Trainer bleibt zurückhaltend

Nouri im Aufschwung: „Ich dreh' jetzt nicht durch“

Es läuft derzeit für Alexander Nouri – und die Frage ist erlaubt, ob die ausgestreckte Hand nur ein Gruß ins Publikum ist oder doch der Hinweis auf fünf Spiele ohne Niederlage.
+
Es läuft derzeit für Alexander Nouri – und die Frage ist erlaubt, ob die ausgestreckte Hand nur ein Gruß ins Publikum ist oder doch der Hinweis auf fünf Spiele ohne Niederlage.

Bremen - Von Carsten Sander. Bei Werder Bremen läuft's, Trainer Alexander Nouri gewinnt Spiele und an Ansehen, zwingt sich aber zur Zurückhaltung.

Die Trainertagung in Mainz hat Alexander Nouri gerne mitgenommen. „Cool“ sei es gewesen, die Kollegen mal in einer anderen Umgebung zu treffen als nur an der Seitenlinie eines Bundesliga-Stadions. „Da bleibt ja nicht wirklich viel Zeit, sich kennenzulernen“, sagt Nouri, der am Montag die Gelegenheit nutzte, viele Gespräche mit vielen anderen Trainern zu führen. Es war seine Premiere im Kreis teils schon altgedienter und etablierter Bundesliga-Coaches und gewissermaßen auch ein weiterer Schritt in eine Richtung, die Nouri sehr gefällt.

Denn irgendwann will der 37-Jährige auch einer dieser etablierten Fußball-Lehrer sein, einer, der das Geschäft seit Jahren kennt, ein alter Hase also. Dieter Hecking, 52 Jahre alt und seit kurzem Coach von Borussia Mönchengladbach, ist so ein alter Hase. Mit ihm habe sich Nouri lange unterhalten und ausgetauscht, sagt der Werder-Trainer: „So bekommst du Einblicke, lernst dich auch mal auf einer anderen Ebene kennen.“ Thomas Schaaf, Nouris Vor-Vor-Vorgänger war auch da. Ein Trainertreffen ist eben auch ein Promitreffen. Und Nouri war dabei, hat es genossen: „Es war gut.“

Gemessen an den Amtszeiten der meisten anderen Tagungsteilnehmer ist der Werder-Trainer noch ein ziemlicher Newcomer. 19 Bundesliga-Spiele stehen erst in seiner Vita – aber die letzten fünf hatten es in sich. Vier Siege, ein Unentschieden – die Mannschaft hat in diesen Partien gezeigt, dass sie in die erste Liga gehört. Und Nouri auch.

Dass hinter diesem Satz kein Fragezeichen mehr steht, hat natürlich mit der Erfolgsserie zu tun. Aber auch damit, dass Alexander Nouri mittlerweile von den eigenen Spielern geadelt wird. So hatten Zlatko Junuzovic und Robert Bauer nach dem überzeugenden 3:0 gegen RB Leipzig die Zusammenarbeit mit Nouri und dessen Assistenten lobend hervorgehoben. Die Spieler, so macht es den Anschein, sind zufrieden mit Nouri. Und das muss natürlich immer im Zusammenhang mit der noch ungeklärten Zukunft des Übungsleiters gesehen werden.

Sein aktueller Vertrag läuft am Saisonende aus, über eine Ausdehnung des Kontrakts soll frühestens im Fall des Klassenerhalts gesprochen werden. Daran hält sich Nouri und gibt sich bis dahin geduldig. Die warmen Worte der Spieler registriert er, freut sich auch drüber („Wer würde das nicht?“), schiebt sie aber auch schnell wieder beiseite. „Solche Aussagen bestätigen unsere gesamte Arbeit. Ich bin aber keiner, der deswegen jetzt durchdreht“, sagt er.

Nouri lässt sich nicht von Begeisterung vereinnahmen

Denn er weiß um die enorme Wandlungsfähigkeit des Klimas in der Bundesliga. Im Februar galt er schon als so gut wie entlassen, im März wird er gefeiert. Welchem Trend soll er da vertrauen? Und nur zur Erinnerung: Zum Ausklang des vergangenen Jahres hatte Werder unter Nouri schon einmal eine Serie von fünf Spielen ohne Niederlage hingelegt. Doch es folgte der Mega-Fehlstart ins neue Jahr mit vier Niederlagen am Stück. „Ich weiß aus der Erfahrung der letzten Wochen, wie schnell sich alles ändern kann“, meint der Deutsch-Iraner also und lässt sich nicht von der aktuell aufkommenden Begeisterung vereinnahmen.

Manchmal kämpft sich aber doch ein Fetzen Genugtuung durch das Bollwerk der Zurückhaltung. Zum Beispiel bei der Nachbetrachtung des Erfolges über Emporkömmling Leipzig. „Die Art und Weise des Sieges“, so Nouri zufrieden, „hat wohl nicht jeder erwartet.“ Dass Werder seither als ein Team gilt, das zu gut ist für den Abstiegskampf und sich folglich in Kürze aus dem Tabellenkeller verabschieden wird, sei aber voreilig gedacht, mahnt Nouri: „Diese Leistung müssen wir permanent bestätigen. Es ist nicht selbstverständlich, dass das gelingt.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Werder und der Transfermarkt: Mehr Lauerstellung als Lehnstuhl

Werder und der Transfermarkt: Mehr Lauerstellung als Lehnstuhl

Werder und der Transfermarkt: Mehr Lauerstellung als Lehnstuhl
Ole Werner freut sich auf die Werder-Revanche gegen Paderborn: „Es wird zur Sache gehen“

Ole Werner freut sich auf die Werder-Revanche gegen Paderborn: „Es wird zur Sache gehen“

Ole Werner freut sich auf die Werder-Revanche gegen Paderborn: „Es wird zur Sache gehen“
Ausgerechnet gegen Paderborn -  Manuel Mbom bei Werder vor dem Startelf-Comeback

Ausgerechnet gegen Paderborn - Manuel Mbom bei Werder vor dem Startelf-Comeback

Ausgerechnet gegen Paderborn - Manuel Mbom bei Werder vor dem Startelf-Comeback
Werder Bremen und die 2. Liga im News-Ticker: Hannover 96 benennt Stadion um - Corona-Ausbruch in Heidenheim

Werder Bremen und die 2. Liga im News-Ticker: Hannover 96 benennt Stadion um - Corona-Ausbruch in Heidenheim

Werder Bremen und die 2. Liga im News-Ticker: Hannover 96 benennt Stadion um - Corona-Ausbruch in Heidenheim

Kommentare