Werder-Coach kündigt an: „Meine Entscheidungen werden brutaler sein“

Skripniks große Abrechnung nach dem Desaster von München

Bayern München - Werder Bremen
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Für Viktor Skripnik und sein Trainerteam war es peinlich, von der Seitenlinie aus zu sehen, wie ihre Mannschaft in München untergeht.

München - Von Björn Knips. Der Uhrzeiger bewegte sich in der Allianz Arena schon Richtung Mitternacht, das Bremer Desaster von München war über zwei Stunden vorbei – da änderte Viktor Skripnik entscheidend seinen Kurs. Dieses blamable 0:6 (0:2) zum Bundesliga-Auftakt beim FC Bayern hatte dem Coach derart zugesetzt, dass er erstmals mit der Mannschaft brach, sie öffentlich kritisierte, sich dabei auch einzelne Spieler herausgriff und entschlossen ankündigte: „Meine Entscheidungen werden brutaler sein. Gott sei Dank treffe ich die Entscheidungen, das ist mein Vorteil.“

Viele Fans bezweifeln, dass das auch für Werder ein Vorteil ist – und das nicht erst seit der Bayern-Torflut durch Xabi Alonso (9.), Robert Lewandowski (13., 46., 77.), Philipp Lahm (66.) und Franck Ribery (73.). In München waren zwar keine „Skripnik-Raus“-Rufe zu hören wie nach dem ebenso peinlichen Pokalaus vor einer Woche in Lotte, aber dafür viele Pfiffe. In den sozialen Medien sind die Skripnik-Gegner klar in der Überzahl.

Doch Frank Baumann würgte jede Trainerdiskussion direkt nach Spielschluss ab. Der Sportchef behauptete sogar, dass sich „auf der Trainerposition in den nächsten Wochen nichts ändern wird“. Eine gewagte Ankündigung – aber auch der größtmögliche Vertrauensbeweis für einen angeschlagenen Trainer.

Und Skripnik gab das Vertrauen zumindest verbal schon einmal zurück. In der kleinen Medienrunde zu später Stunde versteckte sich der 46-Jährige nicht hinter Ausreden wie dem Fehlen wichtiger Leistungsträger, sondern präsentierte sich so entschlossen wie lange nicht. Er redete nicht um den heißen Brei herum, sondern verkündete einen klaren Plan, einen veränderten Umgang mit den Spielern. Personenschutz war gestern. Jetzt haut Skripnik voll drauf, was eigentlich bei Trainern verpönt ist.

Doch dem Ukrainer bleibt nach dem zweiten blutleeren Auftritt im zweiten Pflichtspiel fast keine andere Wahl mehr. „Ich versuche immer, meine Mannschaft in Schutz zu nehmen, diesmal kann ich das nicht machen. Ich habe kein Verständnis dafür, was passiert ist“, schimpfte Skripnik und gab einen Einblick in sein Seelenleben: „Für mich und mein Trainerteam war es echt peinlich, auf der Bank zu sitzen und das zu sehen. Es war überhaupt keine Konzentration da auf die ganz normalen Sachen im Fußball. Klar, wir vergessen nicht, gegen wen wir gespielt haben. Aber ich bin trotzdem jetzt der Arsch der Welt, der unter der Lupe und in der Kritik steht.“

Skripnik fühlt sich von seinen Spielern verschaukelt. Nach der Lotte-Pleite hätten sie sich selbstkritisch gezeigt und gesagt, „was der Trainer und der Geschäftsführer hören wollen. Und dann kommt so eine Leistung.“ Auch das Verhalten in der Kabine vor dem Anpfiff geht ihm inzwischen gehörig gegen den Strich. „Diese mutigen Sprüche vor dem Spiel in der Kabine wie ,Come on boys’ oder so. Dann wird noch gegen die Wand gehauen und später noch ein Kreis gemacht. Das sieht toll aus. Aber wichtig ist doch auf dem Platz.“

Und dort hat Skripnik keine Kämpfer, sondern nur ängstliche Mitläufer gesehen. „Es fehlt diese Überzeugung. Der Ribery hat einen Meter Platz. Der wurde nur verfolgt. Das einzige Ziel war doch, den Zweikampf nicht zu verlieren. Es wurde nur gehofft, dass er abspielt – und dann erleichtert festgestellt: Ja, er hat abgespielt, Gott sei Dank.“

Dabei hatte Skripnik schon reagiert und für den „netten Janek Sternberg“, wie er sagt, Luca Caldirola links verteidigen lassen: „Ich brauchte einen, der dazwischenhaut.“ Dem Italiener gelang das aber auch nur mäßig. Es passt zur fehlenden Konstanz, auf fast keinen Spieler ist dauerhaft Verlass. „Du musst über die Grenze gehen. Einmal geht Fin Bartels über die Grenze, und jeder schreibt ,super’. Aber ich will ihn jede Woche so sehen“, ärgert sich Skripnik und blickt noch einmal verärgert auf Bartels Platzverweis in Lotte wegen eines dummen Schubsers zurück: „Warum habe ich zum ersten Mal in meinen Leben einen Spieler mit einer Geldsumme bestraft? Weil ich die Schnauze voll hatte. Das war undiszipliniert. Das war zu einfach, das war Theater, das brauchen wir nicht.“

Skripnik glaubt, dass die Mannschaft nun eine harte Hand braucht. Die allerdings zunächst nur wenige treffen kann, denn viele Profis sind auf Länderspielreise – und Leistungsträger wie Max Kruse, Claudio Pizarro und Zlatko Junuzovic verletzt. Keine guten Voraussetzungen für das „Finale am zweiten Spieltag“, wie der Coach das Heimspiel in zwei Wochen gegen den FC Augsburg bezeichnet. Trotzdem macht er sich, den Spielern und den Fans nach dem Debakel von München Mut: „Wir werden aufstehen.“

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