Erst pfui, dann hui – 2:2

Hugo Almeida hauchte Werder mit seinem Anschlusstreffer wieder Leben ein.

Bremen - Von Arne Flügge und Björn Knips - Es bleibt auch nach dem siebten Versuch dabei: Zum Auftakt der Champions League kann Werder Bremen einfach nicht gewinnen. Der Bundesligist musste sich gestern Abend im Heimspiel gegen Tottenham Hotspur mit einem 2:2 (1:2) begnügen.

Ein Punkt, der erst gar nicht möglich schien. Denn die zunächst völlig indisponierten Gastgeber lagen früh mit 0:2 zurück, bewiesen dann aber noch Moral und Leidenschaft.

Thomas Schaaf hatte nach einer Saison ohne Champions League offenbar richtig Lust, Europas Fußball-Herzen mit Bremer Angriffslust zu erobern: Der Werder-Coach verordnete seinem Team mehr Offensive als noch am Samstag beim Bundesliga-Hit in München. Für Mittelfeldspieler Aaron Hunt stürmte Hugo Almeida als zweite Spitze neben Marko Arnautovic.

Werder holt Punkt gegen Tottenham

Doch der Schuss ging vor 30 344 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Weserstadion so richtig nach hinten los. Werder agierte völlig ideenlos, fast schon ängstlich. Vielleicht lag’s auch an der Totengräberstimmung in der Ostkurve. Die Fans, die dort und damit auch im Stadion normalerweise den Ton angeben, waren in den Streik getreten. Ein Spruchband mit dem Aufdruck „Soziale Verantwortung auch bei Ticketpreisen?“ deutete die Problematik an. Und vor dem Stadion hatte ein Banner darauf hingewiesen, dass den Fans das Geld für die sonst übliche Kurven-Choreographie fehlt.

Die 2 000 lautstarken Tottenham-Fans mussten sich wie bei einem Heimspiel vorgekommen sein – zumal ihr Team auch ohne den verletzten Luka Modric so aufspielte. Besser hätte die Champions-League-Premiere für den Club aus London zunächst gar nicht laufen können. Gareth Bale ließ Clemens Fritz stehen, flankte – und in der Mitte endete Petri Pasanens Rettungsversuch vor Peter Crouch im eigenen Netz (12.). Aber es kam noch schlimmer: Nach einer Flanke des Ex-Hamburgers Rafael van der Vaart ließ „Riese“ Crouch Werders Pasanen mit einem Kopfball in der dritten Etage ganz klein aussehen – 2:0 (18.).

Die Einzelkritik: Marin wie aufgedreht

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Ein Desaster drohte. Aber Keeper Tim Wiese verhinderte zwei Mal gegen Bale (31. und 36.) einen höheren Rückstand. Schaaf reagierte, nahm den schwachen Barg-frede runter und brachte Hunt (37.). Doch nichts änderte sich, bis Almeida traf – und das quasi aus dem „Garnichts“. Die Hereingabe von Wesley schien so harmlos, doch Tottenham-Keeper Carlo Cudicini und Innenverteidiger Ledley King machten es dem Portugiesen ganz einfach (43.).

Der Bundesligist war nach 643 Tagen ohne Champions League endlich in der „Königsklasse“ angekommen und eröffnete Halbzeit zwei mit einem Paukenschlag: Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff zauberte Marko Marin die Kugel per Flachschuss ins Netz. 2:2 – wer hätte das vor einer halben Stunde gedacht?

Die Gäste aus England waren geschockt, schließlich mussten sie auch noch den angeschlagenen van der Vaart ersetzen. Beinahe hätte ihnen Almeida prompt den „Todesstoß“ verpasst, doch sein Schuss zischte knapp über den Kasten (55.). Die Werder-Fans waren trotzdem begeistert – und mühten sich auch ohne die üblichen Antreiber aus dem „Osten“, ihr Team anzufeuern.

Bei Marin kam’s offenbar am besten an. Der Wirbelwind spielte die Londoner im Strafraum schwindelig und verpasste nur ganz knapp die Führung (67.). Genauso wie sechs Minuten später Hunt. Der Sieger hätte nun Werder heißen müssen. Aber so haben die Bremer auf dem Weg ins angepeilte Achtelfinale wegen einer indiskutablen ersten Halbzeit zwei wertvolle Punkte verschenkt. In zwei Wochen bei Titelverteidiger Inter Mailand wird’s gewiss nicht leichter.

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