Werder nach 2:0 nur 2:2

Schipplock verdirbt Bremen die Stimmung

+
Frustiriert sitzt Sebastian Mielitz nach dem Abpfiff auf dem Bremer Rasen

Bremen - Von Malte Rehnert. Durchs Weserstadion schwappte schon die berühmte La Ola, die Werder-Fans waren ob des 2:0-Vorsprungs völlig siegestrunken. Doch dann wurden alle Bremer aus allen Träumen von einem riesigen Befreiungsschlag im Abstiegskampf gerissen.

Sven Schipplock, eingewechselter Stürmer von 1899 Hoffenheim, traf erst zum 1:2 (85.), in der ersten Minute der Nachspielzeit auch noch zum 2:2-Endstand und versetzte den Gastgebern einen kollektiven Schock. „Es ist sehr schwer zu begreifen, mir fehlen ein bisschen die Worte“, stöhnte Werders Innenverteidiger Sebastian Prödl. „Das tut extrem weh“, meinte Stürmer Nils Petersen. Und Keeper Sebastian Mielitz fühlte sich so, wie sich wohl alle Bremer Profis fühlten: „Ich bin einfach nur down und total leer.“

Statt durch einen Sieg gegen den Konkurrenten sicher dem direkten Abstieg zu entkommen, müssen die Bremer (33 Punkte) jetzt weiter zittern. Der Vorsprung auf Hoffenheim (28) bleibt komfortabel, der auf Düsseldorf (1:3 in Frankfurt) wuchs sogar auf drei Zähler. Trotzdem ist und bleibt die Lage ernst, zumal Augsburg heute in Freiburg nach Punkten gleich- und wegen des dann besseren Torverhältnisses sogar vorbeiziehen könnte.

Das Spiel in Bildern

Werder spielt nur unentschieden gegen Hoffenheim

Werder hofft nun schon auf die nächste Chance am Samstag im nächsten Heimspiel gegen Frankfurt. Und da wird die Atmosphäre wohl erneut so gigantisch sein wie gestern. Die Fans hatten den Profis einen überwältigenden Empfang bereitet. Als um kurz nach 14 Uhr der Mannschaftsbus die Rampe am Osterdeich herunterschlich, standen Tausende Spalier – in grün und weiß gekleidet, bewaffnet mit Plakaten und Luftballons. Ein Gänsehaut-Moment, dem vor dem Anpfiff noch weitere folgten. Um 14.55 Uhr kam das Team zum Aufwärmen auf den Platz, die Ostkurve war bereits voll und begrüßte die Spieler mit einem Jubelsturm. Pünktlich um 15.30 Uhr hatte die Lautstärke einen ohrenbetäubenden Pegel erreicht. Stimmungsmäßig war alles angerichtet für ein großes Spiel.

Und auf dem Rasen legten die Bremer auch gleich furios los, erwischten in diesem Keller-Krimi einen absoluten Traumstart. Nach 20 Sekunden wurde Aaron Hunt von David Abraham gefoult, allerdings knapp außerhalb des Strafraums. Trotzdem gab Schiedsrichter Robert Hartmenn (Wangen) Elfmeter – und den verwandelte Hunt souverän zum 1:0 (2.). Die meisten der 41 000 Zuschauer flippten völlig aus. Mehr Begeisterung ging nicht. Eigentlich. Denn nach 24 Minuten durften die Fans schon wieder richtig abgehen. Nils Petersen hatte sich stark gegen Jannik Vestergaard durchgesetzt und mit viel Übersicht in die Mitte gepasst. Dort vollendete Kevin De Bruyne, nach Oberschenkelprellung wieder dabei und wie schon oft der beste Bremer, mit einem Flachschuss ins lange Eck zum 2:0.

Werder war auf dem besten Weg, die schwarze Serie von zehn Spielen hintereinander ohne Sieg zu beenden. Die Hausherren zeigten sich bissig, leidenschaftlich und ließen hinten ganz wenig zu. Mielitz musste nur ein Mal retten – und das tat er mit dem Fuß gegen Roberto Firmino (28.). Viel mehr Gefahr strahlten die Gäste nicht aus.

Auch nach dem Seitenwechsel nicht. Die Bremer, die kurzfristig auf Zlatko Junuzovic (Magen-Darm-Probleme) verzichten mussten, hatten das Spiel weiter im Griff. Sie verpassten es jedoch, das beruhigende dritte Tor nachzulegen. Und das rächte sich in der Schlussphase bitterlich: Sokratis ließ Schipplock entwischen, der mit einem wuchtigen Schuss den Anschlusstreffer für den Tabellen-Vorletzten besorgte. Für Werder, nun sichtbar nervös, kam es aber noch dicker. Nach einem abgefälschten Schuss stand Andreas Ludwig (in abseitsverdächtiger Position) plötzlich völlig frei, köpfte in die Mitte zu Schipplock, der erneut vollstreckte – 2:2 (90. + 1). Dass der Torschütze in der Szene zuvor klar im Abseits gestanden, Schiri Hartmann aber beim Abschluss wohl eine neue Spielsituation und damit kein Abseits mehr gesehen hatte, brachte Werder-Coach Thomas Schaaf mächtig auf die Palme: „Das hängt mir langsam zum Hals raus! Aber es wird sich schon irgendeine Regel finden, die das rechtfertigt . . .“

Nach dem Ausgleich war es zum ersten und einzigen Mal erschreckend ruhig im Weserstadion. Die Fans, die alles gegeben hatten, waren genauso platt und enttäuscht wie die Spieler. Weil ein gewisser Herr Schipplock ihnen allen einen richtig tollen Nachmittag gründlich verdorben hatte.

Stimmung vor dem Spiel gegen Hoffenheim

Gefährliche Sternenjagd für Marc und Jens  - Tag 9 im Camp

Gefährliche Sternenjagd für Marc und Jens  - Tag 9 im Camp

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Meistgelesene Artikel

Rot für Drobny und andere Dummheiten

Rot für Drobny und andere Dummheiten

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Werder-Boss Filbry wünscht sich EM-Spiele 2024 in Bremen

Werder-Boss Filbry wünscht sich EM-Spiele 2024 in Bremen

Kommentare