Werder schießt ein halbes Dutzend Tore

Mehr als ein Füllkrug-Effekt? Warum Werder Bremen plötzlich wieder torgefährlich ist

Yuya Osako, Niclas Füllkrug und Co. durften beim Kantersieg des SV Werder Bremen gegen den 1.FC Köln endlich mal wieder jede Menge Tore feiern,
+
Yuya Osako, Niclas Füllkrug und Co. durften beim Kantersieg des SV Werder Bremen gegen den 1.FC Köln endlich mal wieder jede Menge Tore feiern,

Bremen – Für Maximilian Eggestein ist es ein „Phänomen des Sports“, meinte der Profi des SV Werder Bremen nach dem 6:1-Kantersieg gegen den 1. FC Köln: „Wenn es schlecht läuft, dann gerätst du gefühlsmäßig in so einen Strudel. Und wenn es läuft, dann läuft es plötzlich wie geschmiert.“

So einfach sah das gegen Köln tatsächlich aus, was allerdings auch an bereits im Ferien-Modus weilenden Gästen lag. Aber so einfach ist das für einen Florian Kohfeldt nicht, der Werder-Coach nannte andere Gründe für die neue Torgefahr seines Teams. Und es ist mehr als nur der Füllkrug-Effekt.

„Es war heute das erste Mal in dieser Saison, dass Niclas Füllkrug, Yuya Osako und Milot Rashica zusammen spielen konnten“, betonte Kohfeldt. Verletzungsbedingt sei das bislang nicht möglich gewesen, was vor allem am Kreuzbandriss von Füllkrug Mitte September lag. Aber auch Osako und Rashica hatten so ihre Probleme. „Yuya ist endlich wieder in dem körperlichen Zustand wie zu Beginn der Saison“, meinte Kohfeldt. 

Werder Bremen: Plötzlich dribbelt Milot Rashica wieder durch die gegnerische Abwehr

Und er müsse ihn dank anderer Alternativen (wie vor allem Füllkrug) nicht mehr als einzige Spitze bringen. „Da fühlt er sich zu alleine“, erklärte der Coach. Und es ist nicht zu übersehen, wie Osako in den vergangenen Wochen aufgeblüht ist. In den letzten vier Partien hat er vier Tore erzielt und einen weiteren vorbereitet.

Gegen Köln gelang ihm die so wichtige Führung (22.), dann legte Milot Rashica nach (27.). Es war der erste Bundesliga-Treffer des Kosovaren für Werder seit dem 8. Dezember beim (Achtung, wie passend) 1:6 gegen den FC Bayern. Dieses Tor war mehr als nur eine Flasche Balsam auf seine geschundene Stürmer-Seele, es war ein ganzer Kanister. Plötzlich dribbelte Rashica wieder durch die gegnerische Abwehrreihe – wie vor dem 4:0, als der Ball am Pfosten landete, dann aber von Davy Klaassen über die Linie gedrückt wurde (55.).

Werder Bremen: Niclas Füllkrug sorgt für Gänsehaut-Gefühl im Weserstadion

Dazwischen hatte ein gewisser Niclas Füllkrug einmal mehr für ein Gänsehaut-Gefühl im leeren Weserstadion gesorgt. Neun Monate nach seinem Kreuzbandriss war ihm schon beim Comeback in Paderborn ein Treffer geglückt, nun traf er auch bei seiner Startelf Premiere – und das nach Friedl-Hereingabe in bester Mittelstürmer-Manier (29.). Sofort schoss einem in den Kopf: Was wäre passiert, wenn dieser Füllkrug die ganze Saison gespielt hätte?

Auch in Kohfeldts Kopf spielte das nach der Rettung vor dem direkten Abstieg eine Rolle. „Es überrascht mich nicht, dass wir diesen Fußball spielen können. Wir haben immer betont, dass unsere Stürmer diese Qualität haben“, sagte der 37-Jährige und erklärte: „Es ist auch eine gute Mischung mit einem dynamischen Stoßstürmer wie Josh Sargent oder Niclas Füllkrug oder Davie Selke, einem spielenden Stürmer wie Yuya Osako und einem Stürmer mit der Geschwindigkeit eines Rashica. Und dieses Zusammenspiel hat uns heute sehr gutgetan.“ Dass er dabei tatsächlich auch Selke erwähnt hatte, ist durchaus bemerkenswert. Der Winter-Einkauf aus Berlin hat bislang total enttäuscht, durfte sich gegen Köln nur warm machen. Doch Kohfeldt will sich im Abstiegskrimi alle Optionen offenhalten, vielleicht wird ein Selke doch noch gebraucht.

