in der Bundesliga gespielt. „Wer da Ratschläge nicht annimmt, ist selber schuld“, sagte der Filius im Januar der „Berliner Zeitung“.

Möglicherweise spekuliert Kobylanski sogar noch auf einen Wechsel in diesem Sommer. Dafür müsste er sich aber erst einmal mit starken Leistungen in der Dritten Liga auf die Wunschzettel anderer Clubs spielen. Bei Werders Auswärtssieg zum Saisonauftakt in Rostock ist ihm das schon ganz gut gelungen, auch wenn er ohne Treffer blieb. Ausgerechnet gegen Cottbus kommt am Samstag (14 Uhr, Platz 11) die nächste Chance, sich zurück ins Rampenlicht zu spielen. Dabei trifft der 21-Jährige zum ersten Mal überhaupt auf den Verein, der ihn einst ausgebildet hat.

„Am Wochenende geht’s ran gegen den Verein, wo alles begann, 13 Jahre Energie Cottbus von den Kleinsten zu den Größten“, schreibt Kobylanski bei Instagram. Er schließt seinen Post mit dem zuletzt in der Bundesliga durch Marco Reus populär gewordenen Motiv der drei Affen. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Da etwas hinein interpretieren zu wollen, wäre aber übertrieben. Für Kobylanski gilt es nun einzig und allein, Leistung auf dem Platz zu zeigen, um seine ins Stocken geratene Karriere wieder anzukurbeln. Gelingt das nicht, droht sein Wunsch, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten – oder sogar ein bisschen besser zu werden, zu scheitern.

Manneh trainiert bei den Profis

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