Timo Perthel über seinen Wechsel nach Rostock, den Titel in Graz, den Werder-Schock – und Tattoos

Timo Perthel: „Die Kogge kommt auf den Rücken“

Stolz auf die österreichische Schale: Timo Perthel mit Sturm-Sportdirektor Oliver Kreuzer (rechts) und der Trophäe beim Meisterempfang auf dem Marktplatz in Graz.

Von Malte Rehnert · Erst Bremen, dann Graz, nun Rostock – aber zwischendurch immer wieder Syke. Fußball-Profi Timo Perthel, der gerade in Mecklenburg-Vorpommern einen Zweijahresvertrag beim Zweitliga-Aufsteiger unterschrieben hat, kehrt gerne in seine Heimat zurück – wenn auch oft nur für einen Tag.

Im Interview erklärt der 22-Jährige seine innige Verbindung zu Syke und warum eine Rückkehr zu Werder gescheitert ist. Außerdem spricht Perthel über die Männer-WG mit seinem Bruder und seine Vorliebe für Tattoos.

Sie sind gerade erst nach Rostock gewechselt – haben Sie sich schon eingelebt?

Timo Perthel: Ja. Ich bin hier vom ersten Tag an super aufgenommen worden. Die Mannschaft ist toll, ich fühle mich sehr wohl. Und die Stadt gefällt mir auch sehr gut.

Die Spielzeit in Österreich endete erst am 25. Mai – und am 13. Juni war schon Trainingsauftakt bei Hansa, weil die Zweitliga-Saison am 15. Juli startet. Ist es kein Problem, dass Sie nicht mal drei Wochen Urlaub hatten?

Perthel: Nein. Ich wusste ja, dass der Urlaub ziemlich kurz sein würde, wenn es mit einem Zweitligisten klappt.

Wie haben Sie die kleine Sommerpause genutzt?

Perthel:Ich war mit meiner Freundin Larissa fünf Tage auf Mallorca. Die meiste Zeit habe ich aber zu Hause in Syke verbracht.

Da gab’s sicher einiges zu erzählen, immerhin kamen Sie als Meister zurück. Wie war das Jahr in Österreich?

Perthel:Den Titel zu holen, war natürlich ein tolles Erlebnis. Das schafft man auch in Österreich nicht jedes Jahr. Danach haben wir erst mal drei Tage durchgefeiert.

Sie waren Stammspieler als linker Verteidiger – Ihre Wunschposition?

Perthel:Eigentlich spiele ich dort nicht so gerne. Es hat mich allerdings auch weiter gebracht. Trainer Franco Foda war früher ja selbst Verteidiger und hat viel Wert auf die Abwehrarbeit gelegt – dadurch habe ich mich defensiv eindeutig verbessert. Aber weiter vorne, auf der linken Außenbahn oder im Mittelfeld, macht’s mehr Spaß.

Wo plant Sie Trainer Peter Vollmann denn nun in Rostock ein?

Perthel:Eher wieder offensiv. Ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer. Er sieht mich weiter vorne – und nur als Back-up für links hinten. Es ist gut, wenn man mehrere Positionen spielen kann.

Momentan wohnen Sie in Rostock noch im Hotel. Wann ziehen Sie um?

Perthel:Es ist gar nicht so leicht, hier eine Wohnung zu finden. Ich habe jetzt aber eine in Aussicht – es ist nur die Frage, ob ich sie bekomme. Falls ja, würde ich zum 1. September umziehen. Dass ich gerade noch im Hotel bin, ist aber überhaupt nicht schlimm.

Warum haben Sie sich für Rostock entschieden?

Perthel:Ich hätte auch in Graz bleiben können, doch ich wollte unbedingt zurück nach Deutschland. Es gab Gespräche mit mehreren Zweitligisten – aber als ich vom Rostocker Interesse hörte, habe ich gleich gesagt: Das will ich machen.

Warum?

Perthel:Weil ich ein gutes Bauchgefühl hatte. Ich kenne die Anlage hier noch von der U 17 und der U 19, wir haben super Bedingungen. Außerdem ist Rostock nicht weit weg von der Heimat, in zwei bis zweieinhalb Stunden bin ich in Syke – wenn ich gut durchkomme. Wir haben uns dann ziemlich schnell geeinigt.

Hatten Sie auch Angebote aus der Bundesliga?

Perthel:Nichts Konkretes – das gab es nur aus der Zweiten Liga.

Es war auch eine Rückkehr nach Bremen, wo Sie elf Jahre Ihrer Karriere verbrachten, im Gespräch: Warum hat das nicht geklappt?

Perthel:Ich bin monatelang davon ausgegangen, dass mein nächster Schritt wieder Werder sein würde. Aber dann habe ich gelesen, dass man da nicht mehr wirklich mit mir plant. Das hat mich ziemlich getroffen, war ein echter Schock. Und dieses „Er kommt erst mal zurück und dann schauen wir weiter“ hatte ich schon zwei Jahre. Das reichte. Ich will spielen – und zwar nicht in der U 23 in der Dritten Liga, das war kein Thema mehr. Nach ein paar Tagen habe ich dann gedacht: Die Tür Werder ist zu – jetzt öffnet sich die nächste.