Werder Bremen-Stürmer Josh Sargent hatte Cleverness im Strafraum lange Zeit vermissen lassen

Schließlich ist es immer noch ein gewisses Vabanque-Spiel mit Niclas Füllkrug – nicht wegen seines Knies. Da haben die Mediziner grünes Licht gegeben. Aber nach so einer langen Pause tauchen gerne mal andere Probleme auf. Deshalb ist Kohfeldt auch vorsichtig, er nahm den Stürmer nach starker Leistung zur Pause raus. Selbst den Startelf-Einsatz hatte er sich nicht leicht gemacht und sich zuvor im Umfeld des Spielers, den er schon in der Jugend trainiert hat, erkundigt: „Ich kenne ihn so gut, dass ich weiß, er würde alles tun, um zu spielen. Er würde mir auch bei Schmerzen sagen: Trainer, alles in Ordnung, lass mich spielen! Deswegen habe ich mich breiter informiert.“

Bei Josh Sargent war das nicht notwendig, der junge US-Amerikaner ist absolut fit. Sein Problem: die Torgefahr. Doch auch das sollte sich ändern. Nach Osakos 5:0 (58.) hatte Dominick Drexler für Köln verkürzt (62.). Der so wichtige Vier-Tore-Vorsprung schien plötzlich in Gefahr, doch Sargent stellte mit viel Durchsetzungsvermögen und cleverem Abschluss schnell den alten Abstand wieder her – 6:1 (68.). Diese Leichtigkeit im Strafraum hatte der 20-Jährige bei Werder Bremen lange Zeit vermissen lassen.

Werder Bremen nach nur neun Toren in 16 Heimspielen plötzlich im Torrausch

Aber so ist das vielleicht, wenn sich eine Mannschaft nach nur neun Treffern in 16 Heimspielen plötzlich in einen Torrausch spielt. Eigentlich ganz einfach, aber genau das ist es eben auch nicht. Und Florian Kohfeldt weiß nur zu genau, dass es für Werder Bremen keine Garantie auf eine Fortsetzung in der Relegation gibt. „Das hört sich an wie eine Pressekonferenz nach Platz sechs oder sieben“, meinte er nach den vielen positiven Fragen bei der Video-Schalte: „Nicht dass hier ein falscher Zungenschlag reinkommt. Wir haben noch nichts erreicht.“

Aber für die anstehende Relegation sei diese sportliche Entwicklung und die wiederentdeckte Torgefahr des SV Werder Bremen sehr wichtig: „Die Mannschaft weiß, dass wir aus diesen Positionen da vorne Tore schießen können – und jeder einzelne Spieler da vorne weiß das auch.“ (kni)

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Wie werde ich Gleisbauer/in?

Wie werde ich Gleisbauer/in?

"Wurm drin": Vettel-Frust bei Neustart - Bottas gewinnt

"Wurm drin": Vettel-Frust bei Neustart - Bottas gewinnt

Wolfsburgerinnen nehmen jetzt das Triple ins Visier

Wolfsburgerinnen nehmen jetzt das Triple ins Visier

Tote und Verwüstungen nach schweren Unwettern in Japan

Tote und Verwüstungen nach schweren Unwettern in Japan

Meistgelesene Artikel

Wechsel statt Rückkehr zu Werder Bremen: Thore Jacobsen von Magdeburg in die Zweite Liga?

Wechsel statt Rückkehr zu Werder Bremen: Thore Jacobsen von Magdeburg in die Zweite Liga?

Vertrag bis 2023 verlängert: Werder wirbt weiter für Wettanbieter Betway

Vertrag bis 2023 verlängert: Werder wirbt weiter für Wettanbieter Betway

Orakel bei Werder Bremen: Frau Kohfeldt prophezeit Bremer 6:1 gegen Köln

Orakel bei Werder Bremen: Frau Kohfeldt prophezeit Bremer 6:1 gegen Köln

Milot Rashica vor Wechsel zu RB Leipzig? Werder-Boss Marco Bode: „Gibt noch ungeklärte Fragen“

Milot Rashica vor Wechsel zu RB Leipzig? Werder-Boss Marco Bode: „Gibt noch ungeklärte Fragen“

Kommentare