Glorreich in Grün und Weiß

Bode, Baumann und Co.: Die Top-Elf der Nordderby-Helden

Von „Pico“ Schütz bis Florian Kainz: In 106 Bundesliga-Duellen und geschichtsträchtigen Duellen im DFB-Pokal und Uefa-Cup hat das Nordderby große Bremer Gewinner produziert.
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Von „Pico“ Schütz bis Florian Kainz: In 106 Bundesliga-Duellen und geschichtsträchtigen Duellen im DFB-Pokal und Uefa-Cup hat das Nordderby große Bremer Gewinner produziert.

Bremen - Das Nordderby hat in seiner Historie schon viele Helden geboren – bei Werder Bremen ist es gleich eine ganze Elf.

Die Geschichte der großen Emotionen beginnt am 12. Oktober 1963 – also vor beinahe 54 Jahren. Erstmals stehen sich an diesem Tag die Nordrivalen Werder Bremen und Hamburger SV in der neu gegründeten Bundesliga gegenüber, und Arnold „Pico“ Schütz wird beim Bremer 4:2-Sieg mit drei Toren zum ersten Bremer Derby-Helden.

Wenn sich der Hamburger SV und Werder Bremen am Samstag (18.30 Uhr) zum 107. Nordderby der Bundesliga-Historie (plus sieben im DFB-Pokal und zwei im Uefa-Pokal) treffen, wird möglicherweise wieder ein Held geboren – im HSV- oder im Werder-Trikot. Die Redaktion der „DeichStube“ hat in der Vergangenheit gewühlt und aus den bisherigen Duellen die Elf der glorreichen grün-weißen Derby-Heroen herausgefiltert.

Tim Wiese

Sagen wir es so: Obwohl Wiese schon längst vom Fußballer mit Werder-Herz zur Ich-AG mit Muskeln und Tattoos mutiert ist, lässt sich nicht ausschließen, dass die pure Erwähnung seines Namens unter HSV-Fans immer noch heftige Reaktionen auslöst. Denn Wiese hat den Hamburgern wirklich übel mitgespielt. Der Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic 2008 gehörte dabei nicht zu den Ruhmestaten, sondern laut Franz Beckenbauer eher in die Kategorie „Mordversuch“.

Doch ein Jahr später wird Wiese zur größten Derby-Figur aller Zeiten. Er hält im Halbfinale des DFB-Pokals drei Elfmeter gegen den HSV, er gewinnt auch das Halbfinale im Uefa-Cup und in der Bundesliga. Der Derby-Wahnsinn mit vier Duellen in 19 Tagen trägt auch und vor allem Wieses Namen. Dass er sich nach einem dieser Spiele zu den Werder-Fans auf den Zaun stellt und „Scheiß HSV“ in ein Megaphon brüllt, macht ihn bei den Bremer Fans nicht unbeliebter.

Horst-Dieter Höttges

420 Mal lief er zwischen 1964 und 1978 für Werder auf – dabei hieß der Gegner 28 Mal Hamburger SV. Kein anderer Bremer bestritt mehr Nordderbys als „Eisenfuß“ Höttges. „Er ging keinem Zweikampf aus dem Weg, kämpfte aber immer mit offenem Visier“, sagte HSV-Ehrenspielführer Uwe Seeler einst über den mittlerweile 74-Jährigen.

Arnold „Pico“ Schütz (†)

Wie Höttges ein Mann der ersten Stunde, was die Nordderbys betrifft – und der Erste, der in der Bundesliga Derby-Geschichte schreibt. Bei der Premiere des Nordduells in der neuen Liga 1963 trifft Werder-Kapitän Schütz zunächst per abgefälschtem Freistoß, dann mit einem Sonntagsschuss aus der Distanz. „Den habe ich erst gesehen, als er schon im Tor war“, sagt HSV-Keeper Horst Schnoor. Bei Tor Nummer drei muss „Pico“ Schütz nur noch den Fuß hinhalten. Der Dreierpack vor 39 000 Zuschauern im Weserstadion ist perfekt und Schütz noch mehr Bremer Liebling als zuvor schon.

Unsere Top-Elf der Nordderby-Helden.

Clemens Fritz

Der Bremer „Gelbkönig“ in der Derby-Statistik. Sechsmal wird Fritz in Duellen mit dem HSV verwarnt – kein Bremer liegt so oft im Clinch mit Hamburgern und dem Schiedsrichter wie er. Zweimal fliegt Fritz sogar mit Gelb-Rot vom Platz – es lässt sich folglich sagen, dass der langjährige Werder-Kapitän in den Derbys immer mit vollem Einsatz zu Werke gegangen ist.

