Kommentar zur Krise beim SV Werder Bremen

Der Trainer ist die „ärmste Sau“

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Werder-Trainer Robin Dutt

Bremen – Von Michael Baltes. Die Situation ist prekär. Der SV Werder Bremen steht in der Bundesliga nach dem siebten Spieltag sieglos auf dem letzten Tabellenplatz. Während im Verein laut über ein Strategiewechsel nachgedacht wird, fordern Teile der Medien den Rauswurf von Robin Dutt. Doch reicht es, die Schuld beim Trainer zu suchen?

„Oh wie ist das schön“, hallte es durch das weite Rund des Weserstadions. Begeistert ob der Vorstellung ihres Teams fühlten sich die Bremer Anhänger schon an gute alte Champions-League-Zeiten der Grün-Weißen erinnert. 3:0 hatte Werder gerade den großen FC Chelsea besiegt. Die Vorfreude auf die anstehende Bundesligasaison war groß. Das war Anfang August. Rund zwei Monate, vier Unentschieden und drei Niederlagen in der Liga später, hat sich alles geändert - das Chelsea-Spiel sich als Trugschluss entpuppt.

Werder steckt in der Krise. Mit nur vier Punkten grüßt der Traditionsclub von der Weser vom Tabellenende. Die gute Stimmung und Euphorie ist längst verflogen. Stattdessen brodelt es gewaltig bei den Grün-Weißen. Während sich bei den Bremern Präsident, Gesellschafter und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer für einen Kurswechsel in der Finanzpolitik ausspricht, wird unter den Fans und in Teilen der Medien heftig über Trainer Robin Dutt diskutiert. Die „Bild“-Zeitung fordert gar: „Dutt raus! Sonst geht Werder unter“.

Es sind Diskussionen und Schlagzeilen, die in solch einer Situation zwangsläufig aufkommen. Nicht selten muss kurze Zeit später der Coach seinen Hut nehmen. So geschehen vor wenigen Wochen in Hamburg und jüngst auch auf Schalke. In Bremen sind die Mechanismen - schon fast traditionell - etwas anders. Demonstrativ hat Werders Sportchef Thomas Eichin Dutt auch nach dem 1:1 gegen Freiburg noch den Rücken gestärkt. „Robin Dutt hat meine hundertprozentige Unterstützung“, sagte Eichin im „Sportclub“ des NDR. Und das ist gut so.

Dutt allein für die Krise verantwortlich zu machen, ist zwar plakativ – aber zu einfach. Ja, Dutt hat sicherlich Fehler gemacht, das steht außer Frage. Er hat Werder im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten aber ebenso vorangebracht und spielerisch weiterentwickelt. Auch wenn der Tabellenstand das aktuell nicht widerspiegelt. Dass Werder jetzt ganz unten steht, ist das Resultat einer Entwicklung, die sich über Jahre vollzogen hat – nicht allein unter Dutt. Deshalb ist der Trainer „die ärmste Sau, der Gelackmeierte“, um es in den Worten von Mario Basler zu sagen. Und auch wenn Baslers Worte in der Regel nicht auf die Goldwaage gelegt werden dürfen, trifft es der Ex-Profi mit einer anderen Aussage ebenfalls auf den Punkt. „Man hätte sich vielleicht mal früher überlegen sollen, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen und ein paar Spieler zu holen, anstatt sich tot zu sparen und in der Zweiten Liga zu landen.“

Werder muss den Abstiegskampf annehmen

Die Bundesliga ist ein schnelllebiges Geschäft. Wer hier den Anschluss verpasst und nicht mit der Zeit geht, der droht in der Versenkung zu verschwinden. Ob die dabei oftmals an den Tag gelegte Schuldenpolitik gut zu heißen ist oder nicht. In bestimmten Situationen muss gehandelt werden. Eichin und Dutt haben vor Saisonstart nicht ohne Grund versucht, finanzielle Mittel für weitere Transfers beim Aufsichtsrat loszueisen. Das Ergebnis ist bekannt.

Werders Kader ist zu schwach, um in der Bundesliga attraktiven und gleichzeitig erfolgreichen Fußball zu spielen, wie es nicht nur die Fans in Bremen gerne sehen würden. „Sich hinten reinzustellen und die Bälle lang nach vorne zu schlagen, das kann es nicht sein“, formuliert es Aufsichtsratsmitglied Bode. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Dutt – auch in Absprache mit seinem Mannschaftsrat - bisher an seiner Spielidee festgehalten hat. Denn bei dem spielerischen Potenzial über das Werder derzeit verfügt, scheint hohes Pressing gegen den Ball und schnelles Kontern aus der Abwehr heraus, trotz des hohen Risikos, noch die erfolgversprechendste Taktik, um halbwegs ansehnlich und zugleich erfolgreich Fußball zu spielen.

Werder ist mittlerweile allerdings an einem Punkt angekommen, an dem das „ansehnlich“ ausgeklammert werden muss, weil der Erfolg bisher ausgeblieben ist. Das muss nun auch Dutt erkennen, auch wenn es in der Entwicklung einen Schritt zurück bedeutet und nicht jedem in Bremen gefallen wird. Gegen spielstarke Gegner hinten mit viel Kampf und Leidenschaft kompakt stehen und durch Konter auf Punkte hoffen. Das ist Abstiegskampf. Und genau das kann der Weg aus der Krise sein, bis im Winter der Kader mit Investitionen nachgebessert werden kann und Dutt dann die Möglichkeit hat, Werders spielerische Entwicklung weiter voranzutreiben, so wie er es bisher getan hat.

Dafür braucht es keinen neuen Trainer, dafür braucht es neue Spieler.

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