Werder-Torwart Felix Wiedwald im Interview

„Die 1 brauche ich nicht“

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Werder-Keeper Felix Wiedwald

Bremen - Von Malte Rehnert. Felix Wiedwald geht in seine zweite Saison als Bremer Stammtorwart – und die neue Spielzeit soll möglichst etwas ruhiger verlaufen als die vergangene, als Werder fast abgestiegen wäre und Wiedwald üppige 65 Gegentore in der Bundesliga kassierte.

Im Interview verrät der 26-Jährige aber nicht nur seine sportlichen Ziele – er spricht auch über sein pinkes Outfit, seinen neuen Konkurrenten Jaroslav Drobny und sein (fast beendetes) Fernstudium im Bereich Fußballmanagement.

Herr Wiedwald, was sagen Sie als Manager-Experte zu den bisherigen Transferbewegungen bei Werder? 

Felix Wiedwald: Ich würde mich nicht als Experten bezeichnen. Es ist viel passiert. Frank Baumann macht seine Sache super. Der teuerste Transfer war der von Max Kruse.

Wie beurteilen Sie ihn? 

Wiedwald: Jeder kennt ihn in der Bundesliga. Ein Super-Spieler, der es bis in die deutsche Nationalmannschaft geschafft hat. Das letzte Jahr ist für ihn nicht so gut gelaufen. Umso schöner, dass wir ihn für uns gewinnen konnten.

Hebt er deutlich die Qualität bei Werder? 

Wiedwald: Er bringt viel Erfahrung mit, unter anderem aus der Champions League. Andere Spieler bei uns können zu ihm aufschauen.

Sind Sie überrascht, dass er von einem Champions-League-Starter zu einem Fast-Absteiger wechselte? 

Wiedwald: Er wollte einen Neustart, den bekommt er hier. Er will einfach mit guten Leistungen wieder auf sich aufmerksam machen.

Ist Werder – auch durch Kruse – nun stärker als in der Vorsaison?

Wiedwald: Schwer zu beurteilen. Man muss sehen, dass uns einige Spieler verlassen haben. Dafür sind andere dazugekommen. Man wird erst im Laufe der Saison sehen, wo wir stehen. Insgesamt sind wir breit aufgestellt.

Reicht das für ein sorgenfreies Bundesliga-Jahr? 

Wiedwald: Wir nehmen uns viel vor und wollen alle nicht noch so eine Saison wie die vergangene erleben. Das wünscht sich jeder. Es hat sehr an den Nerven gezerrt.

Was stimmt Sie optimistisch, dass es klappt? 

Wiedwald: Wir haben in der Vorbereitung zwar nicht die erfolgreichsten Ergebnisse erzielt. Trotzdem sind wir guter Dinge, arbeiten viel im taktischen Bereich. Vor der letzten Saison haben wir viele Tests gewonnen, auch zu null. Aber dann hat es in der Liga nicht geklappt. Man darf also die Testspiele nicht überbewerten.

Vier Innenverteidiger sind gegangen, vier gekommen: Sie haben eine komplett neue Abwehrzentrale vor sich. Ein Problem für einen Torwart? 

Wiedwald: Nein. Die Neuen bringen viel Erfahrung mit. Die Vorbereitung ist dafür da, um sich einzuspielen. Wir haben uns schnell kennengelernt, die Kommandos stimmen. Das passt alles.

In der aktuellen Vorbereitung wird bei auch den Torhütern viel Wert auf die spielerische Komponente gelegt. Haben Sie da den größten Nachholbedarf? 

Wiedwald: Das sehe ich nicht so. Wenn man sich die Statistik der angekommenen Bälle ansieht – da war ich in der vergangenen Saison im oberen Bereich angesiedelt. In der Vorbereitung war der Torwart mehr eingebunden, das stellt mich aber nicht vor größere Probleme. Ich habe mich da auch weiterentwickelt.

Wie gefällt Ihnen die neue, knallpinke Torwartkluft? 

Wiedwald: (lächelt) Sie ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Als Alternativen gibt es Gelb und Schwarz – Ihr Favorit?

Wiedwald: Eigentlich ist es mir relativ egal. In der vergangenen Saison habe ich gerne das rote Trikot getragen, das stand mir ganz gut (schmunzelt).

Als Sie das erste Mal komplett Pink trugen, gab es im Internet Vergleiche mit dem Textmarker „Stabilo Boss“. 

Wiedwald: Ja, das habe ich gesehen.

Wie haben Sie reagiert? 

Wiedwald: Ich fand es ganz witzig. Der HSV hat ja jetzt auch ein pinkes Trikot. Mut zur Farbe gehört heutzutage dazu. In Italien haben viele Mannschaften oder auch Schiedsrichter mal Pink an.

Glauben Sie an Farbpsychologie? Es heißt, wenn ein Torwart solche grellen Farben trägt, sind die Stürmer nervöser beim Abschluss. 