Christian Schulz

Nicht, dass er sich in einer Partie gegen den HSV besonders hervorgetan hätte, aber wenn Schulz gegen den großen Rivalen auf dem Platz stand, ging es fast immer gut aus für Werder. Nur eine Niederlage kassierte er im Werder-Trikot gegen die Hamburger – bei vier Siegen (einen im Ligapokal) und zwei Unentschieden.

Frank Baumann

Schon komisch: Da spielt einer 20 Mal gegen den HSV, und schließlich ist es eine Papierkugel, die ihm auf ewig einen Platz in den Geschichtsbüchern beschert. Denn Baumann ist es, der 2009 im Rückspiel des Uefa-Pokal-Halbfinales nach dem von einer Papierkugel verursachten Eckball zum 3:1 für Werder trifft. Am Ende gewinnen die Bremer 3:2 und ziehen trotz der 0:1-Niederlage im Heimspiel ins Finale ein. Dass das Papierknäuel ihm und seinem Team dabei maßgeblich geholfen hat, erfährt Baumann erst aus dem Fernsehen: „Ich dachte im ersten Moment, dass es eine Unebenheit im Rasen war.“

Florian Kainz

Der Frischling im Team der Helden! Als Joker kommt Kainz im bis dato letzten Nordderby auf den Platz, erzielt zwölf Minuten später das Tor zum Bremer 2:1-Sieg und ist anschließend völlig beeindruckt: „Ich habe noch nie vor so vielen Leuten ein Derby gespielt. Und ein Tor ist mir in einem Derby auch noch nicht gelungen.“ Für den Österreicher, der bislang nur Wiener Derbys bestritten hatte, war das Tor im April der Türöffner in eine bessere Zukunft bei Werder.

Nach der Papierkugel: Frank Baumann (r.) bejubelt mit Claudio Pizarro sein legendäres Tor im Uefa-Pokal-Halbfinale 2009 gegen den HSV.

Andreas Herzog

5:0 gewinnt Werder am 29. Mai 1993 im Weserstadion gegen den HSV – höher haben die Bremer bis dahin noch nie in der Bundesliga gegen den Nachbarn gewonnen. Bemerkenswert an der Partie ist aber auch, dass die Bremer durch den Sieg am vorletzten Spieltag die Tabellenspitze übernehmen – weil sie um ein Tor an den punktgleichen Bayern vorbeiziehen. Und den Sturm auf Platz eins hat Werder zu großen Teilen Andreas Herzog zu verdanken. Er bereitet ein Tor vor, erzielt zwei selbst – auch das 5:0, das Platz eins bringt. Eine Woche später holen die Bremer dann den Titel.

Marco Bode

Mit 27 Derby-Einsätzen verpasst er den Höttges-Rekord nun knapp. Das Spiel, das am meisten in Erinnerung bleibt, ist das 4:0 am siebten Spieltag der Saison 01/02. Es ist bis heute der höchste Auswärtssieg der Bremer in Hamburg, und Bode ist mit einem Treffer und zwei Vorlagen der Hauptdarsteller. Was da noch niemand weiß: Es ist Bodes Abschiedsvorstellung in Hamburg. Nach der WM 2002 beendet er seine Karriere.

Frank Neubarth

„Mister Europacup“ wird er genannt. „Mister Nordderby“ wäre aber ebenso passend. Denn so oft wie Neubarth hat kein anderer Werder-Profi gegen den HSV gewonnen, wie die Kollegen von Fussballdaten.de für uns aus ihrer Datenbank ausgelesen haben. Zwölf Siege hat der Torjäger in Nordderbys eingefahren – und das als gebürtiger Hamburger gegen die Hamburger. Aus diesem Stoff sind Derby-Märchen gemacht!

Claudio Pizarro

34 Spiele gegen den HSV, 19 Siege, 21 Tore – was für eine Bilanz! Allerdings vollbrachte er nur einen Teil dieser Großtaten im Werder-Dress. Da sind es „nur“ sechs Tore plus ein verwandelter Versuch im Elfmeterschießen des DFB-Pokal-Halbfinales 2009. Doch es gilt: Nur „Pico“ Schütz (sieben Tore) war als Bremer gegen den HSV noch erfolgreicher als Pizarro. Einmal erledigte der Peruaner den HSV im Alleingang, als er beim 2:0 im September 2011 beide Tore erzielte.

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Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden. © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2. © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen. © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen. © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen. © im ago/Future Image
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft. © imago images / Thorge Huter
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen. © imago images / HochZwei/Christians
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Der höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0. © imago images / Kolvenbach
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder. © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen. © imago images / Philipp Szyza
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland. © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war. © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken. © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb. © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“ © imago images / osnapix

Quelle: DeichStube

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