2:1 – tolle Tore und eine erfolgreiche Abwehrschlacht gegen Leverkusen

Werder „wunderschön“ – und jetzt schon Achter!

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Da hilft kein Springen und kein Pusten: Die Leverkusener Mauer ist machtlos, der Freistoß von Werders Standard-König Zlatko Junuzovic einfach zu gut – gleich zappelt der Ball zum 2:0 für die Gastgeber im Netz.

Bremen - Am Ende eines denkwürdigen Nachmittags wollte Viktor Skripnik nur noch eines: Essen. „An Spieltagen habe ich echt keinen Appetit“, gestand der Werder-Coach gestern nach dem fast schon sensationellen 2:1 (2:1)-Heimsieg gegen Champions-League-Achtelfinalist Bayer Leverkusen.

Und seine Spieler hatten ganz Bremen hungrig gemacht – auf noch mehr schönen Fußball, auf noch mehr Kampf und auf noch mehr Punkte. Denn nach dem vierten Bundesliga-Sieg in Folge scheint Werder selbst ohne den verletzten Franco Di Santo nicht mehr aufzuhalten, steht nun schon auf Platz acht. Die Fans skandierten bereits „Europapokal, Europapokal“.

„Ich habe nicht mal mitgesummt, ich bin doch Realist“, versicherte Stürmer Davie Selke. Und sein Kapitän Clemens Fritz mahnte: „Diese Gesänge kommen mir zu früh. Wir sollten nur an den Klassenerhalt denken.“ Böse konnte er dem größten Bremer Chor aber für seine Träumereien nicht sein: „Wir haben unsere Fans teilweise ja schon gequält, mit dem was wir hier in der Vergangenheit abgeliefert haben.“

Die Zeiten sind vorbei, seit Skripnik die Nachfolge von Robin Dutt angetreten hat. Werder begeistert wieder und punktet wie verrückt: 22 Zähler in elf Partien – Wahnsinn! Aber es macht durchaus Sinn, wenn man genauer hinschaut. Die Bremer agieren viel mutiger als noch unter Dutt. So auch gestern. Diesmal allerdings mit einer leicht veränderten Heimtaktik – etwas defensiver als sonst. „Leverkusen ist eine Topmannschaft. Da musst du aufpassen“, erklärte später Skripnik. Deshalb hatte er Felix Kroos im Mittelfeld für Levin Öztunali gebracht. Der zuletzt gelbgesperrte Zlatko Junuzovic ersetzte in der Raute Fin Bartels, der für Di Santo in den Sturm rückte.

Die Rechnung ging auf, Leverkusen rannte sich fest – und dann folgte Teil zwei der Werder-Taktik: schnelles Umschaltspiel über die Außenposition. In Perfektion vorgetragen in der 18. Minute. Fritz eroberte gegen Julian Brandt den Ball, ließ ihn mit einer Finte stehen – und dann ging’s ab: Doppelpass mit Kroos, Doppelpass mit Junuzovic, Pass zu Bartels, der mit dem Außenrist in den Strafraum flankte, wo Selke volley zum 1:0 vollstreckte. Ein Traumtor! „Natürlich trainieren wir das. Aber es ist verdammt schwer, das so auch aufs Parkett zu bringen. Das war wunderschön“, schwärmte Selke.

Werder gewinnt gegen Leverkusen: Die Noten

Genau so ging es zur Verblüffung der 39653 Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Weserstadion weiter. Diesmal gab es aber nur einen Hauptdarsteller: Zum vierten Mal in dieser Saison zirkelte Junuzovic einen Freistoß ins Netz (29.). Sehr zum Ärger der Leverkusener. „Das war ein doofer Witz“, meinte Bayer-Coach Roger Schmidt zum Freistoß-Pfiff von Peter Sippel. Der Unparteiische hatte auf Handspiel entschieden, weil Ömer Toprak einen Kroos-Schuss an den Ellbogen bekommen hatte. „Er dreht sich doch weg, das ist absolut keine Absicht“, schimpfte Schmidt, der in der zweiten Halbzeit an der Seitenlinie vor sich „hinfluchte“ und von Sippel auf die Tribüne geschickt wurde. Werder-Sportchef Thomas Eichin pflichtete Schmidt bei: „Ich hätte keinen Freistoß gepfiffen.“

2:1 gegen Leverkusen: Werder siegt erneut

Immerhin gab es vor der Pause noch etwas Versöhnliches für die Gäste: das 1:2. Extrem unnötig aus Werder-Sicht. Innenverteidiger Jannik Vestergaard war dem mit Karim Bellarabi überforderten Janek Sternberg an der Grundlinie zur Hilfe geeilt – und leitete damit das Unheil ein. Nach Pfostentreffer von Gonzalo Castro und Raphael Wolfs Rettungstat gegen Wendell drückte Hakan Calhanoglu die Kugel schließlich per Kopf über die Linie (43.).

So kurz vor der Pause tat das Werder richtig weh – und sollte auch die ganze zweite Halbzeit schmerzen. Dazu passte der frühe Ausfall von Alejandro Galvez (50.). Der Innenverteidiger war umgeknickt. Für ihn kam Assani Lukimya und kämpfte und kämpfte und kämpfte. Es wurde eine Abwehrschlacht – eine erfolgreiche. Bayer hatte nur noch einen Pfostenschuss von Stefan Kießling (52.) und einen Versuch von Julian Brandt, den Wolf entschärfte.

Drei Spiele, drei Siege – das gab es bei einem Rückrundenstart zum letzten Mal in der Double-Saison 2003/2004. Auf vier Bundesliga-Dreier am Stück mussten die Fans fast fünf Jahre warten. „Wir sind sehr, sehr stolz“, meinte Selke. Und Skripnik befand: „Wir stehen jetzt auf einem bequemen Platz. Achter – das ist echt eine gute Sache.“ Eher ein Wunder, wenn man die Mannschaft als Tabellen-18. übernommen hat.

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