Werder bejubelt den ersten Pizarro-Treffer

Traumtor vom Traumtypen

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So sieht Glück aus: Claudio Pizarro freut sich über sein erstes Bundesliga-Tor seit eineinhalb Jahren und den wichtigen Werder-Sieg im Kellerduell beim FC Augsburg.

Aus Augsburg berichtet Björn Knips - Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schlenderte Claudio Pizarro auf die wartenden Journalisten zu und verkündete stolz: „Ihr habt gesagt, dass wir hier noch nie gewonnen haben, jetzt haben wir hier gewonnen.“

Und das auch noch dank Pizarros erstem Bundesliga-Tor seit seiner Rückkehr zum SV Werder vor zwei Monaten und seit dem 10. Mai 2014 (damals noch im Bayern-Trikot). Der 37-Jährige war der Matchwinner beim so wichtigen Bremer 2:1 (0:0)-Sieg gestern Abend beim FC Augsburg. „Er hat gezeigt, dass er nicht nur einen großen Namen hat, sondern ein wichtiger Spieler ist“, sagte Bremens Coach Viktor Skripnik. Werder atmet auf, weil Pizarro endlich funktioniert. Und weil der Club als Tabellen-14. in die Länderspielpause geht.

„Das Tor ist sehr wichtig und schön für mich“, sagte Pizarro voller Erleichterung und erinnerte an seinen holprigen Start in Bremen wegen fehlender Fitness: „Es ist nicht einfach, wenn du lange kein Tor gemacht und kein Selbstvertrauen hast. Dann musst du noch mehr arbeiten, das habe ich die ganze Zeit getan. Heute habe ich mich dafür belohnt.“

Und wie! Es war kein Allerweltstreffer. „Ein richtiges Traumtor“, wie Teamkollege Fin Bartels befand. Der bärenstarke Santiago Garcia hatte den Ball gut abgefangen, dann nicht nach vorne gedroschen, sondern nach einem Sprint perfekt auf Pizaro geflankt – und der Peruaner drückte die Kugel direkt ins Netz. „Das hat er doch schon 1000 Mal so gemacht“, meinte Skripnik. Es sollte lässig klingen, doch in den Worten steckte auch die größtmögliche Wertschätzung, denn bei Pizarro sind solche Treffer eben keine Zufallsprodukte, sondern pures Können.

„Er war unser Türöffner“, lobte Sportchef Thomas Eichin. Denn bis zu diesem 1:0 in der 58. Minute war es ein zähes Ringen gewesen mit dem Tabellenletzten. Der hatte durch das 4:1 am Donnerstag in der Europa League gegen AZ Alkmaar ordentlich Selbstvertrauen getankt und wollte nach vorne spielen. Doch Werder hielt im 4:1:4:1-System kompakt dagegen und ließ kaum Chancen zu. Und weil die zweite Viererkette mit den Außen Bartels und Levin Öztunali sehr offensiv und schnell besetzt war, gab es gute Konterchancen für Werder. Doch vor dem Tor agierten die Gäste nicht entschlossen genug, und bei Bartels Versuch war der Pfosten im Weg (12.).

Zudem fehlte ein echter Mittelstürmer. Anthony Ujah quälte sich mit seiner Rippenprellung förmlich über den Platz. In der Pause gab der Torjäger auf, machte freiwillig Platz für Pizarro – eine sehr, sehr gute Entscheidung. Der Peruaner spielte stark mit und schlug dann eiskalt zu. „Erste Chance, erstes Tor – das ist Wahnsinn“, schwärmte Skripnik. Aber nicht nur davon. Auch das zweite Tor fand der Coach „super“. Zu Recht, der Treffer von Bartels zum 2:0 hat durchaus Tor-des-Monats-Charakter: Einwurf Theodor Gebre Selassie, geschicktes Weiterleiten von Zlatko Junuzovic, dann vernascht Bartels Ragnar Klavan und hämmert die Kugel ins Tor (69.). „Es hat alles gepasst“, meinte der Torschütze ganz bescheiden zu seinem Drehwurm gegen den bemitleidenswerten Klavan.

Werder gewinnt in Augsburg - 2:1

Werder hatte nun alles im Griff und steckte dabei sogar den Gebre-Selassie-Schock weg. Der Tscheche war nach einem Zusammenprall mit Keeper Felix Wiedwald bewusstlos liegen geblieben und musste ausgewechselt werden (siehe Extra-Story). Doch dann traf eine Hereingabe von Alexander Esswein die Hand von Ulisses Garcia, dessen Fuß auf der Strafraumlinie stand – Elfmeter. Den vollstreckte Paul Verhaegh sicher zum 1:2 (90.+1).

So wurde es noch mal hektisch. Doch eine Ausgleichschance ließen die Gäste nicht mehr zu. Der verdiente Sieger hieß Werder – und Eichin stellte erleichtert fest: „Das waren lebenswichtige Punkte.“ Denn mit einer weiteren Pleite hätte Werder richtig unten drin gehangen. Aber so konnte Skripnik zufrieden konstatieren: „Wir sind nicht in den Wolken und träumen, aber wir müssen uns auch nicht auf den Abstiegskampf fokussieren, sondern können anders denken.“ Er meinte den Blick nach oben.

Nicht nur das Ergebnis macht dabei Mut, sondern auch die Art und Weise, wie die Tore herausgespielt wurden. Das hob auch Bartels hervor: „Wir sind auf einem guten Weg, der hoffentlich noch nicht zu Ende ist.“

„Santis“ Sahnepass und Bartels’ Zuckerstück

Warum sollte er, da jetzt auch noch Pizarro funktioniert? „Keiner sollte jetzt den Fehler machen und wieder ausflippen“, meinte Eichin in Erinnerung an Pizarros Premiere gegen Hoffenheim, als er das Siegtor vorbereitet hatte. Damals wähnte sich Bremen schon im Fußball-Himmel. Doch es folgte eine lange Phase des Wartens auf das erste Tor. Jetzt ist es gefallen – doch abheben darf nur Pizarro selbst – und zwar heute im Flieger gen Peru. Wenngleich es da gestern einige Irritationen gab. Der 37-Jährige wurde nämlich ziemlich blass, als er vom Lufthansa-Streik erfuhr. „Eine schlechte Nachricht“, seufzte Pizarro. Doch seine Länderspielreise ist nicht wirklich gefährdet. „Moment mal“, sagte er plötzlich: „Hin fliege ich mit Iberia, zurück mit Lufthansa.“

Alles gut also nach seinem 177. Bundesliga-Tor, das ihn auf Rang sieben der ewigen Bestenliste beförderte. Dort steht er gemeinsam mit Dieter Müller und Klaus Allofs, dem Sportchef des nächsten Werder-Gegners VfL Wolfsburg.

kni

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