Wiedwald: Ich kann nicht beurteilen, ob es so ist. Mich macht es jedenfalls nicht nervös. Vielleicht werden die Stürmer ein bisschen geblendet (lacht). Ein Fan hat mir mal erzählt, dass das rote Trikot so eine Signalkraft hat. Aber mit dem habe ich nicht ein Mal zu Null gespielt . . . Es kommt eher auf die Präsenz eines Torwarts an.

Sie haben einen neuen Konkurrenten. Wie ist das Miteinander mit Jaroslav Drobny? 

Wiedwald: Gut. Er ist sehr professionell und hat sich schnell in die Gruppe eingebracht. Er hat viele Stationen hinter sich, viele Erfahrungen gesammelt. Es ist immer wichtig, so einen Typen in der Mannschaft zu haben.

Drobny soll, das hat Theodor Gebre Selassie kürzlich erzählt, ziemlich locker und lustig sein. 

Wiedwald: Das stimmt auch.

Den Medien gegenüber ist er aber extrem zurückhaltend, kam im Trainingslager im Zillertal nur widerwillig zum Gespräch und war dann sehr bissig. Wie finden Sie das? 

Wiedwald: Er hat offenbar mal schlechte Erfahrungen gemacht. Und es ist jedem selbst überlassen, wie er damit umgeht.

Aber gehört die Medienarbeit nicht zum Beruf eines Profifußballers? 

Wiedwald: Sie ist ein Teil davon. Aber der eine möchte mehr mit den Medien arbeiten, der andere weniger.

Sie selbst drängen sich auch nicht gerade vor jede Kamera oder jedes Mikrofon oder jeden Schreibblock.

Wiedwald: Ich finde eben, dass man nicht zu viel preisgeben muss.

Sehen Sie Drobny als sportliche Gefahr? 

Wiedwald: Ich muss meine Leistung abrufen, wie ich es vergangene Saison – mit ein paar Abstrichen – getan habe. Wenn ich das tue, führt kein Weg an mir vorbei.

Sie tragen als Stammkeeper nach wie vor die „42“ – wollten Sie die „1“ nicht? 

Wiedwald: Ich weiß ja, dass ich die Nummer eins bin. Da brauche ich die Zahl nicht noch auf dem Trikot zu haben. Bis jetzt hatte ich auf keiner meiner Stationen die „1“, so mache ich einfach weiter.

Und warum noch mal ausgerechnet die „42“?

Wiedwald: Das war meine erste Nummer, als ich einen Profivertrag unterschrieben habe. Und als ich zurückkam, war sie frei – da habe ich sie wieder genommen. Philipp Bargfrede spielt auch noch mit der 44, die er damals bei den Werder-Profis erhalten hat. Und es ist ja auch das Gründungsdatum von Werder (4. Februar 1899, d. Red.). Das kann man immer gut anbringen (lacht).

Mit welchen Zielen starten Sie in die neue Saison? 

Wiedwald: Weniger Gegentore natürlich – und mehr Zu-Null-Spiele, gerne diesmal auch etwas eher (in der Vorsaison gelang es erst am 33. Bundesliga-Spieltag, d. Red.). Solche Spiele wie in Wolfsburg (0:6) wollen wir vermeiden. Das haben wir auch klipp und klar angesprochen. Und als Mannschaft wollen wir an die Rückrunde anknüpfen und einen einstelligen Tabellenplatz anstreben.

Abschließend zu Ihrem Fernstudium an der Management-Hochschule IST. Warum machen Sie das? 

Wiedwald: Es ist immer gut, wenn man sich weiterbildet. Man sollte sich nicht nur auf eine Sache konzentrieren. Profisport ist schön und gut – aber man weiß nie, wie lange es geht. Und ich finde es auch wichtig, nach dem Hochleistungssport noch etwas für den Kopf zu tun.

Wie intensiv ist das Studium? 

Wiedwald: Das kann man sich frei einteilen, man muss nur zwischendurch Arbeiten einsenden. Das Studium dauert 18 Monate. Nach dem Abschluss kann ich mir überlegen, ob ich es noch weiterführe. Dieser Studiengang war nur der erste Schritt.

Sie sind bereits fertig damit? 

Wiedwald: Ich muss nur noch die Abschlussprüfung bestehen. Die ist an zwei Tagen. Im Herbst werde ich sie machen, den Standort dafür kann ich mir aussuchen.

Fußballmanager – Ihr Ziel nach der aktiven Karriere?

Wiedwald: Was genau ich dann mache, weiß ich noch nicht. Ich möchte aber dem Fußball irgendwie verbunden bleiben. Er gehört zu meinem Leben dazu. Vielleicht werde ich auch Torwarttrainer.

Oder irgendwann Nachfolger von Sportchef Frank Baumann bei Werder . . . 

Wiedwald: Diese Position stelle ich mir nicht unbedingt vor. Etwas Kleineres würde völlig ausreichen.

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