Was erhoffen Sie sich vom Wechsel zu Hansa?

Perthel:Ich will Stammspieler in der Zweiten Bundesliga werden, das ist ganz klar. Das wird nicht leicht, denn die Mannschaft ist eingespielt, die Konkurrenz stark. Aber ich habe keine Angst und denke, dass ich genug Qualität habe, um mich hier durchzusetzen. Ich will irgendwann in die Erste Liga – da ist dieser Schritt jetzt genau richtig.

Hat Ihre Familie Sie schon in Rostock besucht?

Perthel:Nein, das haben wir bisher noch nicht geschafft. Aber meine Freundin war schon zwei Mal da.

Aus Graz sind Sie während der Saison um die 25 Mal nach Syke gejettet, meistens nur für einen Tag. War das Heimweh so stark?

Perthel:Ich habe in Syke viele Freunde – und meine Familie wohnt auch hier. Da bin ich gerne so oft es ging hergekommen, auch wenn es ein bisschen stressig war.

Mittlerweile haben Sie – zusammen mit Ihrem Bruder Dennis (24) – in Syke ein Haus gemietet. Wie klappt es mit der perthelschen Männer-WG?

Perthel:Na ja, so oft bin ich ja noch nicht da gewesen. Aber im Prinzip ist es perfekt: Vorher hatte ich eine Wohnung in Weyhe, war aber fast ein Jahr lang überhaupt nicht da. Jetzt steht nichts mehr leer, weil mein Bruder da ist. Allerdings muss er sich noch ein bisschen umgewöhnen. Es ist Schluss mit ,Hotel Mama‘, er muss jetzt auch selbst kochen (lacht).

Sie sind in Kaiserslautern geboren. Woher kommt als Pfälzer die innige Verbindung zu Syke?

Perthel:Wir sind nach Syke gezogen, als ich sechs Jahre alt war. Ich habe hier den größten Teil meiner Kindheit verbracht. Syke ist inzwischen meine Heimat.

Sie haben sich „Syke“ sogar auf den rechten Unterarm tätowieren lassen . . .

Perthel:Ich werde eben immer Kontakt nach Syke haben und hier nach meiner Karriere wahrscheinlich auch wohnen. Ich mag die tolle Umgebung. In Bremen habe ich auch mal ein halbes Jahr gewohnt, aber das hat mir nicht gefallen.

Neben dem „Syke“-Schriftzug haben Sie viele andere Tattoos, unter anderem mit den Geburtsdaten Ihrer Eltern, Ihres Bruders und Ihrer Schwester. Wie kam’s zu dieser Leidenschaft?

Perthel:Mit 17 habe ich damit angefangen – und es hat mir einfach sofort gefallen.

Wieviele Tattoos haben Sie inzwischen?

Perthel:Der rechte Arm ist voll, dann noch zwei am linken und eins auf den Rippen.

Gegenüber dem Vereins-TV haben Sie kürzlich versprochen, sich im Falle des Klassenerhalts die Hansa-Kogge stechen zu lassen – wo soll das Schiff hin?

Perthel:Oh, Mann. Aus dieser Nummer komme ich wohl nicht mehr raus. Die Kogge kommt dann auf den Rücken – da ist noch jede Menge Platz . . .

Zur Person  Timo Perthel

Bis 2010 war Timo Perthel bei Werder Bremen

1995 begann Timo Perthel beim TuS Syke mit dem Fußballspielen, 1999 wechselte er als Zehnjähriger zum SV Werder Bremen und durchlief dort alle Jugendmannschaften. 2008 rückte der Linksfuß in den Kader von Werder II, absolvierte für die Reserve 59 Spiele (drei Tore). Seinen einzigen Einsatz in der Bundesliga hatte er am 3. Mai 2009 gegen Köln, als er in der 72. Minute für Peter Niemeyer eingewechselt wurde. Für die Nachwuchsmannschaften des DFB stand er insgesamt 13 Mal auf dem Platz. 2010 lieh Werder ihn für ein Jahr zu Sturm Graz (20 Ligaspiele) aus – dort feierte Perthel 2011 die österreichische Meisterschaft. Inzwischen hat er einen Vertrag bis 2013 bei Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock unterschrieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Krause-Sause in der Halle 7

Krause-Sause in der Halle 7

Erneuter Rückschlag für BVB - Leipzig siegt weiter

Erneuter Rückschlag für BVB - Leipzig siegt weiter

Cimic Übung „Joint Cooperation 2017“ in Barme

Cimic Übung „Joint Cooperation 2017“ in Barme

Nachtwanderung in Helzendorf

Nachtwanderung in Helzendorf

Meistgelesene Artikel

Das passiert am Samstag

Das passiert am Samstag

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Kommentare