Streit um Provision

SV Werder Bremen vor Gericht: Prozess-Auftakt gegen Berateragentur von Davy Klaassen steht bevor

Davy Klaassens Berater Sören Lerby (l.) und dessen Agentur fordern vom SV Werder Bremen die Auszahlung einer angeblich noch offenen Provision.
+
Davy Klaassens Berater Sören Lerby (l.) und dessen Agentur fordern vom SV Werder Bremen die Auszahlung einer angeblich noch offenen Provision.

Bremen - Kurz vor dem Weihnachtsfest wird es für den SV Werder Bremen noch einmal ernst werden - allerdings nicht auf dem Fußballplatz, sondern vor Gericht. Wie die DeichStube erfahren hat, beginnt am Montag, 20. Dezember, das Zivilverfahren zwischen der Berateragentur „Essels Sport Management“ und dem Zweitligisten, bei dem es um 250.000 Euro Beraterprovision geht.

„Essels Sport Management“ vertritt schon seit Jahren die Interessen von Ex-Werder-Spieler Davy Klaassen, der im Oktober 2020 zu Ajax Amsterdam gewechselt ist. Seitdem wartet die Agentur, an deren Spitze Ex-Profi Sören Lerby steht, auf den Eingang einer Beraterprovision und beruft sich dabei auf einen individuell mit Werder Bremen ausgehandelten Beratervertrag. Der schreibt vor, dass bei Wechseln bis zum 31. August, also dem eigentlichen Ende der Transferperiode, keine Provision mehr vom Verein bezahlt werden muss. Das ist eine im Profi-Fußball gängige Regelung, denn ansonsten könnten Berater doppelt kassieren und Vereine müssten für Spieler noch Leistungen erbringen, die schon gar nicht mehr da sind. Klaassen wechselte allerdings erst nach dem Stichtag.

Werder Bremen: Transfer-Streit um Berater-Provision für Davy Klaassen-Wechsel geht vor Gericht

Die Corona-Pandemie hat bekanntlich dafür gesorgt, dass die Saison 2019/2020 zunächst unterbrochen und dann verlängert werden musste, was wiederum die Sommer-Transferperiode bis zum 5. Oktober ausgedehnt hat. Davy Klaassen wurde am Ende zum Last-Minute-Transfer, was Werder Bremen überlebenswichtige Einnahmen bescherte. Seine Agentur forderte daraufhin die Provision für die Saison ein, die Werder bis heute nicht zahlen will, weil sie aus Sicht des Vereins nicht rechtmäßig ist.

„Durch die Corona-Pandemie hat sich eine Ausnahmesituation und damit eine nicht vorhersehbare Veränderung der Transferperiode ergeben. Deshalb muss die Vereinbarung, dass die Provision bei einem Wechsel in der Sommer-Transferperiode wegfällt, aus unserer Sicht weiterhin wirksam sein“, sagte Tarek Brauer, Direktor Personal und Recht beim SV Werder Bremen, im September auf Nachfrage der DeichStube. Kurz vor Weihnachten wird der Verein diese Sichtweise nun vor Gericht präsentieren. Das Zivilverfahren beginnt vier Tage vor Heiligabend um 10 Uhr vor dem Landgericht Bremen (Saal 115). Zunächst werden die Streitparteien ihre Argumente austauschen, woraufhin das Gericht üblicherweise einen Vergleich vorschlägt. Einigen sich beide Seiten darauf, ist das Verfahren schnell vorbei. Passiert das nicht, kann durchaus länger verhandelt werden. (dco/kni)

Letzte Meldung vom 20. September 2021:

Vor Gericht: Der SV Werder Bremen streitet mit Berater von Davy Klaassen um Transfer-Provision

Vor knapp einem Jahr hat Davy Klaassen den SV Werder Bremen verlassen und bei Ajax Amsterdam sein neues Fußball-Glück gefunden. Doch bei Werder spielt der Niederländer immer noch eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Zum einen streitet sich der Zweitligist mit Klaassens Berateragentur vor dem Landgericht Bremen um Provisionszahlungen, zum anderen gab es im Sommer einen ordentlichen Nachschlag zu der Ablöse von elf Millionen Euro.

Davy Klaassen lässt sich schon länger von der Agentur Essels Sport Management vertreten – mit Ex-Profi Sören Lerby als prominentem Kopf an der Spitze. Auch Klaassens Bruder Aron arbeitet in der Firma, bei der sich Steinar Dietz um die vertraglichen Angelegenheiten kümmert und in dem Gerichtsverfahren als Werders Gegenpartei auftritt. Es geht laut Wertpapierprospekt, das Werder Bremen für die Anleihe aufgelegt hat, um 250 000 Euro – die Beraterprovision für die komplette Spielzeit 2020/2021. Dabei ist Klaassen seit dem 5. Oktober 2020 Spieler von Ajax Amsterdam - den absoluten Großteil der Saison verbrachte er also dort.

Die Agentur beruft sich auf den individuell mit Werder ausgehandelten Beratervertrag. Dort steht, dass bei Wechseln bis zum 31. August, also dem eigentlichen Ende der Transferperiode, keine Provision mehr vom Verein bezahlt werden muss. Eine im Profi-Fußball gängige Regel, ansonsten könnten Berater doppelt kassieren und Vereine müssten für Spieler noch Leistungen erbringen, die gar nicht mehr da sind.

Werder Bremen-Streit: Berater-Agentur um Sören Lerby fordert Provision für Davy Klaassen

Die Corona-Pandemie hat das Fußball-Jahr 2020 allerdings ziemlich durcheinandergebracht. Die Saison musste erst unterbrochen, dann verlängert werden. Die neue Spielzeit begann entsprechend später. Auch deshalb wurde die Sommer-Transferperiode bis zum 5. Oktober ausgedehnt. Das nutzten dann auch Davy Klaassen, Ajax Amsterdam und Werder Bremen. Der heute 28-Jährige wurde zum Last-Minute-Transfer. Die Bremer brauchten das Geld ganz dringend, denn die finanzielle Lage war durch die fehlenden Zuschauer-Einnahmen wegen der Geisterspiele extrem angespannt.

Da schmerzt eine Provisionsforderung von einem Berater natürlich noch mehr, vor allem, wenn sie aus Sicht von Werder nicht rechtmäßig ist. „Durch die Corona-Pandemie hat sich eine Ausnahmesituation und damit eine nicht vorhersehbare Veränderung der Transferperiode ergeben. Deshalb muss die Vereinbarung, dass die Provision bei einem Wechsel in der Sommer-Transferperiode wegfällt, aus unserer Sicht weiterhin wirksam sein“, sagt Tarek Brauer, Direktor Personal und Recht beim SV Werder, auf Nachfrage der DeichStube. Essels Sport Management sieht das anders, deshalb landete der Fall vor Gericht. Eine Besonderheit in der Werder-Geschichte. „Ich habe so etwas in meinen zehn Jahren hier noch nicht erlebt“, berichtet Brauer.

Werder Bremen-Statement zum Gerichtsstreit: „Wir vermuten, dass die Berater doppelt abkassieren wollen“

Dabei ist Geduld gefragt. Ein erster Gerichtstermin musste abgesagt werden, weil der Richter ausfiel. Der Nachfolger musste sich erst in den Fall einarbeiten, nun soll Anfang Dezember vor dem Landgericht Bremen verhandelt werden. „Wir vermuten, dass die Berater die Umstände der Pandemie und die Verschiebung der Transferphase nutzen und doppelt abkassieren wollen. Denn es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so, dass auch mit Ajax Amsterdam für die in Rede stehende Saison 20/21 ein Beratervertrag mit Provisionsregelung abgeschlossen worden ist“, sagt Brauer. Ein Vergleich sei bislang kein Thema gewesen.

Klarheit herrscht dagegen bei den Nachzahlungen von Ajax Amsterdam an den SV Werder. Dank des Double-Gewinns, zu dem Klaassen mit zahlreichen Einsätzen und Toren beigetragen hatte, erhielt Werder Bremen im Sommer nach Informationen der DeichStube einen Bonus von über 700 000 Euro. Ähnliche Summen könnten in den nächsten Jahren folgen - im Optimalfall würde Werder am Ende 14 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler kassieren. Klaassens Vertrag beim Champions-League-Teilnehmer läuft bis 2024. (kni)

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Keine Lust auf Länderspielpause: Werner will mit Werder lieber weiterjagen

Keine Lust auf Länderspielpause: Werner will mit Werder lieber weiterjagen

Keine Lust auf Länderspielpause: Werner will mit Werder lieber weiterjagen
Werder Bremen hofft: Wohninvest will sich am Weserstadion beteiligen und neues Geschäftsmodell etablieren

Werder Bremen hofft: Wohninvest will sich am Weserstadion beteiligen und neues Geschäftsmodell etablieren

Werder Bremen hofft: Wohninvest will sich am Weserstadion beteiligen und neues Geschäftsmodell etablieren
Clemens Fritz sieht Teamgeist als Werders großen Trumpf

Clemens Fritz sieht Teamgeist als Werders großen Trumpf

Clemens Fritz sieht Teamgeist als Werders großen Trumpf
Dickes Lob statt Vorwurf für Werder-Keeper Jiri Pavlenka

Dickes Lob statt Vorwurf für Werder-Keeper Jiri Pavlenka

Dickes Lob statt Vorwurf für Werder-Keeper Jiri Pavlenka

Kommentare